Männer, warum lasst ihr keine Vasektomie machen?

Der operative Eingriff ist schmerzlos, schnell und hat kaum einen Einfluss auf den Körper. Warum kommt eine Vasektomie als Verhütungsmethode besonders für junge Männer nicht in Frage?

Zwei Ärzte im OP-Saal

Ein Thema, über das wir mehr reden sollten? Männliche Verhütung. Gerade in Zeiten, in denen weibliche Körper per Gesetz vermehrt kontrolliert werden – zuletzt wurden in den USA und in Ungarn die Abtreibungsgesetze verstärkt – fragen wir uns: Warum sprechen wir so wenig über männliche Verhütung?

Für Frauen sind bereits etliche Verhütungsmittel am Markt, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Da gibt‘s mechanische, hormonelle oder chemische Methoden: Den Vaginalring, das Femidom, das Diaphragma, die Spirale, die Pille, Vaginalzäpfchen, Verhütungspflaster und, und, und…

Männer können hingegen nur auf zwei Optionen zurückgreifen, wenn sie noch keinen Kinderwunsch haben: Das Kondom oder die Vasektomie. Woran liegt das? Ist es ein gesellschaftliches oder medizinisches Problem? Und sind Männer überhaupt bereit sich mehr mit Verhütung auseinanderzusetzen?

Altersfrage

Hand aufs Herz: Woran denkst du, wenn es um männliche Verhütungsmittel geht? Das Kondom? Macht Sinn. Denn alternativ gibt es dazu bis jetzt genau eine Methode für Männer, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Nämlich die Vasektomie - ein operativer Eingriff, bei dem die Samenleiter durchtrennt werden, damit die Partnerin nicht schwanger wird. Weitere Vorteile? Die OP tut nicht weh, ist innerhalb kurzer Zeit erledigt und Man(n) muss nach dem Eingriff im Idealfall nicht einmal im Krankenhaus bleiben. "Es ist ein Minischnitt am Hodensack, der auch mit einer Lokalnarkose möglich ist", wie Dr. Michael Feichtinger vom Wunschbaby Institut erklärt.

Junge Männer müssen aber vorsichtig sein: Die Vasektomie erlaubt es zwar, dass die Frau nicht zu hormonellen Verhütungsmethoden greifen muss und ist unglaublich effizient, wenn es um Verhütungssicherheit geht, "allerdings ist der Eingriff permanent. Die Vasektomie ist also eine total schlechte Idee für einen Mann Anfang 20 oder auch Ende 30, wenn dieser noch keine Kinder hat und in Zukunft welche haben will", führt der Arzt aus. Gibt es denn andere Alternativen für junge Männer?

Keine Chance

Neben einem Gel, das sich Männer auf die Haut schmieren können, wird derzeit auch an einer Spritze geforscht, die eine ungewollte Schwangerschaft verhindern soll. Doch weitere Verhütungsmethoden für Männer gibt es derzeit nicht. "Genau das ist der Haken an der ganzen Sache. Leider kommt die Forschung beim Mann nicht vom Fleck", so Dr. Feichtinger.

"Nach einer Vasektomie gibt es bei nachträglichem Kinderwunsch zwar die Möglichkeit einer sogenannten Vasovasostomie. So können die Samenleiter wieder zusammengefügt werden. Es ist eine deutlich größere Operation als eine Vasektomie." Das Problem? "Viele Männer, die sich zu diesem Schritt der Rückoperation entschließen, sind oft trotz allem nicht zeugungsfähig. In ca. der Hälfte der Fälle funktioniert das nicht so gut. Die klassische Alternative zur Vasektomie ist daher immer noch das Kondom." Wir fragen uns: Warum macht die Wissenschaft so wenige Fortschritte, wenn es um männliche Verhütung geht?

Verhütung muss Männersache werden

Dr. Feichtinger ist sich sicher: "Einerseits ist es bei Männern hormonell deutlich schwieriger einzugreifen. Dadurch, dass der Hoden konstant arbeitet und der Samen konstant produziert wird, ist immer eine Samenproduktion da. Dieser Kreislauf ist viel schwerer zu durchbrechen als bei der Frau. Andererseits hat sich sicherlich auch die Wissenschaft auf ihren Lorbeeren ausgeruht. Man hat sich gedacht: ‚Super jetzt hamma eh was in den 50er-Jahren erfunden. Da brauchen wir für den Mann nichts mehr.‘ Es wurde auch nicht viel in die Richtung getan. Was auf jeden Fall ein Fehler war!“. Für eine Veränderung fehle es bei Männern an Aufklärung, weshalb auch die Wissenschaft hier nur langsame Schritte macht.

"Den großen Vorteil, den wir von medizinischer Seite bei Frauen haben, ist, dass die meisten Frauen, wahrscheinlich schlauer sind als Männer und regelmäßig zum Gynäkologen gehen und Vorsorgeuntersuchungen machen. Die meisten Männer waren noch nicht beim Urologen oder haben sich gar nie beraten lassen. Man müsste die Männer erst überhaupt zum Arzt bringen", stellt Dr. Feichtinger fest, "Die meisten Frauen besprechen das Thema Verhütung meist mit ihrem Gynäkologen, doch viele Männer haben diese Ansprechpartner nicht oder suchen ihn nicht, obwohl es sie gäbe." Der Urologe oder Hausarzt sind zum Beispiel Personen mit denen Männer über Verhütungsalternativen sprechen können und sollten. Schließlich wären 78 % der Männer laut Studien sogar bereit die Verhütung zu übernehmen.

 

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