Zu mir oder zu dir? Wie Sie Stress beim Zusammenziehen vermeiden

Irgendwann ist die totale Freiheit auch nicht mehr so lustig, wie sie einmal war. Mit anderen Worten: Es ist Zeit, mit dem Liebsten zusammen zu ziehen. Hier die besten Tipps, wie Sie Tisch und Bett teilen und dabei selber ganz bleiben.

Zu mir oder zu dir? ist eine Frage, die durch das Leben zweier Liebender wie ein Bumerang sichelt. Das erste Mal taucht sie auf, wenn der entkräftete Barkeeper um fünf Uhr Früh die Rechnung auf den Tresen knallt. Die nächsten Male, wenn man seine Beziehung ... ääh ... vertiefen möchte.

Und zum letzten Mal, wenn sie einem schon so auf den Wecker fällt, dass man sie sich nur noch ein Mal stellen will. Sprich: zusammenziehen. Manchmal sind ja beider Wohnungen so, dass man gleich eine neue, größere suchen muss. Das ist gut. Aber mitunter hat einer auch genügend Platz, dass er den anderen mit Sack und Pack bei sich aufnehmen kann. Das ist zwar ebenfalls gut, bietet aber auch reichlich Stoff für Zoff. Beispiele:

  • Wer bringt einen Teil seiner Klamotten zur Caritas, damit der Kleiderschrank nicht platzt?
  • Wessen Couch überlebt den hausinternen Schönheitswettbewerb?
  • Muss sich der Einziehende der Hausordnung des Platzhirschen (z. B. nicht rauchen, Klodeckel rauf oder runter, Lärmpegel etc.) fügen oder werden neue, gemeinsame Regeln aufgestellt?

Eine Regel ist jedenfalls Grundgesetz: Toleranz. Sonst wird sich der neue Bewohner nie heimisch fühlen.

Überlegen Sie gemeinsam, welche Veränderungen die Wohnung braucht, damit sie für beide ein gemütliches Zuhause wird.

Ein Prüfstein für die Partnerschaft ist die gemeinsame Einrichtung sowieso.

Optimal läuft es nur bei Paaren, die von vornherein auf derselben Wellenlänge wohnen. Die einfach ihre Rattan-/Stahl- oder Bauernmöbel zusammenstellen und sich dann friedlich ins Doppelbett legen.


Aber was tun, die Vorstellungen unterschiedlich sind? Für beides Platz schaffen. Idealerweise bekommt jeder ein Zimmer, in dem er sich geschmacks- und bedürfnismäßig austoben kann. Und dann besucht einer den anderen und genießt die Andersartigkeit seines kleinen Reichs.

Ein anderes, typisches Zusammenzieh-Problem: Er hütet Andenken aus der Adoleszenz wie seinen Augapfel.

Den Wagenrad-Couchtisch, das Billy-Regal oder seine Spielzeugautos. Psychologen sagen, das sei so, weil Männer einfach nie mit ihrer Jugend Schluss machen wollen. Ihn dazu zwingen? Keine gute Idee. Besser ist es, ihm das Allerallerheiligste zu lassen. Und ihn zu bitten, dem anderen Zeug einen würdigen Abschied zu bereiten. Ein Tipp noch für Paare, die aus zwei kompletten Haushalten einen machen wollen und nun alles doppelt haben: die besten Stücke behalten und den Rest am Flohmarkt verscherbeln, das bringt Geld in die Haushaltskassa.

