Wir haben den schlechtesten Weihnachtsfilm des Jahres gesehen

Wenn das Weihnachtsfest immer näher rückt und der erste Schnee am Boden liegen bleibt, ist endlich Weihnachtsschnulzen-Zeit. Wir haben uns den angeblich schlechtesten Festtags-Film des Jahres gegeben und bleiben ratlos zurück.

Tatsächlich Liebe,Kevin allein zuhaus', Liebe macht keine Ferien - ich kenne sie alle. Es war also Zeit für etwas Neues und als hätte Netflix mein stilles Lechzen nach frischem Weihnachts-Rom-Com-Material erhört, stand Mitte November mit "A Christmas Prince" ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk in meinem Feed - und er schien genau die lustige Romantik-Komödie zu sein, die ich nach einem stressigen Einkaufssamstag brauchte.

Große Erwartungen

Die Hoffnungen waren jedenfalls groß, als ich erwartungsschwanger den "Play"-Button für den ersteneigens-produzierten Netflix-Weihnachtsstreifendrückte. Schließlich hat mich Netflix, was Eigenproduktionen betrifft, in der Vergangenheit noch nie wirklich enttäuscht. (Und jetzt mal unter uns: Bei Weihnachtsfilmen nehmen wir es mit der Qualität und intellektuellem Anspruch wohl alle nicht so genau.)

Auch der Plot klang erstmal "vielversprechend" (oder, zumindest so vielversprechend, wie der Plot einer Rom-Com eben sein kann): Die junge Journalistin Amber Moore geht im Königtum Aldovia (muss hier noch jemand ständig an an Genovien aus Plötzlich Prinzessin denken?) als Tutorin undercover, um für ihre Zeitung eine Aufdecker-Story über den Party-Prinz und Thronfolger Richard zu landen. Wie es das Schicksal so will, verlieben sich die beiden ineinander (was sonst?) und ihre Liebelei scheint perfekt. Natürlich weilt das Glück nicht lange (eh klar), denn Richards Cousin Simon stellt ebenfalls Ansprüche auf den Thron und plant eine Intrige gegen den Königssohn (Drama, ahead). Und dann ist da noch die Ex von Richard, die irgendwie auch was vom königlichen Macht-Kuchen haben will.

Ein trauriges cineastische Häuflein Elend

Mit so einer Vorlage kann man eigentlich nicht viel falsch machen, dachte ich. 90 Minuten später war ich sichtlich ernüchtert und schlauer. Oh, Netflix, man kann anscheinend doch. Denn "A Christmas Prince" ist das traurigste cineastische Häuflein Elend, dass ich seit Langem gesehen habe.

Dialoge, so endlos langweilig, dass man einschlafen könnte (warum reden eigentlich alle in einem britischen Akzent?), ein sehr vorhersehbarer Plot gepaart mit einem sehr unglaubhaften Bühnenbild. Den Todesstoß verleiht der Film aber die grau!en!hafte!! Kitschmusik - die schlimmste, die Netflix wohl im Archiv der schlechtesten Romantik-Komödien finden konnte.

Es scheint fast, als hätte man bei Netflix mit diesem Film eine dramaturgische Antithese, ja eine Parodie auf den Weihnachtsfilm liefern wollen - anders ließen sich mir die letzten 92 Minuten verschwendeter Lebenszeit nicht erklären.

Was auch immer bei Netflix schief gelaufen ist, ich weiß es nicht. Aber zumindest bin ich nicht die einzige, die das so sieht. Schließlich formierte sich nach der Veröffentlichung des Films eine Welle der Empörung und Enttäuschung seitens eingeschweister Weihnachts-Film-Fans, die alle nur eine Frage an Netflix hatten: NETFLIX, WIE KONNTEST DU NUR?

 

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