#YesAllWomen: Debatte über Gewalt gegen Frauen

Was ist passiert?


Der 22-jährige Elliot Rodger, Sohn eines Hollywood-Regisseurs, hat am 23. Mai 2014 in Kalifornien sechs Menschen getötet und 13 weitere verletzt. Seine Taten begründet er in einem fast 140 Seiten langen "Manifest" mit seinem Hass auf Frauen. Die sollen ihn sein Leben lang nicht beachtet haben sollen.

Hass auf Frauen

In seinem "Abschiedsmanifest" hatte der 22jährige geklagt: „Ich bin 22 Jahre alt und noch immer Jungfrau. Ihr Mädchen habt Euch nicht für mich interessiert". Wie kann ein Gefühl der Ablehnung in solch extreme Aggressionen umschlagen? Dr.in Bettina Zehetner, psychosoziale Beraterin bei Frauen beraten Frauen, findet an dieser Anklage auffällig, "dass der Täter andere - "Ihr Mädchen" - für sein Verhalten verantwortlich macht." Dieses Denkmuster begegne ihr auch im Beratungsalltag häufig: "Wer schlecht mit seinen Emotionen umgehen kann, versucht andere dafür verantwortlich zu machen - für die eigene Wut und das verbale oder physische Um-Sich-Schlagen aus diesem Gefühl heraus."

Netzdebatte über sexistische Erfahrungen

Im Netz ist kurze Zeit nach dem Amoklauf eine Debatte über Sexismus entbrannt. Nur einen Tag nach dem Amoklauf erschien auch als Reaktion auf das in den USA schon länger kursierende Hashtag #NotAllMen der erste Tweet unter #YesAllWomen, zu deutsch "Ja, alle Frauen".

Während ersteres so viel wie "nicht alle Männer" diskrimieren Frauen oder verhalten sich ihnen gegenüber gewalttätig" meinte, lautete die mittlerweile vielfach zitierte Antwort der Twitter-Nutzerin Soraya Chemaly aka @schemaly: "#notallmen practice violence against women, but #YesAllWomen live with the threat of male violence. Every. Single. Day. All over the world."

Was wird getwittert?

Seither werden unter #NotAllWomen sekündlich sexistische Alltags-Erfahrungen gepostet: Männliche Aggressivität, so die Tweets, würde zu sehr toleriert. Die Bewegung erlebt gerade eine ähnliche Dynamik wie die #Aufschrei-Debatte, die Anfang 2013 in Deutschland tobte.

Mittlerweile wurde ein Tumblr-Blog namens When women refuse gestartet, das Geschichten von Frauen sammelt, die "nein" zu Männern gesagt haben.

Dr.in Bettina Zehetner von Frauen beraten Frauen kann aus den Erfahrungen mit Rückmeldungen in ihrer Online-Beratung heraus sagen: "Gewalterfahrungen zur Sprache zu bringen, Übergriffe als solche zu bennen, ist ein notwendiger Schritt, um sie als unzumutbar sichtbar zu machen und Veränderung zu bewirken."

In den USA wurde außerdem von Seiten der Opfer eine Debatte angestoßen, warum der 22-jährige Täter an Waffen gekommen ist und nicht zuvor - obwohl es im Vorfeld bereits per VideoHinweise auf seine wahnwitzigen Pläne gegeben hatte - von der Polizei an deren Durchführung gehindert wurde.

>>> Wie sich Frauen im Alltag vor männlicher Gewalt schützen und an wen sie sich wenden können?

Eine niederschwellige Möglichkeit der Kontaktaufnahme ist die Onlineberatung von Frauen beraten Frauen, die anonym und kostenlos Unterstützung bietet: www.frauenberatenfrauen.at


Die Frauenhelpline gegen Gewalt ist außerdem unter 0800 / 222 555 rund um die Uhr erreichbar.

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