Wir müssen uns mit russischen LGBTIQ-AktivistInnen solidarisieren!

Eine homophobe russische Organisation hat die Vernichtung von Homosexuellen zum Ziel. Die Aktivistin Jelena Grigorjewa wurde vergangene Woche tot aufgefunden. Der Fall ruft schmerzhaft in Erinnerung: LGBTIQ+ zu sein, kann immer noch lebensgefährlich sein.

Solidarität, Aktivismus, LGBTIQ+, Russland

Es wurde wie ein schlechtes Videospiel beworben: Eine russische Webseite ruft auf, schwule Menschen zu fotografieren, ihre Daten zu veröffentlichen, um sie dann verfolgen und töten zu können. Wer es schafft, jemanden "auszulöschen", dem/der winkt ein Preis. In der Vergangenheit soll die Seite, die eine Todesliste mit Menschen aus der LGBTIQ+ Community beinhaltet haben soll, zahlreiche Male gesperrt worden sein – aber weniger später immer wieder online aufgepoppt sein.
Jelena Grigorjewa setzte sich für die Rechte von Homosexuellen ein und stand auch auf ebendieser Liste. Am 21. Juli wurde sie tot aufgefunden.

Morddrohungen sind in Russland nichts „Lebensbedrohliches“

Aktuell findet man zur Liste der Organisation "Pila" kaum Informationen. Pila heißt so viel wie Säge, die Webseite soll laut The Washington Post den Stil des Horrorfilms "Saw" imitiert haben. Seit vergangener Woche soll die Seite endgültig gesperrt worden sein, nachdem prominente JournalistInnen und AktivistInnen auf der Liste landeten – so auch Jelena Grigorjewa. Die Aktivistin soll vorab mehrere Drohungen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung erhalten haben. Das schreibt Oppositionsaktivist Dinar Idrisow auf Facebook. Mehrmals soll sie die Polizei um Hilfe gebeten haben, das bestätigte auch die zuständige Behörde für Inneres in Sankt Petersburg. Laut dem Amt sei es dabei aber um nichts "Lebensbedrohliches" gegangen, weshalb es "keine spürbaren Reaktionen" der Polizei gab.

"Eine weitere schmerzhafte Episode der Gewalt gegen LGBTQ-Personen"

Am Sonntag vor einer Woche wurde Grigorjewa ermordet aufgefunden – ganz in der Nähe ihres Zuhauses. Ihre Adresse war zuvor auf der Todesliste veröffentlicht worden. Laut The Washington Post war ihr Körper mit acht Stichwunden und Anzeichen, dass sie erwürgt wurde, versehen. Ein mutmaßlicher Täter wurde laut Lokalmedien verhaftet. "Diese Tragödie ist eine weitere schmerzhafte Episode der Gewalt und Gräueltaten gegen LGBTQ-Menschen, die in Russland nach wie vor stattfinden", so Jay Gilliam, Global Director der Human Rights Campaign gegenüber The Washington Post.

Positive Äußerungen über Homosexualität werden in Russland bestraft

In der Vergangenheit beklagten Menschenrechtsorganisationen immer wieder brutale Übergriffe auf LGBTIQ+ Menschen, die in Russland oft folgenlos blieben. Bis 1993 war Homosexualität in Russland verboten, bis 1999 stand gleichgeschlechtliche Liebe auf der Liste der Geisteskrankheiten. Äußert man sich in Russland in Anwesenheit von Kindern positiv über Homosexualität, steht das bis heute unter Strafe. Gegen ebendieses Gesetz gegen "Homo-Propaganda" gibt es internationalen Protest – in der Vergangenheit auch von Jelena Grigorjewa. "Sie wurde ermordet, weil sie keine Angst hatte, die Wahrheit zu sagen – und zwar über Themen, die in Russland gerne verschwiegen werden", sagt Aktivistin Marina Ken zu Associated Press.

Es braucht Druck und Solidarität von außen

"Autoritäten und führende PolitikerInnen haben die Pflicht, Menschen zu schützen, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung angefeindet werden. Staatsoberhäupter müssen diese Gräueltaten öffentlich verurteilen und die Menschenrechte der LGBTQ Community laut nach außen tragen“, stellt Gilliam gegenüber The Washington Post klar.

Auf Social Media solidarisieren sich seit dem Mord an Jelena Grigorjewa immer mehr Menschen mit russischen AktivistInnen. Das Motiv des russischen Künstlers Vlad Yashin, auf dem sein Mund mit der russischen Flagge bedeckt ist und auf seiner Stirn die Worte "Who is next?" geschrieben stehen, wurde zum Symbol für die Solidarität mit russischen AktivistInnen:

"Teilt das mit allen, die ihr kennt. Verlinkt die Accounts von Medien", schreibt er unter das Bild. Laut zu sein, Solidarität zu zeigen sei das Mindeste, was wir tun könnten. "Diese Geschichte darf nicht vertuscht werden. Sonst werden sie weiterhin ungestraft Menschen töten."

 

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