WIENERIN Female Health Summit 2026: Gemeinsam viel bewegen
So war das Leitevent für Frauengesundheit am 19. Juni 2026
© VANDEHART PHOTOGRAPHY
“Heute nehmen wir uns kein Blatt vor den Mund!” Mit diesen klaren Worten begrüßte
WIENERIN-Chefredakteurin Lisa Staltner die rund 500 Frauen in der gut besuchten ARIANA in der Seestadt. Worüber sonst oft geschwiegen wird, wurde beim ersten Female Health Summit der WIENERIN offen gesprochen – fundiert, tabufrei und mit Haltung. Das Ziel des Tages: aufklären, informieren, Mut machen und den Gender Health Gap sichtbar machen.

Warum Frauengesundheit Zukunft ist
Den fachlichen Auftakt machte Dr.in Alexandra Kautzky-Willer mit ihrer Keynote „The Future of Female Health“. Die Expertin für Gendermedizin und Endokrinologie zeigte, warum Frauengesundheit und geschlechtersensible Medizin zentrale Zukunftsthemen sind – und weshalb Forschung, Diagnose und Versorgung Frauen stärker mitdenken müssen.
Wie wenig selbstverständlich das nach wie vor ist, machte später auch Sri Manivannan, auf Social Media bekannt als „MedSri“, in ihrer Keynote „Gender Health Gap“ deutlich. Die Medizinerin und Spiegel-Bestsellerautorin von „Die unerforschte Frau“ sprach darüber, wo Frauen in Forschung, Diagnose, Versorgung und medizinischer Wahrnehmung nach wie vor benachteiligt oder später ernst genommen werden. Beschwerden, so die zentrale Botschaft, dürfen nicht länger als „ist halt so“ abgetan werden.
Dass dieses Nicht-ernst-genommen-Werden für viele Frauen Realität ist, griff auch Hofrat Dr. Thomas Holzgruber im Talk „Medical Gaslighting“ auf. Der Patient:innen-Ombudsmann der Ärztekammer für Wien sprach darüber, warum Frauen sich medizinisch oft nicht gehört fühlen – und wie Patient:innen ihre Rechte besser wahrnehmen, Fragen klarer stellen und Unterstützung einfordern können.



Gesund bleiben in jeder Lebensphase
Ein zentraler roter Faden des Tages war die Frage, was Frauen langfristig gesund, stark und handlungsfähig hält. Genau darum ging es im Panel „Beyond Biohacking – Longevity für ein langes, gesundes Leben“. Diskutiert wurde nicht über Selbstoptimierung um jeden Preis, sondern darüber, was Gesundheit im echten Alltag bedeutet. Am Podium: Dr.in Karin Stengg, Fachärztin und Longevity-Expertin, Melanie Pesendorfer, Schlafcoachin, Dominique Scharax, Expertin für ganzheitliche Gesundheit und Nervensystemregulation, sowie Dr.in Mireille Ngosso, Allgemeinmedizinerin und Expertin für Gendermedizin und diversitätssensible Medizin.
Auch die Wechseljahre wurden nicht als Randthema behandelt, sondern als wichtige Lebensphase, über die offen gesprochen werden muss. Im Panel „Hot Flashes & Cold Truths – Menopause rebrandet“ ging es darum, die Menopause medizinisch einzuordnen, zu enttabuisieren und sichtbar zu machen – nicht als Krise, aber auch nicht als etwas, das Frauen einfach aushalten müssen. Auf der Bühne sprachen Dr.in Judith Boban, Fachärztin für Frauenheilkunde und Wechseljahresexpertin, Dr.in Doris Gapp, Allgemeinmedizinerin mit Schwerpunkt Frauenmedizin, Daniela Ullrich, Journalistin, Podcasterin und Gründerin von MENOMIO, sowie Evi Hellweger, Coachin für Wechseljahre und Diversitätskompetenz.


Nach der Mittagspause holte Sissi Heinzl mit ihrer Keynote „Zyklus 2.0 – Arbeit, Zyklus & Leistung“ Zykluswissen in Alltag und Arbeitswelt. Die Gründerin von femergency zeigte, wie Frauen Energie, Kapazität und Körperwissen besser verstehen können – ohne daraus ein neues Optimierungsprojekt zu machen.

Körperwissen statt Körperdruck
Dass Frauengesundheit immer auch mit Körperbild, gesellschaftlichen Erwartungen und medizinischen Fakten zu tun hat, zeigte das Panel „Body Talk“. Dabei ging es um Gewicht, Ernährung, Stoffwechsel, Bewegung, Abnehmspritzen und Selbstbild – differenziert, ohne Diätlogik, aber auch ohne medizinische Themen zu verharmlosen. Auf der Bühne diskutierten Bettina Dreschl, Diätologin mit Schwerpunkt Frauengesundheit, Dr. Robert Fritz, Sportarzt, Präventiv- und Ernährungsmediziner, Dr.in Yvonne Winhofer-Stöckl, Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechsel, sowie Elisabeth Marcinkowski, auch bekannt als Elly Magpie, mit Fokus auf Health, Wellbeing, Körperdiversität und Bewegung.


