Wir haben uns die letzte Folge von "Der Bachelor" angesehen

Platt, platter, der Bachelor. Wir haben versucht, zu verstehen, warum die RTL-Sendung so beliebt ist.

Nackte Haut, viel Alkohol, platte Sprüche: das ist die Seele von „Der Bachelor“. Das Ziel der Macherinnen: die Kandidatinnen bestmöglich bloßzustellen.

Nun, das ist ja im Trash-TV nichts Neues. Inszenierte Szenen und bewusste Erniedrigungen kennen wir ja auch schon von Germany’s Next Topmodeloder diversen ATV-Sozialpornos. Doch der Erfolg hält sich trotz dieses steigenden Bewusstseins hartnäckig. Deshalb haben wir uns das Staffelfinale von „Der Bachelor“ auf RTL angesehen – um herauszufinden, was genau dieses Format so beliebt macht. Und wir konnten ein paar Gründe finden:

1: Sexismus

Wir dachten uns, ein guter Einstieg in die Sendung wäre die Medienberichterstattung dazu. Die liefert nämlich genau das, was den Bachelor so beliebt macht: jede Menge Sexismus. Auch wenn sich manche Magazine pseudo-kritisch mit der Sendung befassen, läuft die Botschaft meinst darauf hinaus: Ein sexhungriger Bachelor trifft auf dumme Blondinen. Da passt dann auch die erste Schlagzeile, die einer entgegenfliegt, sehr gut: „Schock: So versext ist Daniel!“ Aha. Was uns zum zweiten Thema bringt.

2: Haben sie, werden sie?

So simpel ist es dann oft: Die Frage, ob sie denn nun wirklich Sex miteinander hatten, ist wohl DIE Frage der ganzen Sendung. Man sieht kuschelnde Romantikabende bei Kerzenschein, Whirlpool-Dates und jede Menge schlechter Konversationen. Das perfekte Fernsehen also, um nebenbei alles andere zu machen, ohne irgendetwas zu verpassen. Und am Ende trotzdem mitzukriegen, wer wo mit wem geschlafen hat. Also den einzigen Handlungsstrang.

3: Pseudo-Gefühle

Tatsächlich versucht die Show noch immer, die große Liebe als ultimatives Motiv darzustellen, warum irgendwer daran teilnimmt. Dass das nicht stimmt, wird spätestens im Finale klar, wenn die zwei Frauen, zwischen denen sich der sprücheklopfende Macho entscheiden muss, Schwierigkeiten damit haben, ihm tief in die Augen zu sehen. Es ist fast unangenehm und beschämend, diese gestellt intimen Situationen zu beobachten. Sie wirken wie die pseudo-freundliche Unterhaltung mit jemandem, den man nicht wirklich leiden kann. Für Kandidatin Svenja ist es „ein schwieriger Gedanke“, Bachelor Daniel nicht wiederzusehen. Für uns ist es schwierig bis unmöglich, die Pseudo-Liebesbekundungen (und schmatzenden Küsse) zu ertragen.

4: Die Mama

„Heute kommt meine Mama“, sagt Daniel sentimental in die Kamera. Wenn es nicht so klischeehaft wäre, wäre es fast rührend. Das Fazit: Er sucht eine Frau, die so ist wie seine Mama. Das ist ja mal ganz was Neues. Sein Glück ist nur, dass sie wirklich ziemlich cool ist.

5: Ein bisschen Rassismus und Fremdschämen

„Die ist ein GANZ anderer Typ!“ So stellt Daniel seine später Auserwählte der Mama vor: Kristina. Sie spricht nicht akzentfrei Deutsch, und ist somit ein gefundenes Fressen für den Boulevard. Dass sie keine blonde Deutsche ist, wird einer überall ins Gesicht geschmettert. Peinlich und unnötig, aber trifft wohl ziemlich ins Herz von RTL.

6: Irgendein unsympathischer Typ

Zu guter Letzt darf natürlich der Bachelor selbst nicht fehlen. Zu sympathisch darf er nämlich nicht sein, ein Player, bisschen Macho, einer, den man erst verändern muss, damit er sich mit seiner Traumfrau ein Nest bauen will. Klingt wie aus dem Jahr 1950? Nun ja, das ist kein Wunder. Da helfen auch die dramatisch-traurigen Blicke auf die letzte Rose und das "Ich liebe dich" nicht. We don’t buy it, lieber Bachelor. Aber zumindest etwas kennen wir aus unserem eigenen Leben: Wie es ist, von einem Idioten verlassen zu werden.

7: Die Trennung

Sie gehört zu jeder Bachelor-Staffel wie das Amen zum Gebet: die Trennung. Nachdem die beiden gezwungen werden, sich nach dem letzten Drehtag nicht mehr öffentlich zu zeigen, gehen sie dann meist auch sehr schnell wieder getrennte Wege. Spekulationen über Noch-Zusammen oder Wieder-Getrennt füllen dann auch die Schlagzeilen, so bleibt die Sendung im Gespräch. Und den Zuseherinnen bleibt am Ende nur eins: verschwendete Lebenszeit.

Wir empfehlen stattdessen lieber: die Serie „UnREAL“, die sich – zugegebenermaßen sehr dramatisch, aber spannend – damit befasst, was hinter den Kulissen einer solchen Kuppel-Show im Fernsehen eigentlich so passiert. Und es sind garantiert besser investierte Stunden. Versprochen.

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