Women in Work Index: Österreich stürzt bei Gleichstellung weiter ab

Hallo Gleichstellung, wo bist du? Österreich fällt im "Women in Work Index" auf den 25. Platz zurück.

Frauen verdienen weniger als Männer - und das ganz allgemein, weil sie eben Frauen sind. In der Soziologie heißt das Gender-Pay-Gap oder Gender-Wage-Gap und ist, aller Unkenrufe der PatriarchatsleugnerInnen zum Trotz, traurige Realität. Würde dieser Gender-Wage-Gap geschlossen, könnte das gesamte Einkommen von Frauen in den OECD-Ländern um zwei Billionen US-Dollar steigen. Ja, das sind 2.000 Milliarden und eine Menge Geld. Und es geht noch besser: Eine Verbesserung der Erwerbsbeteiligung von Frauen in der gesamten OECD könnte das weltweite BIP um ganze sechs Billionen US-Dollar steigern. Zu diesen Zahlen kommt der aktuelle "Women in Work Index" der PwC, in dem das Wohlergehen und die Präsenz von Frauen im Arbeitsleben in 33 OECD-Ländern analysiert wird.

Grafik des Woman in Work Index 2019

Der "Woman in Work Index" wird dabei von 5 Indikatoren bestimmt: dem geschlechtsspezifischen Lohngefälle, der Erwerbsbeteiligung von Frauen, der Unterschied zwischen der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern und der Anteil von Arbeitslosigkeit und Vollzeitbeschäftigung unter Frauen.

Island und Schweden führen Index weiter an

Am besten läuft das mit der Gleichstellung der Frau in der Arbeitswelt traditionell und ohne Veränderung in Island (Rang 1) und Schweden (Rang 2). Neuseeland konnte sich zum ersten Mal seit Veröffentlichung des Index im Jahr 2013 in den Top 3 platzieren. Slowenien hat Norwegen auf Platz 5 verdrängt. Im Vergleich zum Vorjahr konnten sich Irland (Rang 17) und die Niederlande (Rang 19) bei den meisten Indikatoren verbessern.

Österreich kann im internationalen Vergleich nicht mithalten

Und Österreich? Das hinkt ziemlich hinterher: Entgegen des Gesamttrends der OECD hat sich die Republik in Sachen Gleichstellung kontinuierlich verschlechtert und ist im Ranking vom ohnehin nicht glorreichen Rang 22 auf den 25. Platz zurückgefallen. Zwar hat sich die Arbeitslosenrate der Frauen reduziert, beim Gender-Wage-Gap gab es allerdings kaum Verbesserungen. "Viele Unternehmen sind sich zwar der kommerziellen Notwendigkeit bewusst, sowohl Diversität als auch Inklusion in ihren Organisationen zu optimieren, aber trotzdem bleibt ein echter und langfristiger Wandel für viele schwer vorstellbar“, so Olivia Stiedl, Leader People and Organisation bei PwC Österreich. Für effektive Veränderung in Organisationen bräuchte es einen Mix aus strategischer Klarheit, Verantwortung, Messbarkeit und Transparenz.

Und hier sind die Organisationen selbst gefragt: „Unternehmen müssen Frauen Hürden aus dem Weg räumen und aktiv Frauenförderung betreiben – im Unternehmen allgemein, aber in Führungspositionen im Besonderen. Vor allem was den Gender-Wage-Gap betrifft gibt es akuten Handlungsbedarf, um ein gleichberechtigtes Arbeitsumfeld zu schaffen. Auch Informationstransparenz und flexible Arbeitszeitmodelle sind Aspekte, die Einfluss auf Präsenz und Wohlergehen von Frauen am Arbeitsplatz haben. Wir müssen uns diesen Herausforderungen in Österreich bewusst werden und sie aktiv angehen, um im internationalen Umfeld aufschließen zu können“, erklärt Christine Catasta, Senior Partner von PwC Österreich, weiter.

China und Indien haben Aufholbedarf und könnten enorm profitieren

Zum ersten Mal untersuchte PwC heuer, welche Auswirkungen die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt in China und Indien hätten. Immerhin lebt mehr als ein Drittel der weltweiten weiblichen Erwerbsbevölkerung den beiden Ländern. Die Ergebnisse liefern erstaunliche Zahlen: In China hätte die Verringerung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles von derzeit 25 Prozent die größte Auswirkung und würde die Einkommen der Frauen um 34 Prozent steigern. Das entspricht zwei Billionen US-Dollar. Und hätte Indien eine gleich hohe Beschäftigungsquote von Frauen wie Schweden, würde das einen BIP-Anstieg von sieben Billionen US-Dollar bewirken - und das entspräche einer Steigerung des indischen BIP um etwa 79 Prozent.

Grafik aus dem Women in Work Indec 2019

"Der Women in Work Index zeigt einmal mehr, dass sowohl auf Unternehmens- als auch auf volkswirtschaftlicher Ebene eine Erhöhung der Beschäftigungsquote von Frauen sowie eine Verringerung des geschlechterspezifischen Lohngefälles mit deutlichen Vorteilen verbunden sind", erkärt Stiedl. Sie sieht die Unternehmen in der Verantwortung: "Unternehmen müssen sich die Frage stellen durch welche Maßnahmen Verbesserungen in der Organisation erreicht werden können. Kann durch eine Verringerung des Lohngefälles ein gleichberechtigtes Arbeitsumfeld geschaffen werden? Wie transparent sind Informationen dazu verfügbar? Gibt es andere Hürden, welche einer stärkeren Beteiligung von Frauen im Unternehmen im Allgemeinen und in Führungspositionen im Besonderen entgegenstehen?"

PwC ist ein Netzwerk von Mitgliedsunternehmen in 158 Ländern.

Aktuell