Wir haben alle schlechten Weihnachtsfilme auf Netflix geschaut, damit ihr es nicht tun müsst

Bis Weihnachten ist es zwar noch bissi hin, mit den kitschigen Weihnachtsfilmen kann es allerdings nie früh genug losgehen! Wir haben das Peinlichste, was Netflix so hergibt, für euch test-gebinged.

Holidate

1. Alles Gute kommt von oben (Operation Christmas Drop)

Kongressassistentin Erica (Kat Graham) wird von ihrer Chefin auf eine tropische Insel im Südpazifik geschickt, um einen Militärstützpunkt der USA auf dessen Effizienz zu prüfen. Das Ganze kurz vor Weihnachten, da der Stützpunkt zu dieser Zeit die (tatsächlich existierende) "Operation Christmas Drop" durchführt und Hilfspakete über den Inseln von Mikronesien abwirft – eine Aktion, die Ericas Chefin als PR-Gag abtut und für nicht notwendig befindet. Während Erica auf Wunsch ihrer Vorgesetzten anfangs noch nach Gründen sucht, den Stützpunkt einzustampfen, muss sie dank des waschbrettbäuchigen, überaus selbstlosen Operationsleiters Captain Andrew (Alexander Ludwig) erkennen, dass die Aktion sowie der Stützpunkt vielleicht doch rettenswert sind.

Nun, was kann "Alles Gute kommt von oben"? Leider ziemlich wenig. Der Plot ist flach, die Charaktere ebenso und das Christmas Feeling kommt auch nicht so richtig auf. Vielmehr wirkt das Ganze wie ein Werbefilm für die US Air Force, der neben feschen Hauptdarsteller*innen und hübscher Strandkulisse nicht viel zu bieten hat. Immerhin: Die Hauptrolle wird von einer Woman of Color gespielt, es gibt Weihnachtslieder auf der Ukulele und das coronabedingte Fernweh lässt sich zumindest ein bisserl stillen.

  • Welches Weihnachtslied ist der Eröffnungssong?'Carol of The Bells' in einer sehr hippen R’n‘B Version von Ne-Yo und Candice.
  • Schlimmster Fremdschäm/Cringe-Moment?Als Captain Andrew Erica zur Island Christmas Party mitnimmt und überredet, ihre besten Dancemoves zu präsentieren. Sie fühlt sich sichtlich unwohl und tanzt so awkward, dass es für alle Beteiligten unangenehm ist (angesichts der Tatsache, dass Schauspielerin Kat Graham tatsächlich besonders gut tanzen kann und in mehreren Tanzfilmen mitgespielt hat, ist es eigentlich ziemlich beeindruckend).
  • Qualität des Grande Finale Romantico (Bewertung des ersten Kusses):Ziemlich unspektakulär und relativ kurz. Positiv hervorzuheben: Erica macht den Move! Daher solide 6/10.
  • Spielt Vanessa Hudgens mit?Nein. 0 von 10 Punkten.
  • Gibt es ein Gespräch zwischen Frauen, das sich nicht um den männlichen Hauptdarsteller dreht?Ja. Erica unterhält sich z.B. mit ihrer Arbeitskollegin über eine mögliche Beförderung.

2. Holidate

Sloane (Emma Roberts) und Jackson (Luke Bracey) sind beide single und hassen es, die Feiertage alleine zu verbringen bzw. noch viel mehr hassen sie es, sich für ihren Single-Status vor der Verwandtschaft rechtfertigen zu müssen. Als die beiden aufeinandertreffen, machen sie einen Deal: Für jeden festlichen Anlass im kommenden Jahr wollen sie das "Holidate" des*der anderen zu sein. Mit gegenseitiger Verachtung für die Feiertage und der Gewissheit, dass sie kein romantisches Interesse am jeweils anderen haben, bilden sie das perfekte Team. Und nach einem Jahr absurder Feierlichkeiten stellen Sloane und Jackson fest, dass sie Feiertage und vor allem einander doch gar nicht sooo scheiße finden. Ihr wisst schon.

