Wo bleibt die Zeit für Übergangsmode?

Strickjacken, Trenchcoats und Co. verstauben in meinem Kleiderschrank. Gefühlt gibt es nämlich schon lange keine richtige Übergangszeit mehr. Ein Kommentar.

Lederjacke & Trenchcoats sind in der Übergangszeit beliebt.

Der Winter ist vorbei. Fürs Erste hat der Zwiebellook ausgedient. Jetzt kommt (endlich) diese unbestimmte Zeit zwischen Sommer und Winter. Ach, der Frühling. Die Zeit, in der sich weder das Wetter noch wir uns richtig entscheiden können. Mal regnet‘s, mal schneit’s. Plötzlich scheint die Sonne und dann stürmt es. Es ist nicht zu kalt, aber auch nicht übertrieben heiß.

Und ich muss sagen: Ich liebe es! Das bedeutet nämlich Zeit für Übergangsmode und -jacken. Trenchcoats und dünne Mäntel feiern ihr jährliches Comeback. Oder doch nicht? Das Wetter schwingt um. Und auf einmal hat es mehr als 20 Grad. Die Sommerkleider werden aus den Tiefen des Kleiderschanks geholt und die Boots in der hintersten Ecke des Kastens versteckt. Flip-Flops und Plateausandalen sind jetzt dran. Bad News! Schon lange fühlt es sich an, als würde es keine richtige Übergangszeit mehr geben. Das Wetter wechselt zwischen Minusgraden und Hochsommer. And I hate it!

Wer schön sein will

Leder-, Jeans- oder Bomberjacken. Mein Kleiderschrank ist voll davon und anderen Jacken, die zu dünn für den Winter, aber zu dick für den Sommer sind. Auch Trenchcoats und Strickmäntel habe ich in verschiedenen Varianten. Einmal in grau-weiß, ohne Knöpfe und ohne Reisverschluss. Dann ein grüner Samtmantel mit Mantelschnur. Aber auch Lederjacken in unterschiedlichen Modellen hängen seit langem ungetragen in meinem Kasten. Es ist kitschig, aber manchmal fühlt es sich so an, als würden sie mich genau so traurig anstarren, wie ich sie.

Übergangsjacken sind einfach coole Accessoires, die sinnvoll sind. Schwere Winterjacken sind dagegen nur praktisch. Mit Style haben diese in einer leistbaren Preisklasse oft wenig zu tun. Deswegen war die Übergangszeit auch immer mein persönliches, jährlich wiederkehrendes Highlight. Aber wer in Übergangsjacken schön sein will, muss schon seit längerem leiden. Auf die Übergangszeit ist nämlich kein Verlass mehr.

Vorfreude war die schönste Freude

Nicht zu wissen, was man anziehen soll, ist nie toll. Egal, ob man Angst hat als Einzige*r auf dem Geburtstagsbrunch overdressed zu sein. Oder, nicht zu wissen, ob man auf dem Sommerfest im Büro mit offenen Schuhen und Jeanshose aufkreuzen kann und so mehr "casual" als "business" aussehen darf. In der Übergangszeit kann man bei so einem Event einen Blazer anziehen, muss man aber nicht.

Bei gutem Wetter ist es noch einfacher. Man kann in Radlerhosen und kurzem Top Einkaufen gehen. Muss nicht lange überlegen, was man drüber zieht, wenn der Supermarkt in 15 Minuten schließt. Trotzdem! Wo ist die Zeit geblieben, in der wir uns darauf einstellen konnten, dass sich in der U-Bahn bald Schweiß- und Essensgeruch vermischen werden? Wo bleibt die Zeit, in der es passt, zu Tanktops und Hotpants UGG-Boots zu tragen? Über die Liebe zu UGG-Boots lässt sich natürlich streiten! Wo bleibt die Zeit, in der wir uns vom kalten Winter erholen konnten. Und Blumen und die Vorfreude auf den heißen Sommer gleichzeitig wuchsen? Wo bleibt die schöne, unkomplizierte Übergangszeit?

 

Aktuell