Zwänge: Alkoholsucht

Alkohol scheint für immer mehr Österreicher der Sanitäter in der Not zu sein. Fast jeder 10. konsumiert Alkohol in einem gesundheitsschädigendem Ausmaß. Wie Sie die Krankheit erkennen und wie sie therapiert werden kann, erfahren Sie hier.

Alkoholabhängigkeit entsteht nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich in der Regel schleichend. Es beginnt mit einem Glas täglich, immer mehr Ausnahmen entstehen, bei denen man sich auch mehr gönnt und ehe man sich versieht, wird die Flasche als Rückzug aus der Realität gesehen.

Der Alkoholismus zählt zu den Verhaltensstörungen mit psychischen, körperlichen sowie sozialen Schädigungen und entsteht durch Gewöhnung. Doch Alkoholsucht ist nicht gleich Alkoholsucht. Es werden fünf verschiedene Typen von Alkoholikern unterschieden:

Alpha-Typ: Dieser Typ benutzt den Alkohol, um innere Spannungen und Konflikte zu bekämpfen. Die Trinkmenge ist abhängig von der jeweiligen Stresssituation.

Beta-Typ: Hier handelt es sich um so genannte Gelegenheitstrinker, Menschen also, die bei sozialen Anlässen zwar viel trinken, dabei aber sozial und psychisch unauffällig bleiben.

Gamma-Typ: Für diesen Typ ist die Bezeichnung "Rauschtrinker" gebräuchlich, da sich hier Phasen der starken Berauschung mit längeren abstinenten Phasen abwechseln.Trinkt er einmal, kann er kaum aufhören, wiegt sich aber durch die abstinenten Phasen sicher, nicht krank zu sein.

Delta-Typ: Damit ist der "Spiegeltrinker" gemeint. Dieser bleibt lange Zeit sozial unauffällig, da er selten erkennbar betrunken ist. Jedoch besteht bei ihm eine starke körperliche Abhängigkeit, so dass er ständig Alkohol konsumieren muss, um Entzugserscheinungen zu vermeiden.

Epsilon-Typ: Die gängigere Bezeichnung für diesen Typ lautet "Quartalsäufer", da er in unregelmäßigen Intervallen durchbruchhaft - in teilweise tagelangen Phasen - exzessiven Alkoholkonsum erlebt. Dazwischen kann er auch monatelang abstinent bleiben.

Erkennung

Doch woran erkennen Sie genau, dass jemand in Ihrer Umgebung ein Problem hat? Man unterscheidet hierbei zwischen körperlichen Merkmalen und allgemeinem Verhalten:

  • Körperliche Merkmale: Sowohl ekzessiver offener, aber auch heimlicher Alkoholkonsum; Mundgeruch (Fahne); Gewichtsabnahme; Organische Schäden; Appetitlosigkeit; Übelkeit; Schwitzen; Hautveränderungen
  • Allgemeines Verhalten: Der Kranke zieht sich immer öfters zurück; wirkt aggressiv und gereizt; hortet Alkoholvorräte; vernachlässigt sein äußeres Erscheinungsbild; erscheint rechthaberisch und prahlt gerne mit seiner Trinkfestigkeit


Welche Therapiemöglichkeit es gibt, erfahren Sie auf Seite 2...

Österreich, das Alkohol-Land?
Auch wenn die Problematik in der breiten Öffentlichkeit nicht als solche wahrgenommen wird: Alkohol ist in Österreich eindeutig die "Volksdroge Nummer 1".

Nur rund ein Sechstel der Erwachsenen ist abstinent, ein Viertel trinkt täglich und 40 % greifen mindestens einmal in der Woche zum Glas. So gelten etwa 330.000 Menschen als alkoholkrank und knapp 900.000 Österreicher konsumieren Alkohol in einem gesundheitsschädlichen Ausmaß.

Therapie

Die Therapie alkoholkranker Menschen muss in jedem Fall individuell gestaltet werden. Die möglichst effektive Behandlung setzt ein in viele Richtungen offenes Konzept voraus. Trotzdem gibt es ein Phasenmodell, auf das jede Therapie ausgerichtet ist:

Kontakt-Phase: Der hilfesuchende Patient wendet sich zumeist an den niedergelassenen Arzt oder an eine Beratungsstelle. In dieser Phase muss die Situation des Menschen, seine Einsicht und Motivation geklärt werden. Außerdem ist die Erhebung des psychosozialen Hintergrundes für die Gestaltung des individuellen Therapieangebotes von größter Bedeutung.

Entgiftungs-Phase: Mit Hilfe von Medikamenten und unter ärztlicher Kontrolle (zumeist stationär) wird beim Vorliegen einer körperlichen Abhängigkeit innerhalb von etwa 10 Tagen eine Entgiftung durchgeführt.

Entwöhnungs-Phase: Die stationäre bzw. ambulante Entwöhnung umfasst neben den medikamentösen Maßnahmen auch eine psychotherapeutische Behandlung, Beschäftigungstherapie und soziale Betreuung. Wichtig ist ebenso das Miteinbeziehen der Familienangehörigen.

Rehabilitations-Phase: Nach der Entwöhnungsphase, die sich über ein etwa 8-wöchiges Programm erstreckt, wird meist eine gewisse Stabilität erreicht. Zurück in der vertrauten Umgebung wird er aber oft von den bekannten psychischen, sozialen oder familiären Problemen eingeholt. Deswegen ist es nötig, in dieser Phase Veränderungen in die Wege zu leiten. Meist geschieht das durch Beratungsstellen, Einzeltherapien oder Gruppentherapien (Anonyme Alkoholiker).

 

Aktuell