Zurück an den Herd? Ja, als Business-Woman!

Coole Frauen backen Brot und kochen für die Familie? Ja. Wie man aus alten Kochklischees ein echtes Business macht, erzählen wir Martina Hohenlohe und Barbara van Melle - ein Vorgeschmack auf den Gründerinnentag 2018.

"Blogger, das sind irgendwelche Menschen, die im äußersten Weinviertel eine links gedrehte Rübe aus Afghanistan anpflanzen und beobachten, wie sie wächst." Das sagt Martina Hohenlohe nicht ohne spöttischen Unterton. Daher sieht sie sich eher nicht als klassische Bloggerin, "außer als Oma-Bloggerin", auch, wenn sie einen Food-Blog hat. Mein wunderbarer Kochsalon heißt jene Website, die von der österreichischen Essensexpertin gegründet wurde und deren Erfolg sich die 47-Jährige nicht ganz erklären kann. Erst 2016 gelauncht, erreicht der Blog heute monatlich eine Million Menschen. "Der Kochsalon ist mir passiert, denn eigentlich wollte ich nur meine Rezepte online stellen, damit ich die einmal gesammelt habe. Und zeigen, dass man als Mensch, der wenig Zeit hat, aber gerne regelmäßig kocht, viele tolle Sachen machen kann", so Hohenlohe, die täglich zweimal für ihre zwei Kinder kocht -und ehe Lily (11) und Luis (9) ihr Essen kriegen, macht die Mama halt in ihrer Fotobox noch ein Foto davon.

Hohenlohe, die gemeinsam mit ihrem Mann schon seit vielen Jahren die Gourmetbibel Gault & Millau herausbringt und dort auch Geschäftsführerin ist, hatte schlicht Sehnsucht nach einer kreativen wie authentischen Beschäftigung, denn "das ist der Teil meiner Arbeit, der wirklich meinem Alltag und meiner Besessenheit für Essen entspringt". Hohenlohe ist mit ihrer Idee Teil einer in Österreich gerade boomenden Branche - den Kochportalen. Immer mehr Menschen interessieren sich wieder oder wieder stärker für Lebensmittel, ihren Ursprung, aber eben auch ihre Veredelung. Warum? "Ich denke, dass Kochen ein extrem emotionales Thema ist, das jeden und jede betrifft, selbst, wenn man nur isst und gar nicht kocht", ist Hohenlohe überzeugt.

Martina Hohenlohe und Barbara van Melle

Eine "Besessenheit für Essen"

Eine, die ebenfalls genau diesen gesellschaftlichen Nerv getroffen hat, ist Barbara van Melle. Die einstige ORF-Journalistin hat sich und ihr Leben voll dem Lebensmittel Brot und der Handwerkskunst des Brotbackens gewidmet. Für diese Leidenschaft ist sie mit 58 Jahren noch einmal Jungunternehmerin geworden. Sie hat 2016 das Brotfestival Kruste & Krume gegründet und Ende 2017 auch das 1. Wiener Brotbackatelier eröffnet. Warum genau ist sie denn da gelandet?

"Tatsächlich ist das alles aus einer journalistischen Frage heraus entstanden, denn ich wollte wissen, warum bei uns jedes Jahr 60 Bäcker einfach zusperren. Und im Zuge der Recherche habe ich meine Liebe für dieses Handwerk entdeckt", erinnert sich van Melle an die Anfänge. Dass das Festival in diesem Jahr mit mehr als 5.000 BesucherInnen aus ganz Europa sehr erfolgreich war und das Backatelier nahezu täglich ausgebucht ist, freut die überzeugte Slowfoodista freilich, ist aber auch genau diesem Trend nach Essensachtsamkeit geschuldet. "Brot feiert im Moment das größte Revival aller Zeiten, denn im Zuge der Industrialisierung haben wir alle den Bezug zu Lebensmitteln, ihrer Herstellung und den Grundlagen dazu verloren. Diese Sehnsucht kommt heute wieder ganz stark zum Vorschein, weil Menschen verunsichert sind, was denn in all den Supermarktlebensmitteln drinnen ist. Am Brot zeigt sich das Bedürfnis der Menschen nach echten, handgemachten Lebensmitteln." Daher lernt man in van Melles Backkursen nicht nur, wie man etwa eine Handsemmel schlägt oder wie schnell ein italienisches Ciabattabrot gebacken werden kann, sondern auch viel über Getreideformen und Bio-Landwirtschaft.

