Wir brauchen mehr Wonder Women auf dieser Welt

Von „Wonder Woman“ bis „Glow“: Frauen, die kämpfen, erobern unsere Bildschirme. Und das ist gut so.

Dieses Gefühl, aus dem Kinosaal zu gehen, wenn vorher Wonder Woman so richtig die Sau rausgelassen hat. Oder das Lächeln, das mir die Serie Glow, bei der Frauen wrestlen, schwitzen und kämpfen, aufs Gesicht zaubert – es ist längst überfällig gewesen. Und es zeigt: wir brauchen mehr Frauen, die kämpfen. Auf den Bildschirmen und auch im echten Leben.

Gewalt ist keine Lösung, schon klar. Aber für viele Frauen, denen ihr Leben lang eingeredet wurde, sie seien das schwächere Geschlecht, ist es eine Akt der Selbstermächtigung, endlich selbst einmal auch die physische Macht über eine Situation zu haben.

Endlich spucken, schimpfen und brüllen

Und da kommen so viele andere Dinge dazu: sie sind dabei nicht schön, zierlich und lieb – sie zeigen, dass sie wütend, kämpferisch, verschwitzt und laut sind. Mit Gebrüll und Power stürzt sich Gal Gadot in Wonder Woman auf ihre Gegner, und mit einem enormen Selbstbewusstsein zeigen die Frauen bei Glow, dass Frauen im Ring ihre Körper stolz und kraftvoll präsentieren können.

Beim Kampf geht es nicht um Äußerlichkeiten. Es geht um mentale Stärke und darum, den eigenen Körper geschickt einsetzen zu können. Ein Gefühl, das ich aus meinem eigenen Leben kenne: als Kickbox-Anfängerin erlebe ich das Empowerment, das dieser Sport gibt, jede Woche.

Die Unabhängigkeit, die Kampfsport gibt

Ich fühle mich frei und unabhängig, wenn ich boxe. Ich kann mich dabei so richtig auspowern und bin derart konzentriert dabei, dass ich ganz vergesse, wie die Zeit vergeht. Was mir besonders gut gefällt: niemand geht zimperlich mit mir um. Niemand packt mich in Watte und streichelt meinen Kopf. Es gibt keine Extrawürste, keine Kompromisse – jede muss lernen, standzuhalten.

Nicht umsonst fühlen sich viele Frauen, die lernen, ihre Fäuste einzusetzen, auch im Alltag selbstbewusster. Denn sie können sich wehren. Ein Gefühl, das kleinen Jungs bereits im Kindergarten vermittelt wird. Sie nehmen sich bereits dort, und später, den ganzen Raum, machen sich breit, sind laut und kämpferisch. Während Frauen versuchen, leise und unauffällig jedem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Das geht beim Kampfsport nicht.

Kampfsport ist ein Tool für Frauen, sich etwas von der Macht zurückzuholen, die ihnen in dieser Welt genommen wird und wurde. Genau deshalb brauchen wir mehr Wonder Women, die uns zeigen: wir Frauen sind stärker, als wir denken. Oder als uns dauernd eingeredet wird.

In dieser wöchentlichen WIENERIN-Kolumne richten wir den Blick auf Geschichten, die uns im positiven Sinn bewegen.

Über ihre "Schönen Aussichten" schreiben abwechselnd die WIENERIN-Autorinnen und -Autoren Barbara Haas (Chefredakteurin), Ursula Neubauer (stellvertretende Chefredakteurin), Jelena Gučanin (Redakteurin), Ljubiša Buzić (Textchef).

 

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