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Cornelia, 24 Studentin; Rainer, 27 Programmierer. Seit 6 Jahren liiert, vor 4 Monaten zusammengezogen
Was hat das Zusammenwohnen für euch verändert?
C: Wir haben beide bis vor kurzem noch bei den Eltern gewohnt und jetzt unsere erste gemeinsame Wohnung bezogen. Was jetzt anders ist: Ich muss mit der Kohle ganz anders kalkulieren, um auszukommen. Sonst, das Kochen, einkaufen und Wäschewaschen ist nix Neues für mich - bei mir zu Hause war das nicht so Hotel Mama, sondern eher WG-mäßig. Für den Rainer war es schon mehr eine Umstellung, bei ihm hat eine Putzfrau alles gemacht. Neu ist für mich auch dieses Gefühl: Es gibt keine Ausweichmöglichkeit. Wenn man sich nervt, kann man nicht mehr sagen: So, ich fahr' jetzt nach Hause.
R: Für mich ist der Vorteil jetzt: dass ich hier meine Ruhe haben kann. Keine Eltern, die am Wochenende frühmorgens lärmen, kein ewig bellender Haushund.
Habt ihr davor das Zusammenleben vorher irgendwo geprobt?
C: Gemeinsam auf Urlaub waren wir erst einmal, aber ich war fast jeden Tag bei ihm in der Wohnung.
R: Stimmt. Aber sie hat in meiner Wohnung oft nicht gewusst, was sie tun soll, wenn ich einmal lernen musste.
Hattet ihr irgendwelche Bedenken vor diesem Schritt?
C: Na ja, man denkt: Es wird alles noch fixer, man sieht sich wirklich jeden Tag und kann nicht mehr weg. Oder die Sache mit der Hausarbeit, wird er mithelfen oder werde ich übrigbleiben?
R: Ich hatte ein bissel Befürchtungen in der Richtung: Was ist, wenn wir uns zerstreiten, wem gehört dann was? Aber wir verstehen uns sehr gut. Seit wir hier wohnen, haben wir so wenig gestritten wie noch nie.
Wie checkt ihr die Hausarbeit?
R: Ich lass' immer ein bissel was anfallen, mach' einmal in der Woche mein Zimmer sauber, sie hat ihres, und die Küche halt der, der sie dreckig macht. Badezimmer macht sie, ich das Klo, dafür muss ich mich nicht hinsetzen.
C: Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich sicher nicht seine Putzfrau spielen werde. Aber ein bissel antreiben muss ich ihn schon immer.
Habt ihr irgendwelche Regeln fürs Zusammenleben aufgestellt?
C: Nein. Ich bin so, wie ich bin. Ich will nicht zurückstecken und mich etwa immer gestylt präsentieren. Ich laufe genauso wie früher daheim in meiner grauslichen Jogginghose und im Leiberl rum.
R: Ich finde es wichtig, Rücksicht aufeinander zu nehmen. Wenn einer zum Beispiel lernen oder arbeiten muss, weggehen oder laut Musik hören will.
Wie macht ihr es mit dem Geld?
C: Jeder zahlt von allem die Hälfte. Wenn einer etwas einkauft, schreibt er den Namen auf die Rechnung, die kommt in ein Kisterl, und am Monatsende wird dividiert. Aber seine Wurstsachen werden dann wieder abgerechnet, da ich ja Vegetarierin bin. Wie funktioniert das dann mit dem Kochen?
C: Meist kochen wir vegetarisch, und er muss sich sein Fleisch dazu selber machen. Aber ja nicht in derselben Pfanne!

