Zoë Kravitz: "Eine 'normale' Schauspielerin ist in den Drehbüchern immer weiß"

Wir haben mit der Schauspielerin, Musikerin und Testimonial für Yves Saint Laurent Beauté über Rassismus in Hollywood, Frauenfreundschaften und ihr Leben im Rampenlicht gesprochen.
 

Zoë Kravitz sitzt mir in der Interviewsuite des Londoner Luxushotels Café Royal gegenüber. Sie ist zierlich und verschwindet fast in dem Samtsofa, aber ihr Handschlag ist selbstbewusst und ihre Stimme dunkel und fest -keine Starallüren, aber auch keine Unsicherheiten. "Hallo, ich bin Zoë. Sie kommen aus Wien? Ich war noch nie in Wien, aber ich habe Bilder gesehen. Seither warte ich, dass mich jemand dorthin einlädt. Wollen Sie mich einladen?" Sie legt den Kopf schief und grinst. Ich muss auch lachen -weil das gar nicht selbstgefällig rüberkam, sondern frech und charmant.

Lange kannte man Zoë Kravitz nur als "die Tochter von Lenny Kravitz und Lisa Bonet, der von der Cosby Show". Ihre Eltern waren das Dream-Couple der Achtziger: Lenny mit hüftlangen Dreads und Lisa mit Hut. Zoë wirkt wie das perfekte Ergebnis aus dem attraktiven Genpool der beiden: halb Hippie-Boho-Fee, halb Entertainerin.

Zoe Kravitz mit Vater Lenny und Mutter Lisa Bonet

Die heute 29-jährige Sängerin und Schauspielerin wuchs in der hippen Indieszene in Venice Beach, Los Angeles, auf. Zu Kohleintopf mit Linsen - Mama Lisa ist strenge Veganerin - schauten regelmäßig Musikgrößen wie Prince oder Mick Jagger vorbei. Die Eltern trennten sich, als Zoë elf Jahre alt war. Danach musste sie ganz schnell erwachsen werden. Mit 15 zog sie nach New York, bis heute ihre Lieblingsstadt. "Ich liebe New York, es gibt hier mehr Kunst, mehr Diversity als an der Westküste", sagt sie. Diversity ist nicht nur das Thema der Stunde in der Beauty-und Modeszene, sondern auch das Thema, auf das Zoë aufgrund ihrer dunkleren Hautfarbe in Interviews am öftesten angesprochen wird. Nervt sie das?

Sie blickt mich nachdenklich an. "Nicht wirklich, weil es mir zeigt, dass das Thema in den Köpfen der Leute angekommen ist. Sie hinterfragen -auch wenn wir bei der gelebten Vielfalt erst ganz am Anfang stehen." Sie spielt auf Drehbücher an, in denen bis heute noch immer explizit erwähnt wird, wenn eine Rolle von einer Asiatin oder einer Schwarzen gespielt werden soll. Man geht einfach davon aus, dass eine "normale" Schauspielerin weiß ist.
 

Als Beauty-Testimonial für YSL ist Zoë Kravitz die erste dunkelhäutige Schönheit, die für ein Haute-Couture-Parfum wirbt. "Die Zusammenarbeit mit der Brand ist gut", sagt sie, "weil sie mich so akzeptieren, wie ich bin. Sie versuchen nicht, mich in eine Schublade zu pressen oder mich zu ändern, damit ich besser zum Produkt passe, das ich verkaufen soll." Da trifft es sich ausgezeichnet, dass Zoë den Duft Black Opium, den sie bewirbt, wirklich mag. "Ich war immer wählerisch mit Düften, habe lieber mit Aromaölen experimentiert, als mir ein Parfum 'von der Stange' zu kaufen. Aber einmal hat mich auf einem Event eine Frau umarmt, die unglaublich gut gerochen hat. Ich habe sie nach ihrem Parfum gefragt. Sie trug Black Opium und hat mir am nächsten Tag einen Flakon davon geschickt. Ich habe mich riesig gefreut." Dass sie heute ausgerechnet das Gesicht ihres Lieblingsduftes ist, ist quasi "a match made in heaven".


Klar, dass Zoës Fans nicht nur ihren Lieblingsduft nachkaufen, sondern auch ihren entspannten Modestil kopieren. Wichtigstes Auswahlkriterium für die junge Künstlerin: "Egal, was ich trage, ich muss mich darin wohlfühlen. Es ist schwer, sexy zu wirken, wenn man sich nicht wohlfühlt", sagt sie und verrät mir außerdem: "Ich sammle weiße T-Shirts: neue, Vintageteile -und gerne auch die von Exfreunden." Gibt es auch etwas, das sie niemals tragen würde?"Gladiatorensandalen", lacht Zoë, "die sind wirklich das Letzte!" Die strenge vegane Diät ihrer Kindheit hat sie ebenso hinter sich gelassen wie die pubertäre Bulimiephase ihrer Size-Zero-Zeiten. Heute isst Zoë auch schon mal einen Cheeseburger, sagt aber: "Ich achte darauf, woher mein Essen kommt und was drinnen steckt. In Amerika sind so viele Lebensmittel industriell verarbeitet und voll mit schrecklichem Zeug, das man seinem Körper lieber nicht zumuten sollte!" Ihr Wellnessritual ist Schwitzen. "Ich habe mir dafür extra eine Spezialdusche einbauen lassen, die auch Dampf abgibt. Mein abendliches Entspannungsritual ist: ein Dampfbad nehmen, dann ein Glas Wein trinken und Musik hören."

Big Little Lies Cast

Frauenpower mit Reese und Nicole

Zoë umgibt sich gerne mit starken Frauen. Zu ihrem aktuellen Freundeskreis gehören ihre Schauspielkolleginnen aus der TV-Serie Big Little Lies. Nicole Kidman kannte Zoë allerdings schon -die datete ja einst Papa Lenny. Ihre neue BFF (= Best Female Friend) ist Reese Witherspoon, was auch auf den Instagram-Accounts der beiden ersichtlich ist. "Reese ist ein großartiger Mensch und eine tolle Geschäftsfrau. Sie inspiriert mich und gibt mir berufliche Tipps", streut Zoë ihrer Freundin Rosen. "Ich schicke ihr Ideen und Skripts und sie sagt mir, was sie davon hält." 

Zoë weiß den Wert dieser Freundschaft zu schätzen und drückt diese Wertschätzung auch mit klaren Worten aus: "Wir Frauen wachsen in einer Kultur des ständigen Wettbewerbs auf: Man konkurriert um einen Mann, um Jobs, darum, wer die Schönere ist. Viele Frauen wurden nie erzogen, einander zu helfen und sich gegenseitig zu unterstützen. Aber jeder von uns geht es besser, wenn wir anfangen, genau das zu tun!"
 

BIOGRAFIE

Zoë Kravitz ist die Tochter des Musikers Lenny Kravitz und der Schauspielerin Lisa Bonet. Ihr Filmdebüt gab sie 2007 an der Seite von Catherine Zeta-Jones in der Komödie Rezept zum Verlieben. Nach der Erfolgsserie Big Little Lies (2017) wird sie nächstes Jahr im Sci-Fi-Film Kin zu sehen sein. Mit ihrer R&B-Band Lolawolf ist sie auch musikalisch erfolgreich. Sie lebt mit ihrem Freund Karl Glusman in New York.

Aktuell