Selbstverteidigung: Training für den Ernstfall
Beim Selbstverteidigungstraining mit Sebastian Egger lernen Frauen, wie sie Gefahren früher erkennen, Grenzen setzen und sich im Ernstfall wehren können.
Nomad_Soul
Die Bar ist voll, die Musik laut. Ein Mann kommt immer näher, obwohl man deutlich macht, dass man das nicht möchte. Seine Nähe wird unangenehm, vielleicht sogar bedrohlich. Was tun?
Mit genau solchen Situationen beschäftigen wir uns an diesem Vormittag bei einem Selbstverteidigungstraining in Marchtrenk. Vor uns liegen vier Stunden, in denen wir lernen werden, wie wir uns in brenzligen Situationen verhalten können. Unser Trainer ist Sebastian Egger. Hauptberuflich arbeitet er bei der Schnellen Interventionsgruppe Oberösterreich, daneben bietet er Selbstverteidigungskurse für Unternehmen und speziell für Frauen an.

Was ist eigentlich Notwehr?
Sein Ziel: Die Teilnehmer sollen lernen, sicherer, selbstbewusster und handlungsfähiger zu sein. Zuerst steht Theorie auf dem Programm. Wir sprechen über rechtliche Grundlagen: Was ist eigentlich Notwehr? Wann darf ich mich körperlich zur Wehr setzen? Und wie weit darf ich dabei gehen? Sebastian Egger spricht auch Situationen an, über die man sich im Alltag wahrscheinlich kaum Gedanken macht: Was passiert, wenn der Angreifer verletzt wird? Muss ich ihm anschließend Erste Hilfe leisten?
Nach den ersten Übungen wird klar: Selbstverteidigung beginnt nicht erst dann, wenn man körperlich angegriffen wird. Ein wesentlicher Bestandteil des Trainings ist die bewusste Wahrnehmung des eigenen Umfelds. Welche Situationen fühlen sich bereits unangenehm an? Welche Signale sollte man ernst nehmen? Und wie verhält man sich, wenn aus einer unangenehmen Begegnung eine gefährliche wird?
Grenzen klar kommunizieren
Der Experte betont, wie wichtig präventives Sicherheitsverhalten ist. Dazu gehört, die eigenen Grenzen klar zu kommunizieren und selbstbewusst aufzutreten. Wir lernen, wie verbale Deeskalation funktionieren kann: ruhig und bestimmt bleiben, Abstand halten und möglichst früh aus einer Situation herauskommen. Denn die beste Selbstverteidigung ist immer noch die, die man gar nicht braucht.

Und wenn das nicht mehr möglich ist?
Jetzt wird es praktisch. Ein wichtiger Begriff dabei ist Distanzmanagement. Gemeint ist damit, einen potenziellen Angreifer möglichst auf Abstand zu halten und die eigene Position bewusst einzusetzen. Anschließend lernen wir sogenannte Befreiungsprinzipien kennen: Techniken, mit denen man sich aus bestimmten Griffen lösen kann und für die es – anders als vielleicht vermutet – erstaunlich wenig Kraft braucht.
Szenen aus dem Alltag
Sebastian Egger spielt mit uns kurze Sequenzen aus dem Alltag durch. Dann sind wir selbst an der Reihe. In Zweiergruppen üben wir die verschiedenen Szenarien. Eine von uns übernimmt die Rolle der Angreiferin, die andere versucht, sich aus der Situation zu befreien. Danach wird gewechselt. Sebastian Egger geht von Paar zu Paar, korrigiert, erklärt und zeigt erneut, worauf es ankommt.
Nach vier Stunden haben wir zahlreiche Techniken ausprobiert und kennen unsere eigenen Möglichkeiten. Wir gehen nicht mit dem Gefühl nach Hause, plötzlich unbesiegbar zu sein. Aber mit dem guten Gefühl, besser vorbereitet zu sein. Wir wissen jetzt, worauf wir achten können, wie wir Grenzen klar kommunizieren und wann es sinnvoll ist, Abstand zu schaffen oder eine Situation zu verlassen. Und wenn Flucht tatsächlich keine Option mehr ist, wissen wir, wie wir uns gezielt zur Wehr setzen können.

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