Würdest du jemanden heiraten, der so ist wie dein Vater?

Ein klares Ja fällt manchen schwer. Was ist dran an sogenannten "Daddy Issues"? Und wann werden Väter endlich zur Verantwortung gezogen?

Vater mit roter Krawatte und blauem Hemd legt Arm um Tochter.

Was ist das Erste, woran du dich erinnerst, wenn du an deinen Papa denkst? Eine behütete Kindheit mit Umarmungen, gutem Zuspruch und aufmunternden Gesprächen? Asking for a friend: Wie fühlt sich das an? Oder bist du auch eine von uns, die ein vermindertes Selbstwertgefühl oder die Unfähigkeit gesunde Beziehungen zu führen auf ein – sagen wir – kompliziertes Verhältnis zu deinen Eltern zurückführen? Genauer gesagt auf deinen Vater.

Klar, ab einem gewissen Alter müssen wir lernen Verantwortung über unsere Taten und unser Verhalten zu übernehmen. Therapien und Selbstreflexion sollen dabei helfen! So lernen wir im Erwachsenenalter, dass Ausreden, die erklären sollen, warum wir beziehungsunfähig sind nichts anderes sind als das: Ausreden! Es ist jetzt unsere Aufgabe damit klar zu kommen, dass unsere Väter nie richtig zugehört haben, uns nur selten gesagt haben, wie stolz sie auf uns sind, oder im Worst Case psychische Probleme oder sogar mentale Krankheiten an uns ausgelassen haben. Wir haben uns trotzdem gefragt, was wirklich hinter diesen "Daddy Issues" steckt. Und warum diese meistens Frauen zugeschrieben werden.

Der Vaterkomplex

"Daddy Issues", Vaterkomplex oder Elektrakomplex. Diese Begriffe beschreiben die übertrieben liebevolle oder distanzierte, wenn nicht feindliche, Beziehung zwischen Vater und Tochter, so der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung. Heute denken wir beim Vaterkomplex meist an junge Frauen, die sich nur zu Männern hingezogen fühlen, die mindestens zehn Jahre älter sind als sie selbst. Oft werden die männlichen Counterparts dann als reifer und finanziell abgesichert eingeschätzt. Mehr als 30 Prozent von 18- bis 30-jährigen Frauen, gaben bei einer Umfrage an, dass sie bereits mindestens einmal mit einem Mann intim gewesen sind, der "ihr Vater hätte sein können", wie Focus.de erklärt.

Ursprünglich war der Vaterkomplex das Gegenstück zum Ödipuskomplex, bei dem sich Kinder in ihre Mütter verlieben. Zurückweisung, Verlust oder Verletzungen der Bezugsperson, die oft jahrelang verdrängt werden, können zu Gefühlen von Einsamkeit führen. Diese Leere wird dann durch äußere Reize gefüllt. Manchmal eben durch eine*n ältere*n Partner*in. Doch die Gründe und Auswirkungen für einen vermeintlichen Vaterkomplex sind ebenso unterschiedlich, wie unsere Väter es sind.

Frauensache?

Außerdem betreffen Daddy Issues nicht nur Frauen. Im Internet finden sich viele Guides, die beschreiben, wie jemand damit umgehen kann, wenn eine Frau Daddy Issues hat. Listen à la "10 Dinge, woran du erkennst, dass sie Daddy Issues hat" oder "How to date a girl with Daddy Issues" gibt es im Überfluss. Dabei wird ignoriert, dass auch Männer unter dem Vaterkomplex leiden können. Doch die Bezeichnung wird eher abwertend für Frauen genutzt. Und diese werden so in eine "Opferrolle" gebracht. Sexismus lässt grüßen!

Deswegen können wir uns bitte darauf einigen, dass nicht Frauen, sondern ihre Väter das Problem sind, wenn es ihnen nicht gelungen ist ein gutes Vorbild zu sein? Das Gleiche gilt für Männer. Denn im schlimmsten Fall reproduzieren sie das Verhalten ihrer väterlichen Bezugsperson. Und diese schaffen wieder eine neue Generation an Frauen* und Männern*, die unter dem Vaterkomplex leiden. Ein Teufelskreis! Doch gerade Frauen haben mit genug gesellschaftlichen Stigmata zu kämpfen. Daher sollten Daddy Issues keine Frauen-, sondern Väter-Sache sein!

Auch Promis bleiben nicht verschont

Sie ist ein Weltstar. Mit "Single Ladies (Put a Ring on It)" erreichte sie Platz eins der US Billboard 100. Und auch im Vereinigten Königreich schaffte es das Lied auf Platz 7. Die Rede ist von keiner geringeren als Beyoncé Knowles Carter. Oder wie ihre Fans sie nennen, Queen B. Einer ihrer weniger bekannten Songs ist "Daddy". In diesem singt die Musikerin, wie sie sich wünscht, dass ihr – in den 2000ern noch ungeborener – Sohn, wie ihr Vater Matthew Knowles werden soll. Auch ihr zukünftiger Ehemann soll so sein, wie er.

Beyoncés Vater war lange ihr Manager. Vor einigen Jahren hat sie diesen aber wegen Veruntreuung von Geldern gefeuert. Auch ihre Mutter Tina hat sich von Matthew getrennt. Er soll mehrere Affären gehabt haben. Beyoncés Wünsche haben sich als Albträume entpuppt. Und die Frage, ob sie sich immer noch jemanden als Mann wünschen würde, der ihrem Vater ähnelt, lässt sich vermutlich mit einem Nein beantworten.

 

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