Work-Life-Balance – aktuell oder überholt?

Ob Work-Life-Balance, Work-Life-Blending oder Life-Management. Die Begriffe sind vielfältig, das Thema ist dasselbe: die Balance zwischen Job und Privatleben. - WERBUNG -

(Un)Gleichgewicht

"Work-Life-Balance ist ein Luxusproblem.“ Mit diesen doch provokanten Worten eröffnet Klaus Schwertner die Diskussion. Der Generalsekretär der Caritas Österreich weiß, dass nicht nur ein stressiger Job psychische Krankheiten verursachen kann. Fakt ist, dass psychische Gesundheit im Zusammenhang mit der Work-Life-Balance ein sehr aktuelles Thema ist, das immer sichtbarer wird.


„Psychische Erkrankungen werden leider immer noch stark stigmatisiert, obwohl für viele Berufe emotionale Stabilität eine Voraussetzung ist“, so Eva Höltl. Die Leiterin des Gesundheitszentrums der Erste Bank Oesterreich meint, dass echte Work-Life-Balance nur durch die Flexibilisierung der Arbeitszeit erreicht werden kann. Diese Flexibilität soll es jedem und jeder Angestellten ermöglichen, die Arbeitszeit frei und nach seinen oder ihren Bedürfnissen einzuteilen.

Prävention

Laut Höltl liegt die größte Herausforderung darin, psychische Erkrankungen zu verhindern: „Es ist wichtig, auch außerhalb der Arbeit etwas zu haben, wofür man brennt; sei es ein Hobby, Familie oder Freunde. Eine österreichische Studie hat bewiesen, dass beispielsweise ehrenamtliche Tätigkeiten die psychische Gesundheit positiv beeinflussen, obwohl mehr Zeit für ‚Arbeit‘ aufgewendet wird.“
Weiters weisen Unternehmen, die sich um das psychische Wohl ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern, relevant bessere Daten im
Bereich der Arbeitnehmergesundheit auf. Andrea Schmoranzer-Jerabek, General Manager von L’Oréal Luxe, sieht eine gelungene Work-
Life-Balance auch als Teameffort: „Ein Unternehmen muss die Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ernst
nehmen. Wenn ein Kollege oder eine Kollegin Probleme hat und nicht arbeiten kann, ist das gesamte Team gefragt, das abzufangen. Es ist ein
gegenseitiges Geben und Nehmen.“

Immer erreichbar

Eine weitere Problematik ist die fortschreitende Digitalisierung der Arbeit. Das Smartphone ist immer und überall dabei, manche Jobs spielen sich sogar fast ausschließlich im Internet ab, wie der von Christina Tropper.
Als Social-Media-Expertin mit eigenem Blog arbeitet sie nahezu rund um die Uhr, Urlaub oder Feierabend gibt es nicht: „Social-Media-Kanäle müssen ständig betreut werden, sonst verliert man Leser und somit Geld.“ Vor allem die Generation der Millennials fühlt sich durch die Digitalisierung stark unter Druck gesetzt, obwohl genau diese auch zur
Flexibilisierung der Arbeitszeit beiträgt. Für die jüngere Generation ist die Work-Life-Balance äußerst relevant, was sich laut Schmoranzer-Jerabek
oft bereits im Bewerbungsgespräch äußert.
Obwohl sich das Podium einig ist, dass das Internet unser Leben auf vielerlei Art und Weise erleichtert, möchte man doch zumindest ab und zu auf Smartphone und Co. verzichten, um auch einmal vom privaten und beruflichen Stress zu entspannen. Sogar bei Caritas-Generalsekretär
Klaus Schwertner ist das Handy beim Radfahren oder Joggen zumindest im Flugmodus.

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