Zahlreiche japanische Arbeitgeber verbieten Frauen, Brillen zu tragen (Männern nicht, eh kloar)

Japanische Frauen protestieren, weil man ihnen verbietet, bei der Arbeit eine Brille zu tragen. Es ist nicht der erste Aufstand wegen eines diskriminierenden Dresscodes in Japan.

Junge Frau mit Brille

Frauen, die eine Brille aufhaben, wirken automatisch kalt und unnahbar. Äh, wos? Wer behauptet sowas? Laut der BBC sämtliche Arbeitgeber in Japan, die ihren weiblichen Angestellten untersagen, während der Arbeitszeit eine Brille zu tragen. Diese Angestellten protestieren jetzt.

Argumente: Brille passt nicht zum Kimono und verdeckt Make-Up

In einem Beitrag des japanischen TV-Senders Nippon TV erklären Arbeitgeber, warum Frauen keine Brille am Arbeitsplatz tragen sollten: Zum Beispiel, da Frauen mit Brillen schnell einen kalten Eindruck vermitteln würden – für den Einzelhandel wäre das unzumutbar. Airline Manager erklärten, dass das Tragen von Brillen ein Sicherheitsrisiko darstellen würde, da die Sicht eingeschränkt würde (aber nur bei Frauen??).

Aus Restaurants hörte man, Brillen würden nicht zu den traditionellen Gewändern wie Kimonos passen, welche die Angestellten während der Arbeit tragen. Für die Kosmetikbranche wäre das Tragen von Brillen ungünstig, da so das Make-Up der Verkäuferinnen nicht gut genug sichtbar wäre. Ein Grund fragwürdiger als der andere.

Brillenverbot ist schmerzhaft und diskriminierend

Neben der offensichtlichen Diskriminierung von Frauen beklagen Brillenträgerinnen, dass das lange Tragen von Kontaktlinsen ihnen Schmerzen bereiten und die Augen ermüden würde. Von manchen Arbeitnehmerinnen wird sogar verlangt, in ihrem Job falsche Wimpern zu tragen, um dem Idealbild der süßen, unschuldigen, jungen Frau noch besser zu entsprechen, was das Tragen von Linsen wiederum noch unangenehmer macht.

Mehr und mehr Leute erkennen, dass ein Brillenverbot für Frauen veraltet und diskriminierend ist. Banri Yanagi, eine 40-jährige Verkäuferin in Japan, erklärte gegenüber der Japan Times, dass auf Frauen in Japan enormer Druck läge, jung und feminin auszusehen und erklärte: "Es ist seltsam, Männern zu erlauben, Brillen zu tragen, aber Frauen nicht“ Unter dem Hashtag メガネ禁止 (auf Deutsch: "Brillen sind verboten“) solidarisieren sich etliche User*innen mit Frauen, die von der Regelung betroffen sind.

Letzter Protest wegen Dresscodes nicht lange her

Bereits vor ein paar Monaten gab es in Japan Aufstände wegen Vorschriften, die Frauen zwingen, am Arbeitsplatz hohe Schuhe zu tragen (>>> wir berichteten). Die japanische Schauspielerin und Autorin Yumi Ishikawa startete eine Petition, um den Dresscode abzuschaffen. Auch sie war gezwungen worden für die Arbeit bei einem Begräbnisinstitut Schuhe mit Absatz zu tragen. Ihre Petition war Auslöser einer großen Debatte und fand auch online viel Zuspruch. Bis dato wurde die Forderung allerdings nicht umgesetzt.

Ishikawa äußerte sich auch zur aktuellen Brillendebatte: "Wenn das Tragen einer Brille ein echtes Problem bei der Arbeit ist, sollte es für alle – Männer und Frauen – verboten werden", meint sie. "Das Problem mit den Brillen ist dasselbe wie mit den High Heels. Wieder nur eine Regel für ArbeitnehmerINNEN“.

 

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