  • Welches Weihnachtslied ist der Eröffnungssong?Ein Klassiker: Jingle Bells.
  • Schlimmster Fremdschäm/Cringe-Moment?Können wir zwei Momente draus machen, bitte? Eine Entscheidung ist unmöglich: 1. Der Moment, als Sloane vor Jackson (JA VOR SEINEN AUGEN) Durchfall bekommt. Es ist eine Mischung aus Cringe und Omg-Emma-Roberts-Mausi-komm-lass-dich-drücken-alles-wird-wieder-gut-Mama-Gefühlen. 2. Der Moment, als sich Sloane und Jackson mit ihren jeweiligen Dates bei einer Hochzeitsfeier gegenseitig die Finger abschlecken. Einfach nur eine Frage: W-A-R-U-M?
  • Qualität des Grande Finale Romantico (Bewertung des ersten Kusses):Ganz großes Kino. So richtiges Tamtam mit großer emotionaler Rede vor Publikum. Außerdem feministische Plus-Punkte, weil sie die Rede hält und nicht er.
  • Spielt Vanessa Hudgens mit?Nein. Aber Emma Roberts ist ein nahezu würdiger Ersatz. 8 von 10 Punkten.
  • Gibt es ein Gespräch zwischen Frauen, das sich nicht um den männlichen Hauptdarsteller dreht?Jeeein. Es geht nicht immer um den männlichen Hauptdarsteller, aber immer um Männer und warum Single-Frauen weniger wert seien. Ugh.

3. Christmas Made To Order (Weihnachten nach Wunsch)

Der Architekt Steven (Jonathan Bennett) ist ein absoluter Workaholic, der Liebe hat er abgeschworen, seit ihn seine Ex verletzt hat. Dieses Jahr soll Steven für seine ganze Großfamilie ein Weihnachtsfest ausrichten. Dafür ist er mit seinem 60-Stunden-Job natürlich viel zu busy, weshalb er kurzerhand die Weihnachtsfeier-Koordinatorin Gretchen (Alexa Vega) rekrutiert. Während sie für ihn und seine Familie ein Weihnachtsfest plant, kommen sich Steven und Gretchen sich nicht nur beruflich näher…

  • Welches Weihnachtslied ist der Eröffnungssong? Deck The Halls. Natürlich.
  • Schlimmster Fremdschäm/Cringe-Moment? Jeder Moment, wenn Hauptcharakter Steven mit seinen sieben Kilo Haargel zu sehen ist. Honey, die Hälfte hätt's auch getan.
  • Qualität des Grande Finale Romantico (Bewertung des ersten Kusses): Enttäuschend, unspektakulär und und mit viel zu wenig Zunge und Leidenschaft.
  • Spielt Vanessa Hudgens mit? Nein. *ugly crying*
  • Gibt es ein Gespräch zwischen Frauen, das sich nicht um den männlichen Hauptdarsteller dreht? Ja. Gretchen redet mit ihren Freundinnen über ihr eigenes Business als Weihnachts-Plannerin.

4. The Princess Switch (Prinzessinnentausch)

Die bescheidene Bäckerin Stacy (Vanessa Hudgens) wird von ihrem besten Freund Kevin (Nick Sagar) und seiner Tochter Olivia bei einem Backwettbewerb angemeldet. Einziger Haken: Die Competition findet im fernen Königreich Belgravia über die Weihnachtsfeiertage statt. Da Stacy dem Weihnachtszauber nach einer harten Trennung eh versagt hat, lässt sich überreden und reist mit den beiden ins Ausland. Vor Ort trifft sie Lady Margaret (auch Vanessa Hudgens!), die demnächst den belgravischen Prinzen (Sam Palladio) heiraten soll, aber so garkeinen Bock drauf hat. Kurzerhand entschließen sie sich ihre Rollen zu tauschen – damit Lady Margaret auch endlich das „normale“ Leben erfahren kann. Während des Tauschs verliebt sich Stacy in Prinz Edward und Lady Margaret in Kevin – wie sollte es auch anders sein!