Weit weg von Klischees

Sowohl Martina Hohenlohe als auch Barbara van Melle sind autonome Frauen; sie sind Mütter, Unternehmerinnen und zeigen mit ihren Gründungen, dass Kochen zwar vielleicht primär Frauen zugeschrieben wird, man aber ein sehr smartes und erfolgreiches Business damit machen kann. "Ich bin Feministin und wehre mich total, in so ein Kocheck gedrängt zu werden. Und nein, es geht überhaupt nicht darum, dass man Frauen zurück an den Herd drängt, sondern darum, dass alle die Fähigkeit haben sollten, Essen zuzubereiten", appelliert van Melle auch, sich von der industrialisierten Lebensmittelbranche unabhängig zu machen. Und by the way: Die Mehrheit in ihren Backkursen sind Männer. Doch das Unternehmerinnentum ist nicht nur Passion und Mission, es ist auch fordernd; da sind sich die beiden Frauen einig. "Ja, es ist anstrengend. Es ist gut und anstrengend. Ich hätte mir das Leben natürlich auch leichter machen können, aber was mir einfach total gefällt, ist, wenn Menschen unabhängig von ihrem Alter und ihrer Karriere neue Dinge probieren." So ist für Barbara van Melle rückblickend auch die damals eher unsanfte Trennung vom ORF zum Glücksfall geworden.

Vom Mut zu gründen

Sie und Martina Hohenlohe werden beim WIENERIN Gründerinnentag am 13. September auch auf der Bühne erzählen, wie denn das Gründen ihre Sicht aufs Leben verändert hat und wie sie heute den Mut von damals bewerten, der ihnen geholfen hat, ihre Idee zu verwirklichen. Ein erster Vorgeschmack dazu von Martina Hohenlohe: "Ich gehe nicht gern Risiken ein, ich bin Stierfrau und habe gerne Sicherheit, aber ich habe gelernt, dass mein Bauchgefühl mir fast immer den richtigen Weg weist." Ebenfalls am Panel unter dem Titel Das Erfolgsrezept ist weiblich wird auch eine ganz junge Gründerin sein: Cornelia Diestenreiter hat gemeinsam mit ihrem Bruder 2016 das Start-up Unverschwendet gegründet und erweitert das Thema Essen auf nachhaltige Weise. Sie wollte das Problem der heimischen Lebensmittelüberschüsse mit einer Lösung verbinden und verkocht Obst und Gemüse, das zu klein, zu groß oder zu krumm für den Supermarkt ist, zu Chutneys, Saucen oder Marmeladen (www.unverschwendet.at). Wer neugierig geworden ist, sollte sich den 13. September schon mal rot im Kalender anstreichen.

SAVE THE DATE! Am zweiten WIENERIN Gründerinnentag steht alles unter dem lustvollen Motto "Enjoy your Business".

Wir Frauen lieben unsere Leidenschaften, und genau die können uns den Weg hin zu einer beruflichen Veränderung zeigen. Um diesen Mut sowie die Tricks und Hacks, die man beim Gründen wirklich braucht, geht es in den Workshops am WIENERIN Gründerinnentag. Und natürlich erzählen wir auf der Bühne auch die tollen Geschichten von erfolgreichen heimischen und internationalen Gründerinnen, die ihr, liebe LeserInnen, dort auch zu Speed-Dates persönlich treffen könnt.

Mehr gibt's bald hier auf wienerin.at und in der WIENERIN!

WIENERIN Gründerinnentag 2018
13. September 2018
Studio 44, 1030 Wien

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