Yes, we can!

Einige von Ihnen wissen es bereits aus der WIENERIN: Ich habe mich entschieden, Pflegemutter zu werden, und in den vergangenen Jahren alle dafür nötigen Kurse, Seminare und Verfahren absolviert. Doch als ich alles erledigt und „Start!“ gerufen hatte, griff die Natur ein.

Meine Stellvertreterin Mareike Steger wurde schwanger und meine Familiengründung kurzerhand vertagt. Heute weiß ich, warum das so sein sollte. Meine kleine Pflegetochter brauchte mich damals noch nicht. Doch jetzt ist es so weit: Ich darf ein wunderbares Mädchen auf ihrem Weg ins Leben begleiten und fühle mich jetzt, an meinem letzten Abend in der Redaktion, ein bisschen wie Kolumbus auf dem Atlantik: den Blick suchend auf den Horizont gerichtet, voll froher Erwartung und doch wissend um die Herausforderungen, die meiner harren.


Die Menschen um mich herum reagieren durch die Bank positiv. Doch auf den Satz „Toll, wie mutig!" folgt oft genug ein „Aber wie soll das gehen, du als Alleinerzieherin ... und als Chefin ...?". Ich antworte stets das Gleiche: „Ja, das geht." Es geht, wenn es Unternehmen gibt, die ihre Mitarbeiterinnen ermutigen, das Abenteuer Familie zu wagen. Es geht, wenn die Kolleginnen und Kollegen die Situation als Herausforderung begreifen, die zu meistern uns alle stärker machen und näher zusammenrücken lassen wird. Es geht, sobald unsere Gesellschaft begreift, dass Nine-to-five-Zwang und Sätze der Marke „Mutterschaft und Chefposition vertragen sich nicht" dazu beitragen, dass weniger Frauen in Führungspositionen streben.


Um unsere immer noch eingeschränkte Sicht auf akzeptable Formen der Elternschaft zu ändern, braucht es deutliche Signale am Rande unseres Blickwinkels. Ein Signal ist, dass wir hier offen darüber reden. Dass eine Chefin öffentlich erklärt: „Ich bin dann mal weg." Und ich wiederhole hier, was ich schon öfter in der Redaktion sagte: Wenn wir in der WIENERIN es nicht schaffen, eine Mutter im Chefsessel zu haben - wo, bitte schön, soll es dann klappen?


In der Zwischenzeit darf ich die Teamleitung an meine beiden bewährten Stellvertreterinnen Mareike Steger und Johanna Jenner übergeben. Sie werden Sie ab der nächsten Ausgabe an dieser Stelle begrüßen, bis ich wieder zum Team stoße. Bis dahin wünsche ich Ihnen unterhaltsame Stunden mit Ihrer WIENERIN.
Wir sehen uns!

 

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