Woran du erkennst, ob er*sie mit dir flirtet

Wo ist der Unterschied zwischen Flirten und Nettsein? Und warum deuten Männer und Frauen Flirtsignale unter­schiedlich? Wir haben Antworten auf die schwierige Frage: Flirten wir eigentlich ­gerade oder unterhalten wir uns nur?

Paar flirtet vor offener Tür

Es sind die kleinen Dinge: hinschauen, lächeln, einen Moment Augenkontakt halten, dann wegschauen und sich eine Haarsträhne hinters Ohr streichen. Beobachten, ob er einen ebenfalls anschaut; lächeln, sich kurz auf die Lippe beißen. Flirten bedeutet für Frauen häufig, viele kleine, subtile Botschaften zu senden. Dabei geht es nicht darum, in die Welt zu schreien: "Hey, du gefällst mir!". Es direkt anzusprechen fühlt sich häufig zu forsch, zu fordernd und aufdringlich an. Wir transportieren dieselbe Botschaft, aber anders. Es ist die Art und Weise, wie wir das Gegenüber anschauen, wie wir die Knie auf dem Barhocker in die Richtung der zweiten Person drehen, wie wir den Kopf beim Lachen zurückwerfen, einen Schluck aus dem Glas nehmen und uns die Haare über die Schulter werfen. Es sind die kleinen Dinge bei uns Frauen, die großes Interesse ausdrücken.

Männer sind häufig viel weniger subtil, was allein schon daran liegt, dass sie eine weniger subtile Gesprächskultur haben. Grund dafür ist, dass Frauen bessere Beobachterinnen sind, weil sie von Natur aus mehr darauf achten müssen, ob ihnen Gefahr droht. Das erkennt man nicht nur beim Flirten, sondern in vielen Situationen.

Nur ein Beispiel: Ein Mann nähert sich einer Frauengruppe; mit nur wenigen Blicken klären die Frauen untereinander die Frage: "Wollen wir das? Hat jemand Interesse an ihm? Wollen wir ihn loswerden?". Manchmal passiert das völlig unbewusst, ohne dass wir Frauen überhaupt da­rüber nachdenken. Männer wenden sich in solchen Situationen meist nicht einander zu. Sie informieren sich nicht über die Gefühlsregungen ihrer Gruppe, sondern fokussieren sich auf die Frau, die vor ihnen steht.

Die größte Angst

Betrachtet man Flirten aus diesem Blickwinkel, ist es wenig verwunderlich, dass Männer die Signale von Frauen häufig falsch (oder gar nicht) deuten. Besonders unangenehm ist es dann, wenn der Mann Nettsein als Flirten deutet, obwohl die Frau diese Botschaft gar nicht transportieren wollte. Doch woran liegt das? Nina Deißler beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Partner­suche. Sie hilft als Coachin, Trainerin und Autorin Männern und Frauen dabei, zueinanderzufinden, und hält Workshops rund um das Thema Flirten. Das Problem ist für sie nicht neu: "Die großen Unterschiede in der Wahrnehmung beginnen bereits damit, dass wir in zwei unterschiedlichen Lebensrealitäten aufwachsen. Die größte Angst, die der Mann beim Flirten hat, ist, dass er abgelehnt wird oder sich blamiert. Die größte Angst, die Frauen haben, ist die vor dem Mann selbst. Deshalb beobachten Frauen häufig viel länger, bevor sie in Aktion treten."

Klares Interesse

Wenn eine Frau nun also offen und nett ist, freut sich ein Mann darüber und nutzt diese Chance, um zu sehen, ob sich daraus vielleicht etwas ergeben könnte. Und das kann man ihm eigentlich nicht verübeln. Es ergibt auch Sinn, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass die größte Angst von Männern ist, abgelehnt zu werden. Diese Gefahr ist damit dramatisch gesunken.

Wie ist es umgekehrt? Was ist dran an dem Gerücht, dass Männer nur nett zu Frauen sind, mit denen sie gerne schlafen würden? Dazu hat Nina Deißler eine spannende Information: "Viele Männer sind auch nett zu Frauen, die sie nicht attraktiv finden. Aber gerade, wenn sich ein Mann länger als zehn Minuten mit einer Frau unterhält, obwohl er nicht müsste, ist der Hintergrund zu 90 Prozent, dass er Interesse an ihr hat. Wenn ich das in meinen Seminaren erwähne, sorgt das immer für Aufruhr, spannenderweise vor allem bei den Männern, denn diese glauben häufig, das sei bei Frauen genauso. Dabei unterhalten sich viele Frauen einfach gerne zum Spaß, als Zeitvertreib, ohne Hintergedanken. Das wissen rund acht von zehn Männern in meinen Workshops nicht und bemerken dann, dass sie das lange Zeit falsch interpretiert haben."

Flirten soll Spaß machen

Beim Onlinedating sind die Absichten aller Beteiligten häufig klarer als im echten Leben. Aber wie hat sich das Flirten dadurch offline, in der ­realen Welt verändert? Nina Deißler weist darauf hin, dass Onlinedating in Bezug auf Flirtkünste Nachteile gebracht hat – denn wir sind aus der Übung und haben verlernt, im echten Leben zu flirten, weil wir das online nicht wirklich müssen. Und wer nicht flirtet, weil er nicht muss, der kann auch nicht flirten, wenn er will. Dabei kann Flirten viel Spaß machen. Die Expertin wünscht sich vor allem von Frauen, dass diese Flirten nicht so ernst nehmen: "Wir Frauen sind oft sehr zurückhaltend beim Flirten, weil wir uns zu viele Gedanken machen und nicht in die Situation kommen möchten, deutlich Nein sagen zu müssen. Doch genau das müssen wir lernen, denn wer klar Nein sagen kann, der kann zu einem Flirt auch mal Ja sagen und schauen, wohin sich dieser entwickelt. Flirten kann eine Einladung zu mehr sein, muss es aber nicht. Manchmal macht es einfach unseren Alltag netter, und dieser Erfahrung sollten wir uns nicht be­rauben."

 

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