(Psst, Teil zwei kommt noch in diesem Winter auf Netflix!)

  • Welches Weihnachtslied ist der Eröffnungssong? Weihnachtlich-anmutende Stockmusik. Kein Hit! (Dafür gibt’s aber direkt in Minute sieben eine Choreinlage von „Deck the halls“ mit Nussknacker-Suite im Hintergrund. Das zählt doch auch, oder?)
  • Schlimmster Fremdschäm/Cringe-Moment? Das Facebook 2008/ Poster Zitat "Life is what happens to you while you're busy making other plans" von John Lennon wird im Film mehrmals(unironisch!) wiedergegeben. Please stop, wir haben schon beim ersten Mal verstanden, dass das die Moral des Films ist!
  • Qualität des Grande Finale Romantico (Bewertung des ersten Kusses): Najo. Lady Margaret gesteht Kevin ihre wahre Identität und sie küssen sich – aber die Angestellten das royalen Hauses und die kleine Olivia müssen zuschauen. Typisch kitschig, aber weil wir alle ein schweres Jahr hinter uns haben lass ich es unter „cute“ durchgehen.
  • Spielt Vanessa Hudgens mit? Ja. Die Queen of Rom-Coms spielt hier sogar zwei Figuren. 30/10 Punkten.
  • Gibt es ein Gespräch zwischen Frauen, das sich nicht um den männlichen Hauptdarsteller dreht? Nein. Die „empowernden“ Gespräche zwischen Margaret und Stacy drehen sich am Ende doch immer um die Männer in ihrem Leben.

5. Christmas Under Wraps (Ein Weihnachtsgeheimnis)

Ärztin Lauren (Candace Cameron Bure) ist ehrgeizig und hat einen genaue Vorstellung ihres Lebens: Eine Stipendium in Boston antreten (wie einst ihr Vater) und auf einen Heiratsantrag ihres Freundes warten. Als beides in die Binsen geht, ist Lauren planlos und nimmt mangels Alternative eine Stelle in einem Krankenhaus in einem Kaff in Alaska an. Während sie in Pumps durch den Schnee stöckelt, verliebt sie sich und kommt dem Geheimnis des verschrobenen kleinen Ortes auf die Spur - ja was kann das wohl sein, wenn der Chef der größten Fabrik im Ort aussieht wie Santa Claus, immer in Hosenträgern rumrennt und mit Nachnamen "Holliday" heißt?

  • Welches Weihnachtslied ist der Eröffnungssong? Eine Instrumental-Variante von "Joy to the World".
  • Schlimmster Fremdschäm/Cringe-Moment? Als Lauren doch noch ihr Stpendium kriegt (Daddy macht ein paar Anrufe), sich aber trotzdem entscheidet, in Alaska zu bleiben, erklärt sie das ihren Eltern mit den Worten: "Gehe ich nach Boston, werde ich erfolgreich. Aber wenn ich hier bleibe, werde ich glücklich." Criiiiinge! Tatsächlich fühlt sich das Ding wie ein Werbefilm der konservativen republikanischen Partei an - Frauen backen und kochen, Männer sind alte weiße Familienoberhäupter und letztlich geben Frauen immer alles auf, um eine Familie zu gründen.
  • Qualität des Grande Finale Romantico (Bewertung des ersten Kusses): Noch so ein Cringe-Moment. Lauren wird von ihrem Schwarm Andy Holliday (David O'Donnell) zu Mitternacht zu einem Picknick unter den Sternen und Nordlichtern gebeten (wohlgemerkt: Alaska, Dezember, Mitternacht - und die beiden kuscheln unter einer karierten Decke, die Liebe scheint ihre Herzen ausreichend zu wärmen ...). Dort, auf einem Baumstamm sitzend, kommt es dann auch zum ersten Kuss. Passend ins konservative Setting ist der kurz, ohne Zunge, also alles außer leidenschaftlich.
  • Spielt Vanessa Hudgens mit? Nein. 0 von 10 Punkten.
  • Gibt es ein Gespräch zwischen Frauen, das sich nicht um den männlichen Hauptdarsteller dreht? Ja. Ihre Mutter versucht Lauren des öfteren klarzumachen, dass sie aufhören soll, ihr Leben zu planen, vor allem, was den Beruf angeht.

