Worte zum Mai: Im Jetzt
Diese Ausgabe ist eine Einladung: weniger zu müssen und mehr zu spüren
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Wann haben Sie sich zuletzt in etwas verloren, einfach weil es schön war? Ohne gedanklich schon beim Nächsten zu sein? Bei mir ist das, ehrlich gesagt, schon eine Weile her. Zu oft bin ich im Kopf einen Schritt weiter, noch bevor ich den Moment richtig wahrgenommen habe. Brauchen wir alle ein bisschen mehr Wonne? Ja, richtig gelesen: Wonne. Ein Wort, das leicht verstaubt klingt, aber ziemlich genau trifft, was uns oft fehlt: dieses echte, unverstellte Sich-gut-Fühlen. Ohne Optimierungsdruck. Ohne To-do-Liste im Hinterkopf.
Der Mai gilt nicht umsonst als Wonnemonat. Ich bin ein Mai-Kind, Stier, um genau zu sein. Und ja, ich erfülle das Klischee ziemlich zuverlässig: ein bisschen stur, sehr genussfreudig, mit einer Schwäche für alles, was schön ist. Früher hätte ich das ein kleines Laster genannt, heute erinnert es mich daran, wieder bewusster zu genießen. Nur geht genau das im Alltag oft verloren. Also: kurz stehen bleiben. Mehr wahrnehmen. Wieder öfter bei dem bleiben, was sich gut anfühlt, und auch mal hinschauen, wo etwas fehlt. Und darüber sprechen.
Genau darum geht es in dieser Ausgabe. Wir schauen uns Slow Beauty an und zeigen, warum weniger oft mehr ist (S. 38). Gleichzeitig darf es leicht bleiben, mit Mode in Candy-Farben, die einfach Spaß macht (S. 20). Und dann ist da noch der Muttertag. Ein Anlass, der viel mit Fürsorge zu tun hat: mit Geben, Dasein, Verantwortung, aber auch damit, wie selbstverständlich es oft ist, sich selbst zurückzunehmen. Was passiert, wenn man das hinterfragt? Genau dem gehen wir nach (S. 54) und auch der Frage, wie wir darüber sprechen. Oder eben nicht. Für viele Männer ist es bis heute ungewohnt, über Gefühle zu sprechen (S. 74). Oft, weil es ihnen nie wirklich beigebracht wurde. Vielleicht auch, weil wir es alle ein bisschen verlernt haben. Diese Ausgabe ist eine Einladung: weniger zu müssen und mehr zu spüren. Der Mai ist eine ziemlich gute Gelegenheit dafür.
Anregungen, Wünsche, Ideen? laura.altenhofer@wienerin.at
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