Wunsch nach Haustieren ist während Corona enorm gestiegen – Tierschützer*innen sind besorgt

Durch die Isolation haben Menschen vermehrt Interesse an Haustieren. Nicht alle scheinen dabei an die Zeit nach Corona zu denken: "Eine Anschaffung soll wohlüberlegt sein – und gerade jetzt sollte man ein zweites oder drittes Mal drüber nachdenken", so Oliver Bayer vom Wiener Tierschutzverein.

Tierheim

Es ist erst Woche zwei des Corona-Shutdowns und während zu Normalzeiten rund 20, maximal 30 Anfragen für ein Tier reinkamen, haben sie sich innerhalb dieser zwei Wochen Isolation "verdrei-, ja sogar vervierfacht", erinnert sich Oliver Bayer, Pressesprecher des Wiener Tierschutzvereins, an den Beginn des Lockdowns. Man habe die Auswirkungen von Corona binnen kürzester Zeit gespürt: "Die Leute sind Zuhause, ihnen ist fad, sie wünschen sich Beschäftigung."

Was passiert mit dem Tier nach der Krise?

So ganz trauen wollte man der plötzlichen Tierliebe nicht: "Wir haben versucht klarzumachen, dass eine Pandemie der völlig falsche Zeitpunkt wäre. Man kann nicht abschätzen, wie das ist, wenn der Alltag wieder eintritt, wenn man seinen Verpflichtungen wieder nachgehen muss." Werden Tiere nur kurzfristig während der Isolation bei neuen Besitzer*innen untergebracht, könnte das den Tieren langfristig mehr schaden als es ihnen guttut – "weder Mensch noch Tier hätten damit eine Freude."

Rücklaufenquoten sollen verhindert werden

Ab Mitte März war die Tiervergabe in Österreichs größtem Tierheim gesperrt. "Wäre geöffnet gewesen, hätten wir sicher enorme Rücklaufquoten gehabt", ist Bayer sicher. Mittlerweile ist die Tiervergabe mit entsprechender Terminvereinbarung vorab wieder geöffnet. Auch heute spürt man beim Wiener Tierschutzverein noch: "Die Nachfrage nach Haustieren – ganz besonders nach Hunden – ist durch Corona extrem gestiegen."

Das sei grundsätzlich gut, allerdings müsse man bei der Tiervergabe nun besonders sensibel vorgehen, wie Bayer erklärt: "Eine Anschaffung soll generell immer wohlüberlegt sein. Während Corona sollte man zusätzlich noch ein zweites oder drittes Mal drüber nachdenken, damit das Tier nicht in weiterer Folge wieder im Tierheim landet." Ziel sei es schließlich, die Tiere langfristig in ein neues Zuhause zu vermitteln.

Sensibilisieren durch Beratung

"Aktuell ist die Terminlage sehr dicht. Als wir die Tiervergabe wieder schrittweise geöffnet haben, waren innerhalb weniger Stunden die ersten fünf Tage völlig ausgebucht", so Bayer. Bei ebendiesen Terminen versuche man von Seiten des Wiener Tierschutzvereins die Lebensumstände der Interessent*innen abzuklären. "Damit wollen wir sicher gehen, dass sich die Leute nicht nur jetzt wegen Corona einen Weggefährten wünschen. Es geht um entsprechende Beratung und vor allem um die Frage: Haben Sie denn auch wirklich langfristig Zeit für ein Haustier?"

 

Aktuell