6. Christmas Wedding Planer

Hochzeitsplanerin Kelsey (Jocelyn Hudon) organisiert die Hochzeit ihrer Cousine Emily (Rebecca Dalton), als ein Typ mit kantigem Gesicht auftaucht, alles durcheinanderbringt und sich nicht nur als Emilys Ex, sondern auch als Privatdetektiv Connor McClane (dieser Name schreit nach Private Investigations!, gespielt von Stephen Huszar) entpuppt, der Emilys Verlobten unter die Lupe nimmt.

  • Welches Weihnachtslied ist der Eröffnungssong? "Jingle Bells" in einer sehr getragenen Gitarre-Klavier-Chorstimmen-Version.
  • Schlimmster Fremdschäm/Cringe-Moment? Cringy ist das ganze Werk! Angefangen vom ersten Zusammentreffen der Hauptdarsteller bis zu der Rolle des Connor als Detektiv - da haben "Mord ist ihr Hobby"-Fans mehr detektivisches Fingerspitzengefühl als dieser Typ. Zwischen den Darsteller*innen gibt's kein Knistern und das Hochzeitsfinale am Schluss ist - ohne zu viel zu spoilern - auch mehr "Hä?!" als "Oooh". Unerwartetes Highlight: "Backstreet Boy"-Joey Fatone als Geschäftspartner von Detektiv/Restaurantbesitzer Connor. Bekanntestes Gesicht: "Gossip Girl"-Hero Kelly Rutherford als Kelseys versnobte, aber saucoole Tante.
  • Qualität des Grande Finale Romantico (Bewertung des ersten Kusses): Zum ersten Mal küssen sich die beiden als Ablenkungsmanöver, während sie eigentlich grad auf detektivischer Mission sind. Der richtige, finale Kuss am Schluss findet im Schnee statt und ist solide. Mehr aber auch nicht.
  • Spielt Vanessa Hudgens mit? Nein. 0 von 10 Punkten.
  • Gibt es ein Gespräch zwischen Frauen, das sich nicht um den männlichen Hauptdarsteller dreht? Ja. Aber um einen Mann geht es immer.

7. Broadcasting Christmas

Hey, die zwei kennen wir (vor 1995 Geborenen): "Sabrina" Melissa Joan Hart und "Superman" Dean Cain spielen hier zwei Fernsehreporter*innen, die einst ein Paar waren und jetzt um eine Position in der erfolgreichsten Morningshow der USA wetteifern. Was dabei rauskommt, ist durchaus charmant: Zwei Hauptdarsteller*innen, die sichtlich keine 22 mehr sind, die realistisch über Gefühle sprechen und ein Script, das die Karriere von Frauen mal nicht als größtes Hindernis fürs persönliche Liebesglück hinstellt.

  • Welches Weihnachtslied ist der Eröffnungssong? "Joy to the World" mit Glöckchen und Piano.
  • Schlimmster Fremdschäm/Cringe-Moment? Die grafische Aufbereitung der Fernsehshows - Logos straight out of the 80s. Und die verzweifelten Statist*innen, die im Hintergrund der Morningshow ein enthusiastisches Publikum darstellen sollen.
  • Qualität des Grande Finale Romantico (Bewertung des ersten Kusses): Ein bissl nüchtern. Als hätten die beiden vorab dann doch ein bisschen zu viel über ihre Gefühle geredet ...
  • Spielt Vanessa Hudgens mit? Nein. 0 von 10 Punkten.
  • Gibt es ein Gespräch zwischen Frauen, das sich nicht um den männlichen Hauptdarsteller dreht? Ja!
 

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