Amanda, 24, Malerin; Pollard, 23, Sänger. Seit 4 Monaten liiert, wohnen seit sieben Wochen zusammen
Pollard ist wegen dir von Colorado nach Wien gezogen – ein mutiger Schritt …
A: Ja, wirklich. Rein freundschaftlich kennen wir uns seit drei Jahren und haben uns auch Briefe geschrieben. Ich bin ja Amerikanerin, lebe aber in Wien und studiere bei Ernst Fuchs Malerei. Und als ich im Mai in Colorado auf Heimaturlaub war, stand er plötzlich vor der Tür. Und da haben wir uns eben ziemlich verliebt.
P: Es war einfach das Gefühl, ein riesiges Vertrauen, dass es schon gehen wird.
Habt ihr schon Erfahrungen mit einem gemeinsamen Alltag?
A: Na ja. In Colorado waren wir zehn Tage zusammen, dann waren wir im Sommer in Frankreich unterwegs, und jetzt sind wir seit sieben Wochen hier. Im letzten Monat habe ich sehr viel für die Frauenausstellung im WUK gearbeitet, das war eine sehr stressige Zeit. Ich konnte nicht kochen, nicht putzen, die Katze füttern, das hat er alles übernommen. Er ist auf jeden Fall sehr hilfsbereit. Und sein Geschmack, seine Ansprüche an Qualität passen sehr gut zu meinen.
P: Ja, wenn sie so busy ist, dann bin ich eben viel alleine. Aber es ist o.k., ich übe, denke nach, lerne Deutsch, räume auf und helfe ihr, wie ich kann. Ich habe mir in Wien auch schon viel angeschaut - Clubs, Musiker. Ich muss aber auch viel Geduld haben, weil alles so neu ist.
Hattet ihr Ängste, dass es vielleicht nicht klappen könnte?
A: Na sicher. Ich habe ja schon einmal hier mit jemand zusammengewohnt. Und da ich viel Freiraum brauche, habe ich befürchtet, dass er sich hier nicht selber finden würde und von mir abhängig ist. Und dass diese Abhängigkeit dann das Schöne zwischen uns beschädigt. Aber wir versuchen es, wir wollen wirklich zusammensein, und ich sage zum ersten Mal voll "Ja".
P: Ich hatte schon auch die Angst, in Wien voll von ihr abhängig zu sein. Aber da muss man eben viel vertrauen. Und das Gute an uns ist: Wir sind sehr kommunikativ und diskutieren viel.
War in deiner Wohnung genug Platz für seine Sachen?
A: Oh, Pollard ist nur mit einer Tasche und seiner Gitarre gekommen. Mein Exfreund ist ausgezogen, jetzt haben wir einen ganz großen leeren Raum. Den könnten wir gestalten, wie wir wollen - aber eigentlich haben wir kein Geld dafür. Ich muss im Moment ja auch die Miete alleine zahlen.
P: Manchmal vermisse ich meine CDs und meine Stereoanlage - andererseits: das ist nur Materie. Es ist eine neue Erfahrung für mich, Dinge so einfach loszulassen. Eine gewisse Leichtigkeit.
Was wird Pollard hier machen?
A: Na, seine Musik. Er ist sogar schon als Sänger bei einer Gruppe aufgenommen worden, er wird bald auftreten. Und er sucht einen guten Lehrer.
Was ist das Wichtigste in einem gemeinsamen Leben?
A: Mir ist meine Kunst am wichtigsten. Und deshalb brauche ich es, dass mein Partner mich dabei unterstützt und versteht und wirklich an mich glaubt. Bei allem anderen bin ich ziemlich unkompliziert. Ich mag nicht in einem Müllhaufen wohnen, aber aufräumen ist sicher nicht meine Priorität.
P: Die simplen Dinge - wie Respekt, Kommunizieren und die Rolle des anderen würdigen.
Was macht ihr, wenn es mit euch nicht klappt?
A: Ich glaube nicht, dass es mit uns nicht klappen wird. Nur: Wenn er hier nicht das findet, was er braucht, müsste er nach Amerika zurückgehen. Ich würde hier bleiben, und wir würden eben hin- und herfliegen.

Sandra, 27, Apothekerin; Karl, 34, Techniker. Seit 5 Jahren liiert, wohnen seit einem Jahr zusammen, seit ein paar Tagen verheiratet
Gratulation zur Hochzeit. Fühlt ihr euch jetzt anders?
K: Eigentlich nicht, der Stress der ganzen Vorbereitungen ist jetzt halt weg.
S: Schon ein wenig, wenn man plötzlich sagt: mein Mann. Und ich, die Ehefrau. Jetzt kann man schon von Familie reden.
In wessen Wohnung lebt ihr nun?
K: Während des Studiums hat die Sandra noch mit einer Freundin zusammen gewohnt. Als beide fertig waren, ist die Freundin zum Freund gezogen und ich zu ihr. Aber das ist nur eine Übergangslösung, denn auf 70 m2 fehlt uns beiden der Raum zum Zurückziehen. Und meine 1500 Schallplatten haben hier auch keinen Platz.
Sandra, was ist am Zusammenleben mit einem Mann anders?
S: Eigentlich war die Freundin anstrengender. Streiten ist heikler, weil Frauen nachtragender sind. Da muss man viel vorsichtiger sein, wenn man etwa eine Schlampigkeit kritisiert. Beim Karl kann ich mit der Tür ins Haus fallen. Wenn wir streiten, ist es ausgesprochen und vom Tisch. Das haben wir uns vorher auch so ausgemacht, dass wir direkt sagen, wenn was nicht passt.
Wie läuft es mit der Hausarbeit?
K: Ich bemüh' mich, obwohl ich nicht unbedingt der Hausarbeiter bin. Staubsaugen mag ich nicht, aber abwaschen macht mir nichts.
S: Ich mach' sicher den größten Teil. Aber beim Staubsaugen lass' ich nicht locker, und nach drei-, viermaligem Erinnern macht er's schon. Ansonsten sind wir uns vom Sauberkeitsanspruch recht ähnlich, da ist keiner pingeliger als der andere.
Wie macht ihr es mit dem Haushaltsgeld?
K: Am Samstag beim Ausgehen zahle immer ich, sie kauft dafür das Essen ein.
Soll man vor der Heirat erst einmal zusammenwohnen?
K: Ja, denn erst dann kennt man sich wirklich und sieht, ob man alltagstauglich ist. Bei uns war das erste Jahr so harmonisch, da war klar, dass wir prolongieren. So ins Blaue hinein zu heiraten, das find' ich nicht gut.
S: Ich hätte auch nicht geheiratet, ohne zu wissen, wie wir uns im Alltag vertragen. Das letzte Jahr war für uns sicher wichtig, erst da haben wir uns den Schritt getraut. Vor dem Zusammenziehen war mir schon ein bisschen mulmig, wie wird das gehen, wie schaut's dann wirklich aus mit Putzen, mit Alltag.
Was ist das Wichtigste am Zusammenleben?
K: Abgesehen von Liebe - Toleranz, dass man dem anderen einen Freiraum gibt. Ich habe bei mir bemerkt - je mehr Freiraum ich hab', umso ruhiger werd' ich.
S: Gleich sagen, wenn einem was nicht passt, und alles nicht so schwer nehmen. Bei einem Streit nicht gleich alles in Frage stellen, sondern in Ruhe klären.
Durch permanente Verfügbarkeit wird Sex uninteressant.
von Karen Müller

