Wirkt sich Arbeitsplatzpräsenz tatsächlich auf das Engagement aus?

Seit Ausbruch der Pandemie hat Homeoffice Hochsaison. Viele Arbeitgeber*innen befürchten geringeres Engagement – tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.

Das Ende des  Sesseldrückens?

Corona hat die Arbeitswelt gründlich auf den Kopf gestellt. Was für viele Arbeitgeber*innen bis dahin undenkbar war, wurde über Nacht selbstverständlich: das Homeoffice. Die älteren Generationen, die den Großteil der Chefetagen besetzen, sind noch geprägt von der Nine-to-five-Anwesenheitspflicht – Leistung ist für sie mit langem Sesseldrücken gleichgesetzt, denn da hat man seine Mitarbeiter*innen unter Kontrolle. Im Home­office hingegen ist Vertrauen angesagt. Aber wirkt sich Präsenz am Arbeitsplatz tatsächlich auf das Engagement aus?

Meine persönliche Erfahrung ist, dass Anwesenheit und Leistung wenig miteinander zu tun haben. Niemand kann acht Stunden durchgehend arbeiten. Für mich hat immer die tatsächliche Leistung gezählt: Gerade bei Müttern mit kleinen Kindern war mir eine Homeofficelösung lieber, als auf sie verzichten zu müssen. Und bei den meisten hat das auch gut funktioniert; einige haben sich sogar besonders ins Zeug gelegt, denn bis vor der Pandemie galt Homeoffice immer noch als Goodie. Ich kannte meine Mitarbeiter*innen gut genug, um schon vorher zu wissen, wer im Homeoffice seine Leistung bringen wird und wer nicht. Tatsächlich hat aber bei den Leistungsscheueren auch die Anwesenheit im Büro nicht viel daran geändert, dass sie sich bei der Arbeit eher in nobler Zurückhaltung übten.

Studien belegen mehr Produktivität

Inzwischen liegen dank Corona zahlreiche Studien vor, die meine rein subjektive Erfahrung bestätigen. Die aktuellste stammt vom Unternehmensberater PwC, der 4.000 Führungskräfte in 26 Ländern befragte. Die Ergebnisse zeigen, dass Homeoffice und flexible Arbeitsmodelle meist die Produktivität steigern. So geben 57 Prozent der befragten Führungskräfte an, in den vergangenen zwölf Monaten in ihren Unternehmen eine Verbesserung bei der Mitarbeiterleistung und der Erreichung von Produktivitätszielen wahrgenommen zu haben.

Millennials und die ­Generation Z wollen flexiblere Arbeitszeiten, Work-Life-Balance und mehr Homeoffice. Deshalb sind sie nicht weniger leistungsbereit. Diesen Forderungen werden Unternehmen nachkommen müssen, wenn sie gute Leute wollen. So gesehen ist der coronabedingte radikale Wandel eine große Chance.

 

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