Zum Körper gehört auch sexuelle Gesundheit – ein Thema, das noch immer viel zu oft von Scham, Mythen und Unsicherheit begleitet wird. Im Panel „Desire, Hormones & Reality – Was Frauen über Lust wirklich wissen sollten“ wurde sexuelle Gesundheit als selbstverständlicher Teil von Frauengesundheit besprochen. Chiara Louisa Riolfi, psychologische Beraterin und klinische Sexologin, Julia Henchen, Paar- und Sexualtherapeutin, Dr.in Andrea Lederer, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, sowie Lea Holzfurtner, klinische Sexologin, TV-Sex-Coach und Autorin, sprachen über Lust, Hormone, Schmerzen, Scham, Beziehungen, Körpergefühl und sexuelle Selbstbestimmung.

Wenn Belastung sichtbar wird
Gesundheit endet nicht beim Körper. Das wurde besonders im Panel „Mental Health – Mental Load? Ich lade zurück“ deutlich. Im Mittelpunkt standen mentale Belastung, Care-Arbeit, Dauerverantwortung, Erschöpfung, Grenzen und echte Entlastung – weit weg von oberflächlichen Selfcare-Floskeln. Darüber diskutierten Daniela Ebeert von DERTOUR Austria, Tamara Felbinger, Beraterin, Supervisorin und Sozialarbeiterin bei Vemina, Diyani Dewasurendra, Ärztin bei Ärzte ohne Grenzen, sowie Ana Maria Doss, Mentaltrainerin, Podcasterin und Speakerin. Der gemeinsame Tenor: Mentale Gesundheit braucht nicht nur individuelle Strategien, sondern auch Strukturen, die Entlastung ermöglichen.


Vom Wissen ins Tun
Parallel zur Main Stage wurde im Body & Mind Studio erlebbar gemacht, was auf der Bühne besprochen wurde: Bewegung, Körperwissen und mentale Regulation als Teil ganzheitlicher Gesundheit. Die Workshops reichten von Krafttraining mit Jasmin Gohn über zyklusorientiertes Wissen mit Sissi Heinzl bis hin zu Ernährung, Energie und Nervensystem-Balance mit Elisabeth Koller. Bei Dominique Scharax standen Move, Mind und Breath im Fokus, Magdalena Rechberger widmete sich dem Thema Beckenboden ohne Tabus, Katka Sedlak zeigte Face Yoga, und Dr.in Irene Zavarsky brachte den Teilnehmerinnen bei Krav Maga näher, wie Selbstverteidigung für jedes Alter funktionieren kann. Für zusätzliche Abkühlung und Überwindung sorgte das Eisbaden mit WeBorn.

Auch abseits von Main Stage und Workshop-Räumen gab es viel zu entdecken. In der Experience Area präsentierten Partner:innen innovative Produkte, Gesundheitsangebote, Challenges und Selfcare-Impulse. Beim Workshop „Meta Discovery – Die Zukunft der Hautpflege mit Lancôme“ tauchten Teilnehmer:innen in die Welt der Longevity-Forschung ein und erfuhren, wie Hautpflege, Zellenergie und biologisches Hautalter zusammenhängen. Dazu kamen Goodie-Bags, Food & Drinks, Austauschmöglichkeiten und viele Momente, in denen klar wurde: Female Health ist nicht nur ein Thema für Ärzt:innen. Es ist ein Thema für Gespräche unter Freundinnen, für Community, für Alltag und für die eigene Zukunft.



Was bleibt
Einen starken Schlusspunkt setzte die live aus San Francisco zugeschaltete Neurowissenschaftlerin Dr.in Sophie Imhof. In ihrem Abschlussimpuls „Know Your Baseline“ rief sie dazu auf, die eigenen biologischen Warnzeichen, Werte und Vorsorgetermine besser zu kennen – und verabschiedete die Teilnehmer:innen mit einem Ausblick, der den Tag gut zusammenfasste: „Es stehen uns spannende nächste zehn Jahre in der Gendermedizin bevor.“

Am Ende blieb genau dieses Gefühl: Da ist etwas in Bewegung. In der Forschung, in der Medizin, in der Sprache, mit der über weibliche Körper gesprochen wird – und auch darin, wie Frauen ihre Beschwerden, Fragen und Bedürfnisse einordnen. Der Summit zeigte, dass Frauengesundheit nicht erst dann Thema sein darf, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Sie beginnt früher: beim Wissen, beim Ernstnehmen, beim Zuhören.
Es stehen uns spannende zehn Jahre in der Gendermedizin bevor.
Dr.in Sophie Imhof, Neurowissenschaftlerin
Der erste WIENERIN Female Health Summit hat gezeigt, wie groß das Interesse an Frauengesundheit ist, wenn man sie nicht verniedlicht, vereinfacht oder tabuisiert. Sondern sie als das behandelt, was sie ist: relevant, politisch, persönlich – und längst überfällig.

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