Wo die Himmelhenn' die Ostereier bringt

Über Österreichs südlichsten Bundesland, Kärnten, gibt es viele Geschichten zu erzählen. Einige davon schreibt WIENERIN-Redakteurin Davinia Stimson hier auf. Folge 1: Ostern und die Himmelhenn'.

Auf 40 Tagen des gestrengen Fastens folgt in Kärnten die Erleuchtung in Form einer herrlich-üppigen Osterjausn. Kindern und nur latent Gläubigen bleibt der Verzicht meist erspart, ein Kärntner Osterfest ist aber auch ohne die Schuld des christlichen Glaubens einfach nur gut. Im Süden Österreichs macht man vieles falsch, aber eines absolut richtig: Ostern.

Zumindest für jene, die tierische Produkte essen. Da türmen sich immerhin am Karsamstag die Fleischberge. Schinken, geräuchert und in dickeren Scheiben aufgelegt, Selchwürste, frisch g’rissener Kren, der dir die Tränen in die Augen treibt. Dazu Osterpinzen, eine sanft-süße Flaumigkeit aus Germteig, die sich mit dem Salzig-Fettigem des Schinkens und der Schärfe des Krens vereinen darf. Besonders Wilde legen Schinken auf Kärntner Reindling und freuen sich über Fleischiges mit Rosinen-Zimt-Aroma. Bis zur Fleischweih muss aber gewartet werden, da steckt die Oma dem raunzenden Kind nicht mal eine schnöde Scheibe Schwarzbrot zu. So heilig simma dann doch.

Erst nach der Völlerei folgt freilich das fröhliche Nesterl-Suchen des stets gerade erst davon gehoppelten Osterhasen.

Der Osterhase ist ja eine harmlose Lüge. Es fehlt ihm das Ätherische des Christkinds, das Gestrenge des Nikolos und schlicht die innewohnende Drohung der Betragensnote. Ob man jetzt besonders brav war oder auch nicht: Der nette Flauscher bringt Schokolade und oft ein frühjahrstaugliches Kindersportgerät.

Die Allianz des Guten: Himmelhenn' und Osterhås

In den Norden Kärntens, in die Gegend des Metnitztales, aber, da kommt der Osterhase nicht hin. Es mag ihm zu weit sein. Nein, hier kommt die Himmelhenne.


Die Himmelhenn' fliegt über die Häuser und bringt en passant die Ostergaben. Ob sie dafür landet oder alles im Fliegen runterwirft, ist nicht restlich geklärt. Auch wie das Eierfärben vonstatten geht, bleibt unbekannt. Vielleicht sind himmlische Hühnerflügel ähnlich geschickt wie flinke Osterhasenpfoten. Wer weiß das schon?

Eine Expertin auf dem Gebiet, meine 7 Jahre alte Cousine Romina, hüllt sich dazu in geheimnisvolles Schweigen (und kichert ein bisschen).

Der Osterhase selbst kommt dank Globalisierung inzwischen auch in manche Häuser im Metnitztal. Romina berichtet von keinerlei Grenzkonflikten oder anderen Konkurrenzkämpfen. Hier ist alles klar: Zum Opa nach St. Salvator fliegt die Himmelhenn', zur Oma nach Klagenfurt kommt der Osterhase. Eh kloa.

wienerin.at-Redakteurin Davinia Stimson schreibt ab sofort in ihrer Kärnten-Kolumne über die schrägen, lustigen und immer ein bisschen ernsten Seiten ihres ehemaligen Heimat-Bundeslandes.

 

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