Zu glauben, Schuluniform macht uns gleich, ist eine Illusion!

Sind Schulen mit Kleiderordnung besser für unsere Kinder? "Nein!", sagt Online-Redakteurin Arnika Zinke.

Gestern ließ die steirische FPÖ mit einer Forderung nach "einheitlicher Schulkleidung" in steirischen Schulen österreichweit aufhorchen (wir haben berichtet). Die "Uniform" würde, den Freiheitlichen zufolge, den SchülerInnen dabei helfen, sich besser zu konzentrieren, das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und dabei unterstützen, schulfremde Personen schneller zu erkennen.

8 Jahre Schulkleidung haben mich eines Besseren belehrt

Die Forderung löste nicht nur in der Steiermark, sondern auch auf unserer Facebook-Seite unterschiedlichste Reaktionen aus. Viele finden die Idee gut, schließlich würden Uniformen das Marken-Wetteifern unter SchülerInnen einbremsen und die sozialen Umstände wären den Kindern dann nicht direkt "auf den Leib" geschrieben. Und sowieso sind Uniformen viiiiel billiger, als ständig neue Sachen kaufen zu müssen.

Das alles ist sehr zu begrüßen und klingt auf den ersten Blick auch wirklich nach einem begrüßenswerten Denkanstoß.

Aber im Gegensatz zu den meisten KommentatorInnen war ich auf einer Schule mit Schulkleidung - für ganze acht Jahre meines Lebens. Ich habe mich damals aus freien Stücken bewusst für diese Schule entschieden und sie hat mir, im Nachhinein betrachtet, auf keinen Fall geschadet (bis auf die Tatsache, dass alle Sachen, die den Farben meiner Uniform entsprechen, seither mit großem Bogen von mir gemieden werden).

Nach acht Jahren in einer Schule mit vorgeschriebener Kleiderordnung kann ich allerdings eine Sache mit Sicherheit sagen: Nur weil man Kindern und Teenagern vorschreibt, was sie anzuziehen haben, heißt das noch lange nicht, dass dadurch alle gleich sind!

Man kann den Markenwahn nicht einfach mit einer Kleiderordnung unterdrücken

Denn selbst, wenn alle Schülerinnen und Schüler (wie in meinem Fall) jeden Morgen in hellblauem Polo und dunkelblauer Hose bzw. Rock antanzen, heißt das nicht, dass dadurch alle Hierarchien plötzlich an der Eingangstür zerschellen. Es wird zwischen Kindern immer einen gewissen Konkurrenzkampf geben. Wenn es nicht das Oberteil und die Hose sind, dann eben das Smartphone, die Schuhe oder der Rucksack.

Kosten für den Kleidereinkauf werden im Übrigen nicht kleiner, wie viele gerne behaupten. Denn die Schuluniformen sind im Gegensatz zu Billigläden wie H&M ziemlich teuer. Summiert man die Kosten für Polo, Pulli, Hose, Rock, Kleid, Festtagsbluse, Festtagskrawatte (oder -tuch), sowie Turnkleidung kommt beim regelmäßigen Uniform-Einkauf einiges zusammen. Nicht zu vergessen, dass man alles in mehrfacher Ausführung braucht und regelmäßig neue Größen nachkaufen muss.

Und davon einmal abgesehen, bleibt bei den meisten Kindern der Wunsch nach neuer (modischer) Bekleidung ja weiterhin bestehen. Schließlich möchte man in der Freizeit sicherlich nicht mit der Schuluniform herumlaufen. Im Gegenteil - da möchte man dann besonders auftrumpfen!

Eine schöne Illusion, die in der Realität nicht funktioniert

Zu behaupten, dass eine Schule, in der Kleidungspflicht herrscht, ein besserer und wertfreierer Ort ist, ist zwar eine schöne Illusion aber von der Realität in etwa so weit entfernt wie der Glaube der steirischen FPÖ, dass Mode-Trends Kinder daran hindern sich auf den Unterricht zu konzentrieren.

An dieser Stelle kann ich (als Modeverrückte!) der FPÖ mit besten Gewissen ausrichten: Wir haben uns in der Schulzeit sicherlich von vielem ablenken lassen - Modetrends haben dazu aber nicht gezählt und tun es bei den 6-Jährigen von heute garantiert auch nicht.

Freiheit den bunt-gemusterten Hosen

Statt unseren Kindern vorzuschreiben, wie sie sich anzuziehen haben, weil wir Angst davor haben, dass sie sich wegen dem Markenwahn gegenseitig zerfleischen, versuchen wir ihnen doch lieber beizubringen, dass es nicht die materiellen Dinge sind, die im Leben wirklich zählen.

Kinder oder Jugendliche, die jeden Morgen die Entscheidungsfreiheit darüber haben, ob sie ein hellblaues Polo oder eine bunt-gemusterte Hose anziehen möchten, werden sich bestimmt nicht zu schlechteren Menschen entwickeln als diejenigen, denen von klein auf eine Uniform oder ein bestimmtes Farbschema aufgezwängt wird.

Wieso müssen wir alle gleich aussehen, um gegenseitigen Respekt zu lernen und das Miteinander zu stärken? Uniformität ist ein Relikt aus Zeiten, das wir längst hinter uns gelassen haben. Und das ist auch gut so.

 

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