Zertrampelt: BesitzerInnen von Lavendelfeldern wehren sich gegen Influencer

Für schöne Fotos im Feed ist so manchen InstagrammerInnen jedes Mittel recht. Dass sie dabei die Natur zerstören, ist ihnen offenbar egal. Nun ziehen die BetreiberInnen eines Lavendelfeldes erste Konsequenzen.

Lavendelfeld

Die einen sehen ein hübsches Feld mit Lavendel, die anderen den perfekten Fotospot. Felder mit hübschen Pflanzen boomen als Hintergrund für Fotomotive auf Instagram. Das wurde schon bei einem kanadischen Sonnenblumenfeld zum Problem, das vor wenigen Monaten mit einem Influencer-Ansturm weltweit für Schlagzeilen sorgte. Nun regt sich auch Widerstand bei den BetreiberInnen eines französischen Lavendelfeldes im französischen Valensole (Département Alpes-de-Haute-Provence).

Die Lavendel-Bauern und - Bäuerinnen leiden zunehmend unter den Massen an Menschen, die auf ihre Felder strömen, um sich mit den pitoresken Blüten ablichten zu lassen. Was für die einen der perfekte Hintergrund ist, ist für die Bauern aber ihre Lebensgrundlage.

"Es ist ja schön, wenn Menschen kommen, um Fotos zu machen", so Lavendelbauer Rémi Angelvin gegenüber France 3. Sein Verständnis endet allerdings, wenn BesucherInnen die Natur zerstören. "Für uns bedeuten diese Felder die Arbeit eines ganzen Jahres", so Angelvin weiter. Besonders dreist: viele nehmen ganze Lavendelbünde einfach mit nach Hause, andere lassen ihre Wechselkleidung vom Shooting achtlos in den Feldern liegen.

Für das perfekte Foto sind alle Mittel recht

Auf seinem Blog berichtet FotografPaul Reiffer von "schockierenden" Zuständen, die er auf dem Feld vorgefunden habe: Menschen würden mitten auf der Straße parken, um aufs Feld zu gelangen und vor Ort mit Kleiderstangen und Leitern auftauchen, um das perfekte Foto zu schießen. Dass die Utensilien die sorgsam gepflegten Felder zerstören würden, sei den BesucherInnen offenbar egal. "Diese Menschen sind nicht da, um den schönen Ausblick zu genießen oder die Szenerie festzuhalten, um sich später daran zu erfreuen oder mit ihren FreundInnen zu teilen. Diese Menschen sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, nur um ein paar 'Likes' auf Social Media zu bekommen, dass sie es vollkommen in Ordnung finden, hier einzudringen, zu stehlen, die Bauern und ihr Land nicht zu respektieren. Alles im Namen des 'influencing'", ärgert sich der Fotograf.

Die Bauern und Bäuerinnen wehren sich im ersten Schritt mit einem großen Transparent und hoffen damit die fotowütigen BesucherInnen zur Vernunft zu bringen. "Respect our work please" steht auf dem Stoff, das auf einem Baum im Feld aufgehängt ist. Weitere Maßnahmen, etwa einen extra Eintritt um aufs Gelände zu gelangen, fordern die BetreiberInnen zumindest noch nicht. Ähnliche Konsequenzen hatte man in England nach dem Run auf ein Lavendelfeld gezogen und damit für Schlagzeilen gesorgt.

 

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