Xaviers Seelenblick

Der König des deutschen Soul ist mit viel Herzblut und neuen Songs zurück. Seit 31. Mai ist das neue Album "Bei meiner Seele" erhältlich, im Interview erzählt Xavier Naidoo mehr zu seinem neuen Werk, wieso er sich bei allen Frauen entschuldigt und warum es ihn nicht ärgert die Ärzte zu covern.

Wie sind Sie auf den Titel Ihres Albums und der Leadsingle "Bei meiner Seele" gekommen?"
Xavier Naidoo: „Ich find's einen wunderschönen Ausspruch, der eigentlich ziemlich tief geht. Ich glaube, ich hab's das erste Mal in einem Märchen der Gebrüder Grimm gehört. Für mich ist es in mehrerlei Hinsicht interessant. Ich mache Soul-Musik und dazu muss man seine Seele eben öffnen. Wenn man sich das Album anhört, erfährt man etwas über meine Seele. Auch die Bedeutung als altmodisches ,Wow!' passt gerade gut zu meinem Leben. Dass man hier sein darf und das tun darf, was man tut, das ist einfach unfassbar. Das man so reich beschenkt wurde und damit auch etwas anstellen darf. Es ist einer der positivsten Songs, den ich je geschrieben habe."

Sie sind ein Perfektionist - haben Sie sich die Song-Reihenfolge überlegt?
„Ich glaub es ist eher so ein ästhetisches Ding. Eine persönliche Handschrift, um einer Veröffentlichung ein bisschen mehr persönliches Flair zu geben. Dass der Produzent des letzten Songs des Xavas-Albums jetzt der Produzent des ersten Songs auf meinem Album ist, wird jetzt niemand mitkriegen, aber für mich ist es einfach schön zu wissen."

Die Songtexte wirken wesentlich konkreter. Haben Sie auf „Bei meiner Seele" mehr persönliche Erfahrungen verarbeitet?
„Das ist glaube ich immer so. Nur inzwischen findet man immer besser Worte dafür und kann sich besser beschränken. Manchmal will man einfach zu viel. Das versuche ich auch weiterzugeben, wenn ich hin und wieder doziere (lacht). Wir Musiker sind ja alle Geschichtenerzähler, aber manchmal muss die Geschichte für den Song eben ein bisschen zurechtgeschnitten werden. Deswegen mach nicht so viel, mach weniger, setz es aber richtig. Das habe ich auf diesem Album auch besser hinbekommen als sonst. Früher habe ich mich der Geschichte mehr verpflichtet gefühlt und mehr Informationen geben wollen. Manchmal kann man aber mehr sagen, wenn man weniger sagt."

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In „Höchste Zeit" entschuldigen Sie sich im Namen aller Männer bei den Frauen. Ist das nicht eine zu einfache Rollenverteilung, haben nicht auch Frauen negative Seiten?
„Ich glaube, dass Frauen schon auch eine ganz krasse Macht haben und die manchmal bewusst, manchmal unbewusst ausspielen. Das ist auch mit Vorsicht zu genießen. Bei meiner Mutter habe ich so etwas noch nie festgestellt und bei den meisten Frauen, die ich kenne, eben auch nicht, aber ich habe auch andere Erfahrungen gemacht. Ich bin froh, dass diese Stalkerinnen-Geschichten weitestgehend hinter mir liegen, aber das ist schon krass, wenn Frauen denken, dass Du ihnen gehörst, weil sie denken, dass Du Deine Lieder für sie geschrieben hast und darauf eine Beziehung zu Dir aufbauen. Und Dich dann mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, bekommen wollen oder diffamieren wollen. Das ist schon heftig, da würden Männer nie drauf kommen, auf solche Geschichten (lacht)."

Auf „Bei meiner Seele" covern Sie auch den bekannten Ärzte-Song „Junge". Wie kam es dazu und was haben Sie empfunden, als Sie gemerkt haben, dass Heino Ihnen zuvor gekommen ist?
„Ich habe den Song schon immer einfach geil gefunden und hab mir immer vorgestellt, dass der in einer langsamen Version auch richtig geil wäre. Ich ziehe den Hut vor den Ärzten, gar keine Frage, aber sie sind halt nunmal Punk. Dafür, dass sie Punk sind, singen sie schon ganz schön gut, sogar mehrstimmig, ich glaube, das sucht man weltweit vergebens nochmal. Alles an dem Song ist geil, Text und Musik. Ich glaube, in einer Liste der Top Ten Songschreiber in Deutschland sind die Ärzte auf jeden Fall in den Top 5, aber mindestens. Schockierend aber auch lustig war dann natürlich, dass ich in der Nacht, in der der Song fertig war - na gut, es war schon Morgen, denn die frische Zeitung lag ja schon da (lacht) - in der Zeitung lesen musste: ,Rockerkrieg - Heino covert bla bla bla und ,Junge'.' Was? Fuck Alter - Heino ist mir zuvor gekommen (lacht)! Ich dachte, es wird schon für Aufsehen sorgen, wenn ich eine Ärzte-Nummer cover im Naidoo-Stil, so dass man so ein bisschen denken könnte, ich bin jetzt der Vater, weil im richtigen Alter wär ich ja. Dann hat das Heino einfach schon gemacht. Das war natürlich hart - und lustig.

Aber trotzdem lass ich den natürlich auf dem Album. Ich lass mir jetzt nicht den Song nehmen, nur weil Heino den schon draußen hat. Es gibt jetzt einfach noch eine Version. Es ist anscheinend der heißeste deutsche Song aller Zeiten. Schockierend muss es auch für die Ärzte gewesen sein, zu erfahren, dass Heino UND Xavier Naidoo ihren Song covern wollen, das muss schon hart gewesen sein (lacht)."

 

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