"Zwei Jahre ohne meine Kinder machten mich zur besseren Mutter"

Kim Chartres wusste aufgrund ihres Daseins als Vollzeit-Mama nicht mehr, wer sie selbst war. Deshalb hat sie sich eine Auszeit genommen.

"Ich war eine Mutter, die immer mit angepackt hat. Ich habe mich entschieden zuhause zu bleiben und nicht zur Arbeit zu gehen, habe jahrelang die lokale Kinderspielgruppe geleitet und habe es wirklich geliebt, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen."

So fängt der Text der Australierin Kim Chartres an, in dem sie ihr Leben als Vollzeit-Mama beschreibt. Doch einen Traum hat sie dafür bereits aufgegeben: einfach einmal ganz woanders zu leben. Immer wieder wurde sie auch von FreundInnen darauf hingewiesen, dass sie zu überfürsorglich sei und mehr auf sich schauen sollte. "Ich war so lange Mutter und ohne den täglichen Kontakt zu meinen Kindern wusste ich einfach nicht mehr so richtig, wer ich war", schreibt sie.

"Meine Söhne zurückzulassen, war die härteste Entscheidung meines Lebens"

Als ihre Söhne dann das Alter von 14 und 17 erreichten, fasste Chartres den Entschluss, sich ihren Traum zu erfüllen. Ihre Söhne stellte sie vor die Wahl, entweder mit ihr und ihrem Stiefvater mitzukommen, oder bei ihrem leiblichen Papa zu bleiben.

"Es war nicht so, dass sie mich loswerden wollten, sie wussten, dass meine Heimatstadt zu verlassen immer etwas war, das ich tun wollte", schreibt die Mutter auf "She Said". "Meine Söhne zurückzulassen, war die härteste Entscheidung meines Lebens."

Das erste Jahr in ihrem neuen Heimatort war besonders schwierig für sie. Sie besuchte ihre Söhne öfter als sie es vorgehabt hatte. Doch das zweite Jahre wurde dann leichter, und der Mama wurde etwas klar: "Ich habe plötzlich erkannt, dass ich mich als Mutter viel zu sehr von meinen Gefühlen (genauer: Mutter-Schuldgefühlen) hatte beherrschen lassen."

"Ich bin jetzt eine bessere Version meiner selbst"

Sie habe ihre Kinder "übermuttert" und gar nicht gesehen, dass sie ihre Söhne nicht vor allen negativen Dingen der Welt beschützen konnte - und dass sie loslassen muss, damit diese zu selbstbewussten Erwachsenen heranwachsen.

In der Zeit, die sie getrennt von ihren Kindern verbrachte, lernte sie auch sich selbst besser kennen. Machte Dinge für sich selbst, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Schließlich kehrte sie nach zwei Jahren wieder zurück zu ihren Söhnen - und hatte dabei viel Neues gelernt.

"Ich bin jetzt eine bessere Version meiner selbst. Ich lasse mich nicht mehr von negativen Gefühle wie Angst und Schuld unter Druck setzen. Das Muttersein ist für mich jetzt viel leichter." Und auch ihre Söhne wurden dadurch zu besseren Männern - weil sie verstanden haben, dass sich das Leben ihrer Mutter nicht nur um sie dreht.

 

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