Zwei christliche Beauty-YouTuberinnen und ihre Weltansichten

Kristen und Bethany wollen YouTube für Christinnen machen. Stattdessen hetzen sie gegen Gender oder Transpersonen und zeigen, wie man Make-Up auf "eine Gott ehrende Weise" trägt.

Die YouTube-Welt hat viel Gutes in den letzten Jahren hervorgebracht - und mindestens genauso viel, das wir am besten gleich wieder vergessen wollen.

Egal, ob man "Beauty-Tutorials", "Vlogs" oder "Follow Me Arounds" nun mag oder nicht - irgendwie kommt man doch nicht an ihnen vorbei.

Kristen und Bethany scheinen auf den ersten Blick genau solche YouTuberinnen zu sein: Schön gestylt sitzen sie gut ausgelichtet vor der Kamera und sprechen über alltägliche Dinge, die Mädchen eben so bewegen: Jungs, Make-Up und Kleidung (mehr gibt's eh nicht, oder?). Das Besondere an ihren Videos sind aber nicht die Themen, sondern deren Inhalt: Kristen und Bethany sind überzeugte Christinnen und teilen ihren Glauben auch mit der Internet-Community - und zwar ganz egal, um welches Thema es geht.

"So trägst du Make-Up - auf eine Gott ehrende Weise"

Kristen und Bethany wollen jungen Mädchen ihren Glauben näher bringen und haben auf YouTube eine Nische gefunden, die sie perfekt bespielen. Die Themen sind zeitgemäß und angesagt, die Ausführung so professionell, wie man es sich von einem "guten" YouTuber erwartet. Einzig, was dabei herauskommt ist in vieler Hinsicht mangelhaft - und zwar nicht (!), weil sich zwei junge Frauen mit Religion oder ihrem Glauben öffentlich auseinandersetzen - sondern, weil sie unter dem Deckmantel des christlichen Glaubens Tipps an ihre jungen Zuseherinnen geben, die schlicht fragwürdig sind.

Ihre Philosophie stützt etwa auf der Annahme, dass man ein bestimmtes Aussehen als junge Frau braucht, um eine "gute" Christin zu sein. Daraus entstanden beispielsweise Videos mit Titeln wie "How Christian Girls Can Do Prom in a Pure and Modest Way" ("Wie christliche Mädchen auf eine reine und bescheidene Weise den Abschlussball meistern") oder "How to Wear Makeup in a God Honoring Way" ("So trägst du Make-Up auf eine Gott ehrende Weise"), in denen die beiden demonstrieren, welcher Lippenstift nun gottesfürchtig genug ist - und von welchem Farbton man besser die Finger lassen sollte.

Ebenso kritisch wie mit Make-Up setzen sich die beiden auch mit anderen Glaubensrichtungen auseinander - vermeintlich, zumindest.

"Lasst mich ehrlich mit euch sein", schreibt YouTuberin Bethany in einem Blogartikel, in dem sie ihren Zugang zu Homosexualität und dem Islam erklärt. "In der Vergangenheit hatte ich Probleme damit, verlorenen Seelen mit Mitgefühl und Liebe zu begegnen. Wenn ich die Worte 'homosexuell', 'Prostituierte' oder 'Muslim' höre, schaudert es mich. In meinem sündigen Stolz frage ich mich, wie diese Menschen diesen Lifestyle [sic!] oder diese Religion wählen konnten. Ich denke mir, 'Sehen sie nicht, wie falsch das ist?'".

"Feminismus ist eine Religion. Aber ich glaube an Gott"

Auch vor dem Feminismus machen die zwei jungen Frauen nicht halt. Dieser ist nämlich, wie sie in einer acht Punkte langen Liste detailgetreu ausführen, so gar nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar. Dass sie dabei offensichtlich nicht nur den Feminismus komplett missverstanden haben und diesen mit allerlei Hörensagen vermischen, ist nach Durchsicht der anderen Videos auch nicht weiter verwunderlich. Besonders amüsant wird es gleich bei Punkt eins, in dem sie erklären, "Feminismus sei eine Religion und deswegen könnten ChristInnen daran nicht glauben, denn sie glaubten ja bereits an einen Gott".

Man könnte diese zwei Frauen natürlich ignorieren, schließlich muss man sich ja nicht über alles aufregen. Tatsächlich verzeichnet der YouTube-Account von "GirlDefined" allerdings hunderttausende Views im Monat und ist somit nicht nur eine Randerscheinung, sondern ein Phänomen, das besonders junge Mädchen mit fragwürdigen Halbwahrheiten beeinflusst. Corinna Milbornwarnte vor einigen Monaten bereits davor, Kinder mit YouTube nicht allein zu lassen, da man als Elternteil sehr schnell die Kontrolle darüber verliere, welche Inhalte Kinder konsumieren.

YouTube kann ein kreatives, inspirierendes oder schlichtweg unterhaltendes Tool sein, wenn man die richtigen Inhalte konsumiert und bestehende hinterfragt. Aktuelle Entwicklungen verdeutlichen erneut, dass Medienkompetenz für junge KonsumentInnen unerlässlich ist und gerade in Zeiten des Internet auf jedem Stundenplan stehen sollte. Denn am Ende des Tages können wir nicht verhindern, dass fragwürdige Inhalte im Netz landen - sehr wohl aber, wie wir damit umgehen.

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