Worauf achten Angreifer, wenn sie ihre Opfer auswählen?

Wie wählen Vergewaltiger und Räuber Frauen aus? Wie könnt ihr euch wehren?

Worauf achten Angreifer, wenn sie ihre Opfer auswählen?

Sind wir ehrlich. Wer von euch hatte schonmal Angst in der Nacht draußen? War allein in den dunklen Straßen unterwegs und hat sich im Kopf die schlimmsten Horrorszenarien ausgemalt? Einige von uns tragen vielleicht Pfefferspray oder ein Handalarmgerät bei sich, das uns zumindest gedanklich einen Funken Sicherheit gibt. Andere gehen nur auf beleuchteten Straßen oder mit Freund*innen nach Hause. Wir alle haben uns vielleicht schon mal gefragt: Wie wählen Menschen, die Frauen etwas Böses möchten, diese aus?

Durch die Augen des Vergewaltigers

Vor einigen Jahren machte eine Liste ihren Weg durch das Internet, die behauptete, aufzuzeigen, wie die Welt durch die Augen eines Vergewaltigers aussieht und wie diese ihre Opfer aussuchen. Darin standen Dinge wie der Fakt, dass diese immer Frauen mit langen Haaren oder Pferdeschwanz angriffen und Frauen mit kurzen Haaren in Ruhe ließen. Bevor jetzt irgendjemand sich auf den Weg zum Frisör macht, muss man sagen, dass es keine Hinweise gibt, dass diese Liste irgendwelche wissenschaftlichen oder journalistischen Hintergründe hat. Nachforschungen haben ergeben, dass sich diese wahrscheinlich jemand ausgedacht hat und die Weiten des Internets dann den Rest erledigt haben.

Gibt es aber Muster, nach denen Vergewaltiger oder Räuber ihre Opfer aussuchen? Wir haben einige Punkte gesammelt, die wissenschaftlichen Hintergrund haben und anscheinend darüber entscheiden, ob Kriminelle einen für ein leichtes Opfer halten oder nicht:

Deine Art, zu gehen

Ja, das klingt seltsam aber laut einer Studie vom Journal of Interpersonal Violencemerken Kriminelle an der Art und Weise wie wir gehen, wie schwach oder sanftmütig wir sind. Diese suchen sich dann bewusst Zielpersonen aus, die nach unten schauen, Augenkontakt vermeiden und wenig selbstbewusst wirken. Je selbstbewusster man auftritt, umso mehr gehen Angreifer davon aus, dass man sich wehren und schreien würde und das veranlasst sie häufig, in eine andere Richtung zu gehen.

Ablenkung

Je weniger du auf deine Umgebung achtest, umso weniger nimmst du Gefahren im Vorhinein wahr. Das merken auch mögliche Angreifer und suche sich bewusst Frauen aus, die am Handy sind, ihre Handtasche durchsuchen, Musik hören oder ähnliches. In einer Studie vom Social Science Journal sagte ein Angreifer, "eine Frau die nicht darauf achtet, was um sie herum geschieht sei leichte Beute."

Widerstand bieten

Angreifer möchten es sich so einfach wie möglich machen und wenig Aufsehen erregen. Wenn sich das Opfer aber wehrt, zurück kämpft und schreit, ergreifen viele die Flucht. Sie suchen sich schließlich bewusst Opfer aus, von denen sie erwarten, dass sich diese nicht wehren werden. Eine Untersuchung, die vom U.S. Department of Justice finanziert wurde, zeigt, dass körperliche und verbale Widerstandstaktiken wie Beißen, Zurückschlagen, Schreien, gewaltsames Fliehen, Zwicken oder andere körperliche Selbstverteidigungsstrategien Angriffe auf Frauen wirksam abwehren. Das gilt allerdings nicht, wenn der Angreifer eine Schusswaffe hat.

Zu sagen, dass Widerstand ein Muss ist, ist jedoch gefährlich und verzerrend, denn viele Frauen, die angegriffen werden, frieren automatisch ein und können sich nicht bewegen. Das ist nicht ihre Schuld, diese Reaktion wird von ihrem Hirn gesteuert. Weder der fight- noch flight-Modus sind möglich.

Jedes Opfer ist eines zu viel! Wenn ihr Gewalt an Frauen wahrnehmt oder von solcher Gewalt betroffen sind, wendet euch an den Polizei-Notruf 133. Auch der 24-Stunden-Frauennotruf (01/71719) der Stadt Wien bietet Betreuung und Hilfe an. Das Landeskriminalamt Wien, Kriminalprävention, bietet zusätzlich Beratungen unter der Hotline 0800/216346 an.

 

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