„Wir nehmen die Pille als Zeichen des Widerstands!"

Irland ist bekannt für seine strengen Abtreibungsgesetze. Nun wehren sich Frauen - mit einer "Pillen-Drohne".

„Die Regierung kriminalisiert Frauen für ein Menschenrecht!" Mit diesen Worten protestierte eine junge Irin am vergangenen Dienstag gegen das strenge Abtreibungsgesetz in Irland. Zuvor schwebte eine Drohne mit zwei Packungen Abtreibungspillen in ihre Richtung. Daraufhin schluckte sie eine Pille mit den Worten: „Wir nehmen die Pille als Zeichen des Widerstands."

Abtreibungspillen per Drohne


Sechs NGOs und Bürgerrechtsinitiativen aus Irland und Nordirland protestierten mit dieser Aktion gegen die strengen Abtreibungsgesetze auf der Insel. Per Drohne und über ein ferngesteuertes Boot schickten die AktivistInnen die Pille von Irland aus über die Landesgrenze zur nordirischen Burgruine Narrow Waters Castle. Die Aktion sollte ein „inselweites Signal der Solidarität gegen die Kriminalisierung von Abtreibungen“ an die Regierungen senden, so die AktivistInnen. Eine Gesetzeslücke macht's möglich: weil der Flug durch unkontrollierten Luftraum erfolgt, bedarf es keiner behördlichen Zustimmung. In Irland sind Abtreibungspillen nicht auf legalem Weg erhältlich. Abtreibung ist dort eine Straftat, die mit bis zu 14 Jahren Haft verurteilt werden kann.

Aktivistin schluckt Pille aus Protest

Es ist nicht die erste derartige Protestaktion in dem katholischen Land. „Eure Vagina ist deren Sache!“ Mit diesen Worten rief die Stand-Up-Komikerin Gráinne Maguire letztes Jahr auf Twitter Frauen dazu auf, den Stand ihres Menstruationszyklus an den irischen Premierminister Enda Kenny zu tweeten.

Viele Irinnen fahren zur Abtreibung nach England - wenn sie es sich leisten können


„Restriktive Gesetze halten Frauen nicht davon ab, sich die Abtreibungspillen per Schiff, per Post oder über das Internet – oder jetzt eben per Drohne liefern zu lassen“, sagt Dr. Rebecca Gomperts von „Women on Waves“. Erst im April wurde der Fall einer 21-jährigen Nordirin öffentlich, die eine Abtreibung mit Pillen durchführte, die sie im Internet bestellt hatte. Eine teure Reise ins benachbarte England - wie es viele Frauen machen - konnte sie sich nicht leisten. Im April wurde sie von einem Gericht in Belfast zu einer dreimonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. In der Urteilsbegründung ist zu lesen: die Frau habe ein „Gift“ importiert, mit der Absicht, eine „Fehlgeburt“ auszulösen.

 

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