Woran erkennt man Greenwashing?

DISKUSSIONSSTOFF. Nachhaltigkeit liegt im Trend – doch während einige Marken große Fortschritte in Sachen Umweltschutz machen, nutzen andere den "Green"-Trend nur als Marketingmasche. Obacht!

Valle o Valle

Norah Joskowitz ist Gründerin des nachhaltigen Labels Valle ō Valle und hat von der Faser bis zur Versandbox den Überblick: Die Labelgründerin weiß, was es alles zu beachten gilt, wenn man in der Modewelt wirklich etwas verändern will:

Statt Slogans für bare Münze zu nehmen, ­sollte man Webseiten checken – aber auch hier gilt: Vertrauen Sie auf Zahlen statt auf Worte! Unternehmen, die etwas bewegen wollen, machen messbare Angaben. Ist nur ein kleiner Teil der Ware nachhaltig und wird dieser nach außen hin stark betont? Riecht nach Greenwashing!

Wichtiger Indikator: das Material. Handelt es sich um Mischgewebe, bringt auch die beste darin verarbeitete Biobaumwolle nichts. Mischgewebe kann nicht recycelt werden und wird auf lange Sicht zu Textilmüll – besser ist reines Material. Lyocell, auch Tencel genannt, und Biobaumwolle sind gute Stoffe. Lassen Sie sich nicht von "natürlichen Materialien" beirren: Viskose etwa kann aus Bambus gewonnen werden (natürlicher Ursprung!), braucht aber in ihrer Verarbeitung zur Faser jede Menge umweltschädliche Chemikalien. Davon würde ich immer die Finger lassen.

Eine gute Faustregel ist: Je kleiner und lokaler die Brand, desto besser. Wenn Fast-Fashion-Konzerne mit "grünen Ressourcen" werben, geht es für mich um eine Grundsatzfrage: Kann diese Art von Modemachen überhaupt grün sein? Wenn diese Unternehmen nachhaltige Materialien beziehen, ist das zwar gut, lässt aber Themen wie Arbeitsbedingungen, Verpackungsmüll und Transport außen vor.

Einen Kreislauf zu schaffen, in den das Endprodukt wieder einfließen kann – das wäre bahnbrechend! Unternehmen sollten eher daran arbeiten, statt zu sagen: "Wir benutzen jetzt alle Biobaumwolle!" Bis sich da etwas tut, ist kritisches und eigenverantwortliches Konsumieren das A und O.

 

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