Ein Mann und eine Frau Arm in Arm, lachend.

Offene Beziehungen: kein Lifestyle, sondern ein Stresstest für unser Ego

Reinhard Gaida-Leath über Eifersucht, Selbstwert und warum wir Beziehung neu lernen müssen.

3 Min.

Reinhard Gaida-Leath über Eifersucht, Selbstwert und warum wir Beziehung neu lernen müssen. © beigestellt

Offene Beziehungen werden oft als Symbol von Freiheit verkauft. Mehr Möglichkeiten, weniger Einschränkungen, ein moderner Zugang zu Liebe und Sexualität. Reinhard Gaida-Leath hält das für eine gefährliche Verkürzung. „Offen zu sein ist leicht“, sagt er. „Sich selbst dabei auszuhalten, ist die eigentliche Herausforderung.“ Denn was viele unterschätzen: Offene Beziehungen verstärken das, was ohnehin da ist. Unsicherheit wird sichtbarer. Eifersucht intensiver. Verlustangst greifbarer. Was früher im Stillen funktioniert hat, funktioniert plötzlich nicht mehr.

Eifersucht ist kein Fehler, sondern Wahrheit

In klassischen Beziehungsmodellen lässt sich vieles stabilisieren: durch Regeln, durch Exklusivität, durch unausgesprochene Vereinbarungen. Offene Beziehungen nehmen diesen Puffer weg. „Du kannst dich nicht mehr darauf verlassen, dass dir Sicherheit von außen gegeben wird“, sagt Reinhard Gaida-Leath. „Du musst sie in dir selbst finden.“ In engen Beziehungen wird der Spagat zwischen Selbstermächtigung und tief verankerten Prägungen besonders sichtbar. Das macht offene Beziehungen unbequem und gleichzeitig radikal ehrlich. Eifersucht wird dabei nicht als etwas gesehen, das „weg muss“, sondern als etwas, das etwas zeigt: Wo fühle ich mich nicht genug? Wo verliere ich mich im Vergleich? Wo suche ich Halt im Außen, den ich mir selbst nicht geben kann?

Freiheit ohne Verantwortung ist Selbsttäuschung

Der aktuelle Hype um offene Beziehungen blendet oft einen entscheidenden Punkt aus: Verantwortung. „Viele wollen die Freiheit, aber nicht die Konsequenzen“, so Gaida-Leath. „Sie nennen es Offenheit, aber vermeiden eigentlich nur Tiefe.“ Denn echte Offenheit bedeutet nicht, mehr Optionen zu haben. Sie bedeutet, sich sichtbar zu machen – mit Unsicherheit, Widersprüchen und Grenzen. Und genau das ist für viele der schwierigste Teil.

Warum wir Beziehung grundsätzlich falsch gelernt haben

Für Reinhard Gaida-Leath liegt das Problem tiefer. Es geht nicht um monogam vs. offen, sondern darum, wie wir Beziehung überhaupt verstehen. „Wir wurden darauf konditioniert, Beziehung als Sicherheitssystem zu sehen“, sagt er. „Aber das verhindert oft genau die Entwicklung, die eigentlich möglich wäre.“ Statt Beziehung als Ort von Wachstum zu begreifen, wird sie zum Ort der Absicherung. Statt Ehrlichkeit entsteht Anpassung. Statt echter Nähe entsteht ein funktionierendes Konstrukt. Offene Beziehungen bringen dieses System ins Wanken und genau darin liegt ihr Potenzial.

Was passiert, wenn Menschen aufhören, sich zu verstecken

Diese Auseinandersetzung bleibt bei Gaida-Leath nicht theoretisch. Sie wird bewusst in Räume gebracht, in denen sie erlebt werden kann. Mit der Schwelle Conference und dem Kink & Consciousness Festival schafft er Formate, die genau dort ansetzen, wo klassische Konzepte enden: bei echter Begegnung. Hier geht es nicht um schnelle Antworten oder Wohlfühl-Seminare, sondern um direkte Erfahrung: Wie reagiere ich, wenn ich mich wirklich zeige? Was passiert, wenn ich meine Muster nicht kontrolliere, sondern erkenne? Die Formate ziehen zunehmend Menschen an, die genug davon haben, Beziehung nur zu analysieren und anfangen wollen, sie bewusst zu leben.

Reinhard Gaida-Leath über die unbequeme Wahrheit

Offene Beziehungen sind kein Upgrade. Sie sind kein Zeichen dafür, dass man „weiter“ ist. Sie sind ein Setting, in dem du dir selbst schwerer ausweichen kannst. Und genau deshalb sind sie für viele so herausfordernd. „Am Ende geht es nicht darum, wie viele Menschen du liebst“, sagt Gaida-Leath. „Sondern darum, wie ehrlich du dir selbst begegnest.“ Für alle, die diese Themen nicht nur verstehen, sondern am eigenen Körper und in echter Begegnung erfahren wollen, gibt es konkrete Räume: Die Schwelle Conference (13.–14. November 2026) bringt einige der spannendsten Stimmen aus Therapie, Forschung und Praxis zusammen und verbindet Wissen mit direkter Erfahrung. Das Kink & Consciousness Festival geht noch weiter: ein bewusst intensiver Erfahrungsraum für Menschen, die bereit sind, Beziehung, Sexualität und Selbstwahrnehmung radikal ehrlich zu erforschen, jenseits von Rollenbildern und Komfortzonen.

Für alle, die nicht nur darüber lesen wollen gibt es weitere Informationen unter  reinhardgaida.com.

Impressum:
Schwelle7 GesmbH
Reinhard Gaida
Bloch Bauer Promenade 20/18 1100 Wien
E-Mail: info@schwelle.at
Website: www.reinhardgaida.com
Website: schwelle-conference.com

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