Zeit spielt (k)eine Rolle

Das Leben verläuft nicht immer nach Schema F. Und manche Frauen bekommen Kinder, wenn diese bei anderen schon fast erwachsen sind. Wir zeigen sehr persönliche Geschichten von Zufällen, Verzögerungen und Starthilfen. Diesmal: Nina, 46.

Illustration: Jovana Krstanovic

Meinen Mann lernte ich mit 34 kennen. Mit 35 setzte ich die Pille ab. Als ein Jahr lang nichts passierte, ließen wir uns untersuchen. Damals ­lebten wir in Schweden. Die ­Ärzte dort sagten mir gleich, dass ich schon sehr alt sei und es schwierig werden würde. Alt? Mit 36? Wir probierten es dann mit Hormontherapien, um den Eisprung anzuregen, und mit In-­vitro-Fertilisation, also künstlicher Befruchtung. Das Ergebnis war katastrophal: zu wenige gesunde Eizellen. Die Mediziner rieten uns gleich zur Eizellspende.

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Nun war der Gedanke, die Eizelle einer fremden Frau zu nehmen, zuerst befremdlich. Ich bat also meine Zwillingsschwester. Sie hat zwei Kinder, die schon erwachsen sind. Sie sagte zu. Ihre Eizellen waren gut, obwohl sie damals auch schon 38 war. Drei Versuche – keiner funktionierte.

Vor sechs Jahren waren Eizellspenden in Österreich noch nicht ­legal. Griechenland ist eines der Länder, in denen es erlaubt ist und die für gute Ergebnisse bekannt sind. Während man in Schweden Hormone und Medikamente sehr dezent einsetzt, wird in Griechenland das volle Programm gefahren. Ich wurde in den künstlichen ­Wechsel versetzt – alle Hormone auf null gestellt. Rückblickend war das am schwierigsten für mich: Ich ­wurde depressiv und stellte alles infrage. Man kann das Einsetzen auch im ­natürlichen Zyklus probieren, das hat bei mir nur nie funktioniert.

Wir setzten die letzten zwei Eizellen ein. Gott sei Dank setzte sich eine fest.

Als die Eizellspende bereit war, flogen wir nach Athen. Von den Spenderinnen erfährt man nichts. Ich weiß nur, dass sie 26 war und dass auf Ähnlichkeiten bei Größe, Haar- und Augenfarbe geachtet wurde. Mein Mann gab den Samen ab, die Eizellen wurden befruchtet und mir eingesetzt. Gleich der erste Versuch funktionierte. Ich war 39 und schwanger mit Zwillingen. Durch eine Lebensmittelvergiftung verlor ich sie früh wieder. Aber wir ­blieben zuversichtlich. Acht gefrorene Ei­zellen hatten wir noch, probierten es erneut, und es funktionierte. Meine Tochter kam auf die Welt, als ich 41 wurde. Es macht für mich keinen Unterschied, ob sie nun genetisch meine eigene ist oder nicht – wirklich gar keinen.

Dann legten wir das Thema auf Eis, dachten, wir wollen keine Kinder mehr, bis ich es doch wieder probieren wollte, damit meine Kleine ein Geschwisterchen hat. Es war nicht einfach. Ich verlor zwei Kinder gleich am Anfang. Schließlich setzten wir die letzten zwei der Eizellen ein. Gott sei Dank setzte sich eine fest. Der Geburtstermin ist im Mai.

 

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