Zahnarztphobie

Schätzungen zufolge leiden rund 14 Prozent der Bevölkerung unter einer Zahnarztphobie. Diese starke Angst hält sie jahrelang vom Zahnarztbesuch ab. Woher sie kommt und wie Betroffene doch noch behandelt werden können, erklärt Dr. Michael Leu, Gründer der GentleDentalOffice Group, im Interview mit typischich.at

Weiß man, woher die Phobie vor dem Zahnarzt kommt, die einige Patienten über Jahre davon abhält, einen Zahnarzt aufzusuchen?
Fast alle Patienten berichten von negativen Erfahrungen wie Schmerzen bei Behandlungen, aber auch Beleidigungen in der Praxis. Diese negativen Erfahrungen prägen die Angst in großem Maße. Viele Patienten berichten auch von derben Beschimpfungen bei Zahnärzten oder von extremen Erfahrungen als Kind bei Schulzahnärzten. Die Angst vor erneuten Schmerzen bei Behandlungen und die Angst vor Beleidigungen in der Praxis spielen daher eine große Rolle.

Ab wann spricht man wirklich von einem Angst- bzw. Phobiepatienten?
Angst bzw. Phobie kann man messen: Mit dem Phobie HAF-Test, der auch unter www.zahnarztangst.at zu finden ist. Bei einem Phobiewert ab 38 Punkten handelt es sich um die Krankheit Zahnarztphobie.

Wie wirken sich diese Ängste aus?
Stark vereinfacht: Angst ist Herzrasen oder Zittern oder Übelkeit oder Durchfall, oder, oder, oder. Phobie ist Herzrasen und Zittern und Übelkeit und Durchfall und, und, und.

Vermeidet der Angstpatient einfach über Jahre, einen Zahnarzt aufzusuchen oder versucht er es doch hin und wieder?
Phobiepatienten wollen zum Zahnarzt - aber sie haben neben der phobischen Reaktion panische Angst vor Beschimpfungen und Beleidigungen. Sie müssen aber zum Zahnarzt, weil das ganz große Problem nach einigen Jahren die stark beeinträchtigte Lebensqualität ist! Das Dilemma bei der Zahnarztphobie ist: Die eigentlich psychische Erkrankung hat eine massive Schädigung des Gebisses und oft auch weitere Erkrankungen aufgrund schlechter Zähne zur Folge, etwa Kopf- und Nackenschmerzen, Rheuma, Stoffwechselerkrankungen.
Eine Zahnarztphobie bedeutet immer irgendwann einen extrem schlechten Zustand der Zähne. Das heißt, die Patienten können nicht mehr richtig essen. Sie gehen zum Beispiel nicht mehr in Restaurants, weil sie Angst haben, dass ein Zahn abrrechen könnte und können im Beruf nicht mehr selbstbewußt auftreten. Mit der Zeit verliert der Phobiepatient immer mehr an Lebensqualität. Er igelt sich ein, trifft keine Menschen mehr, weil er sich schämt. Viele Patienten denken sogar an Selbstmord. Um die Schmerzen auszuhalten, nehmen viele massenweise Schmerzmittel.

Worin unterscheidet sich die Behandlung der GentleDentalOffice Group gegenüber einer herkömmlichen Behandlung beim Zahnarzt?
Wenn Patienten viele Jahre nicht mehr den Zahnarzt aufsuchen können obwohl sie dessen Hilfe eigentlich dringend suchen - dann hilft nur zahnärztliche Kompetenz und die Behandlung in Vollnarkose. Anders sind extreme Phobiepatienten meist nicht behandelbar. Die Zahnärzte der GentleDentalOffice Group können heute die Behandlungsdauer auf sieben Stunden in Vollnarksoe ausdehnen. Dadurch sind komplette Sanierungen in einer Narkose möglich.
Unsere Behandlungsmethode heißt Drei Termine Therapie. Sie wurde von mir vor mehr als zehn Jahren entwickelt. Das erste Treffen ist ein Gesprächstermin mit Beratung und Befundung. Die Patienten müssen nicht in den Behandlungsstuhl, eine Behandlungsplanung wird erstellt. Beim zweiten Termin erfolgt die komplette Sanierung der Zähne in vier bis sieben Stunden Vollnarkose in ambulanten Praxen. Der dritte Termin umfasst das Eingliedern notwendigen Zahnersatzes und eine Schlußberatung.

Wie kann man Angstpatienten erreichen und sie zu einem Besuch in der Praxis bewegen?
Zunächst fast ausschliesslich durch anonyme Hilfe (zahnarztangst.at, anonyme Telefonate mit geschulten Mitarbeitern der GentleDentalOffice-Group). Es besteht außerdem die Möglichkeit mit ehemaligen Patienten, die diese Krankheit auch hatten und heute geheilt sind, zu telefonieren und sich beraten zu lassen. So erlangt der Phobiepatient Schritt für Schritt das Vertrauen, um sich zu einem Beratungstermin bei uns zu entschließen.

Werden die Ängste durch die spezielle Behandlung in Ihrer Praxis gemindert oder können diese nach mehrmaligen Besuchen sogar verschwinden?
Nachkontrollen nach zwei Jahren zeigen, dass fast alle Patienten ganz normal zum Zahnarzt am Heimatort gehen. Die extreme Phobie weicht einer normalen Zahnarztangst, die wohl jeder empfindet. Die Vermeidungstatktik wird meist abgelegt.

Werden die Kosten für diese Behandlungen auch von der Krankenkasse getragen?
Krankenkassen fühlen sich für die Zahnarztphobie nicht zuständig. Die Behandlung wird privat abgerechnet. Der Patient hat die Auswahl zwischen drei PreisKategorien. Zusätzlich werden aufgrund der großen Nachfrage derzeit Konzepte für Sonderfälle wie Kinder-Behandlung in Narkose und Weissheitszahn-Entfernungen in Narkose entwickelt.

 

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