Zehn Prozent der Österreicherinnen verhüten beim ersten Mal mit "Aufpassen"

... ansonsten gehen Österreichs Frauen aber recht sorgsam mit ihrer gynäkologischen Gesundheit und Verhütungsthemen um, wie der Frauengesundheits-Check 2019 zeigt.

Verhütung ist Frauensache. Weil wir im Patriarchat leben, wo Männern die unfassbaren Nebenwirkungen einer Verhütungspille einfach nicht zugemutet werden können und Kondome beim Sex heimlich entfernt werden. Leicht wird es den Frauen in Österreich trotzdem nicht gemacht, wie erst im Februar der aktuelle Verhütungsreport gezeigt hat: Verhütungsmittel sind teuer, werden staatlich nicht subventioniert und KassenärztInnen bekommen keine Erstattung für Beratungsgespräche über Verhütung. Aber wie halten es die Österreicherinnen mit der Verhütung? Im neu veröffentlichten Frauengesundheits-Check 2019 im Auftrag von Gynialhaben 1.000 Österreicherinnen verraten, wie sie lieben, verhüten und vorsorgen.

Beim ersten Mal am liebsten mit Kondom

Im Schnitt haben österreichische Mädchen ihr erstes Mal mit 16,7 Jahren - und sind damit ein ganzes Stück früher dran, als es die Generation ihrer Großmütter war. Frauen, die jetzt zwischen 60 und 65 Jahren alt sind, hatten ihr erstes Mal durchschnittlich mit 18,3 Jahren.

Verhütung beim Ersten Mal

Verhütet wird auch beim ersten Mal recht zuverlässig - und das am liebsten mit dem Kondom. Mehr als die Hälfte der befragten Frauen hat beim ersten Mal ein Kondom verwendet. Vor allem die jüngere Generation bis 29 entschied sich mit 71 Prozent überdurchschnittlich oft für ein Präservativ. Ein gutes Viertel (26,7 Prozent) verhütete schon beim ersten Geschlechtsverkehr mit der Pille. Fast jede Zehnte hat allerdings nur "aufgepasst" - womit das "Aufpassen" unter den Top 3 Verhütungspraxen beim ersten Mal rangiert (und trotzdem keine gute Idee ist!).

Und sonst am liebsten mit der Pille

Danach vertrauen die Österreicherinnen am liebsten auf die Antibabypille, mit 17,6 Prozent ist sie das beliebteste Verhütungsmittel. In der Altersgruppe der 18-29 Jährigen sind es sogar 44,9 Prozent. Auf Platz zwei ist das Kondom mit 15,4 Prozent, danach folgt mit nur mehr 5,8 Prozent die Hormonspirale.

Bei der Wahl des Verhütungsmittels vertrauen die Österreicherinnen auf den Rat ihrer GynäkologInnen. Drei von vier Frauen informieren sich aktiv beim Arztbesuch über Verhütungsmethoden. Wenig überraschend ist in der Altersgruppe der 18-29-Jährigen das Internet eine weitere, wichtige Informationsquelle, 40,9 recherchieren online zu Verhütung. Aber keine Sorge, das Internet ist auch hier nicht der Tod der persönlichen, zwischenmenschlichen Kommunikation: Enge weibliche Bezugspersonen sind ebenfalls eine wichtige Informationsquelle, fast ein Viertel der Frauen spricht mit Freundinnen oder der Mutter über Verhütung.

Wo informieren sich Frauen über Verhütung

10 Prozent fühlen sich ärztlich nicht gut betreut

Fast 20 Prozent jener Frauen, die sich bei ihrer/ihrem ÄrztIn über Verhütungsmethoden informiert hat, haben ohne weitere Information ein hormonelles Verhütungsmittel verschrieben bekommen. Sie wurden also nicht über Risikofaktoren, die eine hormonelle Verhütung mit sich bringen kann, aufgeklärt. Jede Zweite wurde über die Risikofaktoren Hormone und Rauchen aufgeklärt, etwas mehr als ein Drittel wurde über mögliches Übergewicht und knapp ein Viertel zu Bluthochdruck.

88,8 Prozent haben den Termin bei ihrer/ihrem GynäkologIn mit dem Wunsch-Verhütungsmittel und 89,3 Prozent mit dem Gefühl, gut informiert worden zu sein, wieder verlassen. Das bedeutet aber auch: Eine von zehn Frauen fühlte sich von ihrer/ihrem ÄrztIn nicht ausreichend informiert.

GynäkologInnen sind Vertrauenspersonen

Mehr als die Hälfte der österreichischen Frauen geht vorbildhaft einmal im Jahr zur gynäkologischen Routinekontrolle, 16,5 Prozent gehen sogar zweimal jährlich zur/zum FrauenärztIn. 79,1 Prozent lassen beim Besuch einen Krebsabstrich des Gebärmutterhalses machen. Besorgniserregend: 11,9 Prozent gehen selten oder nie zum/zur GynäkologIn.

Wie häufig gehen Österreichs Frauen zur Routinekontrolle

Im Großen und Ganzen sind die Österreicherinnen also ziemlich pflichtbewusst. "Unser GYNIAL Frauengesundheits-Check 2019 zeigt sehr deutlich, dass Österreichs Frauen grundsätzlich gut informiert sind und auch ihre jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen regelmäßig wahrnehmen", sagt Rudolf Wessely, Gründer und Geschäftsführer von Gynial. "Trotzdem gibt es aus unserer Sicht noch immer einen großen Aufklärungs- und Informationsbedarf. Vor allem, wenn es um das Thema individuelle Verhütung beziehungsweise den verantwortungsvollen Umgang mit unterschiedlichen Verhütungsmethoden geht. Für Österreichs Frauen spielen Gynäkologen und Gynäkologinnen als medizinische ExpertInnen und Vertrauenspersonen eine maßgebliche Rolle.“ In der Beratung und Information gäbe es in Österreich noch Lücken, gibt Wessely bei der Vorstellung des Berichtes am Donnerstag in Wien zu bedenken. Höhere Erstattungsbeträge der Krankenkassen für GynäkologInnen könnten hier eine Verbesserung der Betreuung bringen.

Zur Studie: In einer repräsentativen Umfrage wurden im Jänner 2019 zum zweiten Mal 1.000 Österreicherinnen online über Liebe, Verhütung und Vorsorge befragt. In Auftrag gegeben wurde die Untersuchung vom österreichischen Pharmaunternehmen Gynial, wie schon beim ersten Gynial Frauengesundheits-Check 2017. In Österreich verhüten 150.000 Frauen mit einem Produkt aus dem Gynial-Sortiment.

 

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