Wir essen über 50.000 Plastikpartikel pro Jahr

Eine aktuelle Studie hat die Aufnahme von Plastik erstmals berechnet. Die Auswirkungen, die Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit hat, sind aber bis heute noch nicht genau erforscht.

Mikroplastik

Die erste Studie, die jemals die Aufnahme von Mikroplastik erforscht, zeigt, dass deutlich mehr Plastikpartikel als ursprünglich geschätzt und angenommen in den menschlichen Körper gelangen. Durchschnittlich nehmen Menschen laut den Studienergebnissen mindestens 50.000 Plastikpartikel über das Verdauungssystem zu sich. Weitere 50.000 sollen über die Atmung aufgenommen werden.

Wahrscheinlich ist die Zahl der Plastikpartikel im Körper noch höher

Weil in der Studie nur eine kleine Auswahl an Nahrungsmitteln analysiert wurde, soll die tatsächliche Anzahl der Plastikpartikel, die wir jährlich zu uns nehmen, in der Realität noch deutlich höher als die 50.000 sein. Das Forschungsteam ist sicher, dass das Trinken von Wasser aus Plastikflaschen die Anzahl von Mikroplastik im Körper drastisch erhöht.

Auswirkungen von Mikroplastik noch unerforscht

Die gesundheitlichen Folgen von Mikroplastik im Körper sind bis heute weitestgehend unerforscht. Manche Plastikpartikel seien so klein, dass sie bis ins Gewebe gelangen können, andere können das Immunsystem angreifen. Sicher sei man hingegen in der Tatsache, dass Mikroplastik allgegenwärtig ist: Das Forschungsteam bestätigt, dass überall Plastikpartikel nachgewiesen werden konnten – in der Luft, im Boden, in Flüssen und sogar am Meeresgrund. Demnach konnten die Partikel auch in Leitungswasser gefunden werden. Im Oktober vergangenen Jahres wurde Mikroplastik erstmals in menschlichem Stuhl nachgewiesen, was bedeutet, dass Plastik vom menschlichen Körper aufgenommen und im Verdauungstrakt weiterverarbeitet wird.

Forschungslücken müssen zeitnah geschlossen werden

Für die Studie, die im Environmental Science and Technology Journal veröffentlicht wurde, hat das Forschungsteam die Ergebnisse von 26 vorangegangen Studien, die alle den Plastikgehalt in Lebensmitteln analysiert haben, zusammengetragen. In einem weiteren Schritt wurden die Ergebnisse mit den Ernährungs-Guidelines der USA verglichen, um zu berechnen, wie viele Plastikpartikel ein Mensch durchschnittlich pro Jahr zu sich nimmt. Das Ergebnis: Erwachsene „essen“ etwa 50.000 Partikel pro Jahr, Kinder um die 40.000.

Die Ergebnisse basieren allerdings nur auf einem Querschnitt. Die meisten Nahrungsmittel wurden nicht getestet, die Studie analysiert nur rund 15 Prozent der durchschnittlichen Kalorienannahme. „Es gibt noch immer riesige Forschungslücken, die geschlossen werden müssen“, zitiert der Guardian den Studienleiter Kieran Cox von der University of Victoria in Kanada. Industriell verarbeitete Lebensmittel wie Brot, Fleisch oder Milch kommen in der Studie bis dato etwa kaum vor. Würde man diese auch noch berücksichtigen, könnte die Zahl der aufgenommen Plastikpartikel noch deutlich höher ausfallen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine hohe Anzahl an Plastikpartikeln in industriell verarbeiteten Lebensmitteln ist. Würde man diese noch miteinbeziehen, könnte die Zahl bis zu mehrere Hunderttausend steigen.

von Kieran Cox, Leiter des Forschungsteams

Wasser aus Plastikflaschen ist gesundheitlich deutlich schlimmer als Leitungswasser

Die besten Daten gäbe es laut der Studie zu Wasser. Demnach beinhalte Wasser aus Plastikflaschen 22 Mal mehr Mikroplastik als Leitungswasser. Eine Person, die ein Jahr lange nur Wasser aus Plastikflaschen zu sich nimmt, würde etwa 130.000 Partikel aus Mikroplastik zu sich nehmen – im Gegensatz zu „nur“ rund 4.000 bei Leitungswasser.

Obwohl die gesundheitlichen Folgen noch nicht erforscht sind, ist sich Kieran Cox sicher, dass Mikroplastik hohe Risiken mit sich bringt: „Die Ergebnisse könnten natürlich ein Weckruf für alle sein!“

 

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