Sängerin PAENDA auf der Bühne

Sängerin PAENDA im Talk über ihre neue EP

„Too Young to Feel Old, Too Old to Feel Young“

6 Min.

© Jimenez

Sie ist Musikerin, Sängerin, Songwriterin und Produzentin: PAENDA. Am 13. März präsentierte sie mit ihrer EP „Too Young to Feel Old, Too Old to Feel Young“ neuerlich ein emotionales Pop-Statement – mit catchy Hooklines und treibenden Beats.

PAENDA im Talk

Ihre ersten Lieder schrieb Gabriela Horn mit vierzehn, lernte Gitarre und Klavier und schloss ihr Studium am Vienna Music Institute in den Fächern Jazz und Pop mit Auszeichnung ab. 2016 startete sie mit ihrer ersten Single „Waves“ offiziell ihrer Karriere als „Paenda“, 2019 vertrat sie Österreich mit ihrem Song „Limits“ beim 64. Eurovision Song Contest in Tel Aviv. Als Künstlerin, die ihre Musik nicht nur selbst schreibt und einspielt, sondern auch mixt und produziert, gehört sie zu den nur fünf Prozent weiblicher Produzentinnen weltweit. Die Prämisse der 38-Jährigen aus Puchberg: der Main Charakter ihres eigenen Lebens zu sein – und nicht nur der Co-Pilot.

Paenda wird heuer zehn. Mit welchen Gefühlen schaust du auf deinen bisherigen Weg zurück?

Wahnsinn, so bewusst war mir das noch gar nicht, unglaublich! Ich würde gern alles, was bisher passiert ist, der 14-Jährigen zeigen, die einen Traum hatte, nicht wusste, wie sie dorthin kommen soll, und die immer wieder auf Ablehnung gestoßen ist. Ich würde das gern der 20-Jährigen zeigen, die fest davon überzeugt war, dass die Musik nicht ihr Weg ist und ihn dann doch gegangen ist, weil der Drang zu stark war. Ich würde es gern der 27-Jährigen zeigen, die den Mut hatte sich ans Produzieren heranzutrauen und unkonventionell zu sein, und die absolut nicht damit gerechnet hat, wie weit sie dieser Mut bringen wird. Und ich würde es gern der 31- Jährigen zeigen, die nach dem Song Contest und gegen alle Widerstände stark geblieben ist und nur gewusst hat, dass es weitergehen wird, aber nicht wie, und dabei versucht hat, die Freude am Musikmachen festzuhalten.

Und ich würde ihnen allen gern sagen, dass ich noch immer hier bin und alles gut war, wie es passiert ist. Dass es mich stärker und als Person gefestigter gemacht hat und – egal wann ich geglaubt habe „jetzt ist es vorbei“ – immer ein neuer Tag gekommen ist. Und jetzt kommen mir tatsächlich gerade ein wenig die Tränen… 

Zur EP „Zu jung um sich alt zu fühlen, zu alt um sich jung zu fühlen“: Welche Fragen stellen sich Frauen in diesem „Dazwischen“?

Also, ich kann ja nur von mir und Frauen, denen ich begegne, berichten und da hab ich oft das Gefühl, dass ab einem gewissen Alter von ihnen unausgesprochen verlangt wird, sich endlich auf das Kinderkriegen und Familie gründen zu fokussieren. Eigene Träume zu haben, denen nachgehen und eine Karriere zu verfolgen, wird oft als egoistisch dargestellt. Vor allem, wenn man beides will, Kinder und Karriere. Ich persönlich – weil ich eben in einer Branche bin, wo viele noch immer so tun, als gäbe es für Frauen ein Ablaufdatum – ertappe mich oft dabei, mich zu fragen, ob ich denn mit 38 eigentlich noch die Berechtigung habe, das zu tun, was ich tue.

Fragen wie „Bin ich überhaupt noch interessant, wenn ich nicht mehr wie 21 aussehe? Darf ich Falten haben und trotzdem auf der Bühne stehen? Finden mich jetzt alle eher schon peinlich?“, sind ja absolut bescheuert, aber dennoch, die Unsicherheit ist da. Viele von uns fühlen sich zwar noch jung, merken aber, dass sie da eigentlich nicht mehr dazugehören und meinen sie wären alt – obwohl wir’s ja gar nicht sind! Vielleicht auch einfach, weil dieses in-between so eine leichte Unzugehörigkeit in sich birgt. Deshalb ja auch der Titel „Forever 28“, weil ich in meinem Kopf noch immer so 27,28 bin (lacht).

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In der Main Single der EP „Hand to the Heart“ geht es um den Umgang mit der Wahrheit. Steht diese dem Wunsch, der „Hero in your own Fairytale“ zu sein, entgegen? 

Absolut nicht! Aber den Hero markieren mit etwas, das gar nicht stimmt, finde ich mehr als fragwürdig. Jeder Mensch hat Talente und Dinge, in denen er oder sie gut ist – schade also, dass manche glauben, die Wahrheit ausschmücken zu müssen, damit sie mehr wert ist. Ich denke, jeder Mensch sollte der Main Character im eigenen Leben sein. Aber ich mag Lügen halt überhaupt nicht, auch wenn jeder von uns mehrmals am Tag ein wenig flunkert (lacht).

Wie beginnt bei dir ein neuer Track, und wann ist er für dich fertig?

Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal kommt mir eine Idee für einen Refrain oder eine Textzeile und dann wird der Rest drumherum gebaut. Manchmal beginne ich mit der Musik und schau dann, was die Musik in mir triggert, und manchmal hab ich Themen, die ich gern in einen Song verpacken möchte. Ich schreibe mittlerweile auch gern mit anderen gemeinsam, hole mir häufig noch Songwriterinnen dazu, die die Songs mit mir fertig schreiben, einfach um neue Perspektiven reinzubekommen. Fertig sind Songs für mich tatsächlich nie, aber ich gebe mir selbst Deadlines. Gerade weil ich, inklusive Mix, alles selber mache, ist das nötig, sonst wäre da kein Ende in Sicht. Auch beim Abgeben fühlt es sich nie fertig an, aber daran hab ich mich gewöhnt. Vor allem, weil ich weiß, dass wenn der Song draußen ist, ich mir denke „was hatte ich bloß…passt doch eh alles“!

Was bedeutet dir Erfolg, unabhängig von Charts und Streamingzahlen?

Erfolg bedeutet für mich, trotz des Drucks, trotz der Tatsache, dass es einfach irgendwann auch ein Job ist, nicht den Spaß daran zu verlieren und immer noch die gleich kindliche Freude beim Musikmachen zu verspüren, die ich hatte, als ich die ersten Zeilen in meinem Leben selbst geschrieben habe. Es bedeutet für mich, einen Sinn hinter dem zu sehen, was ich da den lieben langen Tag so mache.

Du unterrichtest auch Gesang an der Musikschule Leobersdorf. Was möchtest du dem Nachwuchs weitergeben?

Sie ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen, Dinge auszuprobieren und das Steuer selbst in die Hand zu nehmen. Dass Skills zu erweitern und zu festigen das Um und Auf für eine lange Karriere sind, dass eine Gemeinschaft immer stärker ist als eine einzelne Person, und sich gegenseitig zu supporten unglaublich befruchtend und wirksam sein kann.

Welche drei Dinge, die man nicht erwarten würde, sollte man über dich wissen?

Ich mag Austro Pop, allen voran STS. Ich bin gerne in den Bergen und der Natur. Und ich färbe meine Haare oft selbst.

Das Release-Konzert zur EP findet am 24. April 2026 im B72 in Wien statt.

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