Ach ja, apropos Geld – ein heikles Thema.

Genau deshalb reden viele Frauen vor dem Zusammenziehen auch so ungern darüber. "Wir lieben uns so sehr, das wird schon irgendwie gehen ..." denken sie. Denken sie. Die Wahrheit ist: Geld steht in der Hitliste der Streitthemen so weit oben wie Reinhold Messner auf den Bergen. Deshalb sollte man vor dem Zusammenziehen unbedingt klare Abmachungen treffen. Und dabei folgende Fragen besprechen: Wer gibt wem wie viel Geld? Wie viel wird gespart, wie viel ausgegeben? Wie wird zurückgezahlt, wenn einer dem andern etwas borgt? Und nicht zuletzt: Wie teilt man seine Güter, wenn man sich einmal wieder trennen sollte? - Dazu eine Empfehlung: Schon beim Einrichten zahlt jeder bestimmte Stücke und hebt die Quittung auf. Mit seinem Namen drauf. Und noch eine Empfehlung: sich nie darauf einlassen, dass er etwa das neue Auto abbezahlt und man selbst die Lebensmittel kauft. Denn Geld, das nicht sichtbar wird, ist am Ende weg. Lost in Space.

Ähnliche Problematiken ergeben sich durch den Mietvertrag.

Wer steht drin? Beide oder einer allein? Und wem verbleibt im Fall einer Trennung die Wohnung? In den meisten Fällen natürlich dem, der sie sich alleine leisten kann. Dennoch: Schon aus Gründen des Seelenfriedens sollten, wenn möglich, beide Partner als Hauptmieter im Vertrag stehen. Es lebt sich nämlich nicht besonders gut, wenn man bei jedem Streit das Gefühl hat, dass einen der andere über Nacht vor die Tür setzen könnte. Oder andersrum: wenn einen der andere jederzeit sitzen und mit allen finanziellen Verpflichtungen allein lassen könnte.

So, und nun zum Nerv-Thema Nummer eins: die Aufteilung der Hausarbeit.

Leider ist es ja so, dass selbst heute noch viele Muttis ihren Söhnen in Dingen wie Putzen, Aufräumen und Kochen keine besonders gute Ausbildung mit auf den Weg geben. Und wenn diese Söhne dann zum ersten Mal mit einer Frau zusammenziehen, haben sie keine Ahnung, wie man 40-Grad- von 60-Grad-Wäsche unterscheidet, wie man Karotten schält und wo eigentlich der Staubsauger versteckt ist. Bleiben Sie ruhig, wenn Sie so einen abkriegen. Er kann ja nichts dafür. Machen Sie mit ihm einen Crash-Kurs in Sachen weißer Wirbelwind. Und machen Sie vor allem von Anfang an klar, wenn Sie keinen Bock drauf haben (wie die meisten Frauen in Österreich), 75 Prozent der gesamten Hausarbeit allein zu machen. Am besten funktioniert eine faire Aufteilung übrigens, wenn Sie von Anfang an ganz präzise und fixe Abmachungen treffen. Etwa: Du bist für das Klo zuständig, ich für das Bad. Oder: Staubgesaugt wird jeden Samstag, und zwar einmal der eine, einmal der andere. Ein Tipp: Wenn es sich um annähernd gleich anstrengende Aufgaben handelt, soll sich jeder diejenige aussuchen, die er lieber macht. Das motiviert.

