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In Hollywood normal, bei uns auch stark im Kommen: Behandlungen, bei denen Lachssperma in die Haut injiziert wird. Wir haben uns den Hype genauer angesehen.
„Ich habe mir Lachssperma ins Gesicht injizieren lassen“, sagt Kim Kardashian grinsend in einer Folge der bekannten Reality-Serie Die Freude steht ihr dabei unübersehbar ins Gesicht geschrieben. In diesem Moment ist allen Zusehenden klar: Ein neuer Beauty-Hype ist im Anrollen. Doch worum handelt es sich dabei genau? Wir haben mit zwei Expertinnen darüber gesprochen und nachgeforscht.
Lachssperma als Beauty-Trend
Aber der Reihe nach. Wenn Kim K von Lachssperma spricht, bedeutet das natürlich nicht, dass ihr reines Sperma injiziert wird. Genauer gesagt handelt es sich dabei um die im Sperma enthaltenen Polynukleotide und diese sollen wiederum die Kollagenproduktion anregen. Das Ergebnis: frische und pralle Haut. Doch gerade bei diesem Treatment stellt sich die Frage: Wie ist man denn bitte darauf gekommen?
„Man hat Lachshaut schon seit Jahren in der Medizin verwendet, bei Transplantationen, etwa in Folge von Verbrennungen, und bei Verletzungen. Nachdem das gut funktioniert hat, hat man sich genauer angesehen, welches Potenzial es hier vielleicht noch gibt und hat festgestellt, dass Polynukleotide sehr regenerativ wirken können“, weiß Dermatologin Dr. Kerstin Ortlechner.
Besonders effektiv sollen Polynukleotide bei einzelnen Zonen wie etwa im Bereich unter den Augen wirken. Das ist insofern spannend, da dieses Areal in der Vergangenheit meist mit Hyaluron-Fillern behandelt wurde, was häufig nicht zum gewünschten Ergebnis führte.

„Biostimulatoren wie Polynukleotide aktivieren den körpereigenen Regenerationsprozess. Die Wirkung erfolgt also über die Stimulation der körpereigenen Produktion von Kollagen. Hyaluron sorgt im Gegensatz dazu für Fülle“, erklärt Dr. Martina Blaho von Real Beauty in Wien.
Vorteile und Risiken der Behandlung
Richtig angewendet, können Polynukleotide einige Vorteile mit sich bringen: „Sie können Sonnenschäden und Aknenarben verbessern, Fältchen reduzieren und sie stimulieren den Elastin- und Kollagenaufbau. Außerdem können sie, abgesehen vom Gesicht, auch am Hals, Dekolleté, auf den Händen und für die Haare angewendet werden“, so Dr. Blaho.
„Nach dem Kardashian-Sager war die Nachfrage nach dieser Behandlung enorm. Ich finde, dass Polynukleotide vor allem im Bereich der Unterlider wirklich gute Ergebnisse erzielen können, aber das ist von Patient:in zu Patient:in verschieden. Bei manchen wirkt es besser und bei anderen erzielt es vielleicht nicht den gewünschten Effekt. Deshalb muss man auch hier jede Person individuell beraten“, so Dr. Ortlechner.
Alles, das in die Haut injiziert wird, gehört in die Hände von Fachärzt:innen.
Dr. Kerstin Ortlechner
Und wie sieht es mit Nebenwirkungen aus? Auf einigen Websites wird die Behandlung quasi als risikofrei betitelt. Dr. Ortlechner: „Es ist ganz wichtig zu verstehen, dass einfach alles, das in die Haut injiziert wird, Nebenwirkungen mit sich bringen kann, dessen muss man sich immer bewusst sein.“ Und weiter: „Man sollte bei jeder Behandlung recherchieren und einen Profi aufsuchen. Polynukleotide haben nur dann einen Effekt, wenn sie in der richtigen Hautschicht appliziert werden. Meiner Meinung nach ist es ganz wichtig, dass alles, was in die Haut injiziert wird, immer in die Hände von Fachärzt:innen gehört.“
Der Kardashian-Effekt
Seit Jahren wissen wir, dass so ziemlich alles, das die Kardashians thematisieren, Trend-Potenzial mit sich bringt. Unabhängig davon, ob berechtigt oder nicht. Und natürlich könnte man jetzt sagen, dass Lifestylemedien dazu beitragen, diese Trends zu verbreiten. Im Falle von Beauty-Treatments ist das aber auch wichtig, denn: „Stars sind mittlerweile Influencer:innen.
Sobald etwas probiert wird, à la Kim K, wird es zum Hype und das schwappt leider auch viel zu sehr in die Medizin über. Trends haben in der Medizin allerdings gar nichts verloren. Das impliziert Schnelllebigkeit und wenig Erfahrung. Vergangenes Jahr gab es beispielsweise einen Hype um „Lemon Bottle“, eine Fettwegspritze, die auch von Kosmetiker:innen angeboten wurde. Dabei gab’s hier nicht mal Studien – ein absoluter Wahnsinn!“, so Dr. Ortlechner.
Zusammengefasst kann also gesagt werden: Informieren, informieren, informieren – egal bei welchem losgetretenen Beauty-Hype. Mit Ärzt:innen darüber sprechen, Risiken abwägen und erst dann entscheiden. So steht der ein oder anderen Hollywood-Behandlung auch tatsächlich nichts mehr im Wege.