Zur Hausarbeit gehören übrigens auch die Haustiere.

Hunde wollen Gassi geführt werden, ein sauberes Katzenklo macht Katzen froh. Klären Sie, ob der Partner (oder Sie) den quasi in die Ehe mit eingebrachten Vierbeiner auch versorgen will.

Sorry für die Reihenfolge – aber ziemlich ähnliche, wenn auch weitaus komplexere Probleme ergeben sich durch das Vorhandensein von Kindern.

Und deshalb gilt hier die Regel: Wenn man sich vor dem Zusammenziehen schon prinzipiell seiner Gefühle sicher sein soll - sollten Kinder da sein, muss man felsenfest überzeugt sein, dass die Beziehung längerfristig Zukunft hat. Kinderseelen sind kein geeignetes Experimentierfeld für Zusammenzieh-Versuche. Funktionieren kann es allerdings, Kindern den Neuen für eine längere Zeit erst einmal als Gast zu präsentieren. Der Status als Gast ermöglicht es dem Kind, sich ihm aus einer gewissen Distanz offen und beobachtend zu nähern. Ohne, dass es gleich fürchtet: "Der soll jetzt mein Papa sein ...?"

Stichwort Gäste

Über den Umgang mit Ex- und anderen Freunden sollte man bei Gelegenheit ebenfalls ein Wörtchen reden. Manche Menschen haben ja ausgesprochen gute Beziehungen zu ihren ehemaligen Lebensabschnittspartnern. Und die würden sie dann auch gerne in die neue Wohnung auf einen Kaffee einladen, warum denn nicht. Warum denn nicht? Na ja, weil der neue Partner dann vielleicht das Gefühl hat, dass ihm ein Rivale ins Revier pinkelt. Das ist zwar möglicherweise ein wenig engstirnig, aber gegebenenfalls zu akzeptieren. Andernfalls stellt dieser - berechtigterweise - die Loyalitätsfrage: "Wer ist dir hier eigentlich wichtiger?"

Nicht stellen sollte man diese Frage andererseits, wenn einer der Partner sich mal allein mit seinen Freunden treffen will. Oder wenn er seine Clique ins neue Liebesnest einladen möchte. Es ist nämlich ziemlich unfair, einem Menschen auf diese Art das Messer anzusetzen: "Ich - oder deine Freunde." So geht das nicht, schon gar nicht auf Dauer. Denn wenn einer das Gefühl hat, dass er sukzessive von all seinen alten Bindungen abgeschnippelt wird, von Menschen, mit denen er schon viel geredet und gelacht hat - dann vergeht ihm das Lachen.

Viele Menschen hängen, wie Psychotherapeuten wissen, der Illusion nach: Je mehr Nähe, um so besser ist die Beziehung.

Aber das ist genauso falsch wie die Annahme: Je näher ich an etwas herangehe, um so besser kann ich es sehen. Denn irgendwann kommt der Punkt, wo alles vor den Augen zu einem einzigen Matsch verschwimmt. Sehnsucht (und die braucht eine Liebe wie Tiramisu die Frischhaltefolie) kann nur aus einer gewissen Entfernung entstehen. Machen Sie sich bewusst, wie viel Nähe oder Distanz Sie in Ihrer Partnerschaft haben möchten. Checken Sie ab, ob Sie die für Sie persönlich passende Nähe leben, in der Sie sich sowohl vertraut und sicher als auch frei und handlungsfähig fühlen. Haben Sie das Gefühl zu ersticken, weil Sie Abend für Abend händchenhaltend auf der Couch sitzen sollen, dann holen Sie tief Luft. Und sagen Sie Ihrem Klammeräffchen, dass sie neue Inputs brauchen.

Zitate (4188f82c)

Sollte er dagegen aufbegehren, dann sagen Sie ihm einfach: "Schatz, das tu' ich nur für den Sex mit dir!" Damit lügen Sie noch nicht einmal. Denn durch permanente Verfügbarkeit wird Sex uninteressant. Raten Sie einmal, welche Frau für ihren Mann erotischer ist (und sich auch so fühlt): die, die frustriert und fadisiert mit ihm vor dem Fernseher hängt? Oder die, die gut gestylt und noch besser aufgelegt nach einem lustigen Abend in der Tür steht? Na eben. Also: Teilen Sie sich ruhig mit ihrem Liebsten eine Wohnung. Aber bleiben Sie selber dabei bitte ganz.

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Faktbox (ce8d69b)

 

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