Wir bauen ein Haus!

Olivia Peter wünscht sich, was sich viele Menschen wünschen. Ein Haus. Einen Rückzugsort. Ihr fehlt dafür, was vielen Menschen fehlt. Das Geld. Doch dann kam die rettende Idee: Selber bauen. Ein Haus. So weit der Plan.

Seit einiger Zeit bin ich Kleingartenbesitzerin. Meine Schwiegermutter in spe hat uns ihren heiß geliebten Kleingarten übergeben. Wer schon einmal versucht hat, in Wien einen zu bekommen, weiß: Es ist die Vorstufe eines Lottosechsers. Jetzt bekommen wir Briefe vom Obmann. Ob wir gutheißen, dass im Kleingarten eine Wildkamera installiert wird? Tun wir. Ob wir dafür sind, dass am Eingangstor eine neue Schlüsselanlage installiert wird? Sind wir. Ob wir die grünen Komposttonnen lieber beim Eingang oder direkt in der Anlage stehen haben wollen? Hmmm. 

Trotzdem: Ich finde das Kleingartenleben lustig. Schön sogar. Obwohl ich immer nur sehr kurz im Kleingarten bin. Mit Baustellen-Besichtigern. Denn das war der Plan: den Garten übernehmen und ein Haus dort errichten. Sobald dieser Plan beschlossen war, habe ich freudestrahlend in die Welt hinausposaunt: "Wir bauen ein Haus!" Ich habe es engen Freundinnen erzählt und nicht so engen. Arbeitskollegen und Kundinnen. Ich habe es auf der Bühne verkündet und im Radio. Familienmitgliedern genauso davon erzählt wie wildfremden Menschen, die ich im Urlaub kennengelernt habe. Kurz: Jeder, der es hören wollte oder auch nicht, hat diesen Satz von mir vernommen. Wenn in der Wohnung irgendwas kaputt ging oder nicht mehr besonders schön anzuschauen war, kam von mir der fröhliche Einwurf: "Ach, das brauchen wir nicht mehr reparieren/richten/streichen. Wir ziehen eh bald um!"
 

REALITÄT. Eineinhalb Jahre ist das jetzt her. Das Haus steht noch immer nicht. Ganz im Gegenteil. Der Garten ist unberührt. Die Gartenhütte thront stolz dort, wo das Haus thronen sollte. Die Rosen knospen friedlich und die Bienen haben ihren Umzug abgeblasen. Manchmal stelle ich mir vor, wie sie abends in ihren Bienenstock fliegen und sich kaputtlachen: "Hahaha! Weißt du noch, wie panisch wir waren, dass hier bald alles niedergerodet wird? Bis die hier endlich ein Haus gebaut haben, wird Biene Maja noch zweimal komplett neu verfilmt!"

Denn was mir vor dem Hausbau nicht klar war: Ich habe noch nie ein Haus gebaut. Will heißen: Wenn du einen ersten Plan vom Architekten hast, heißt das nicht, dass es dein letzter war. Wenn du eine Baufirma gefunden hast, heißt das nicht, dass du mit dieser Firma auch bauen wirst. Wenn der Kredit durchgerechnet ist, heißt das nicht, dass du ihn in dieser Form auch bewilligt bekommst. Kurz: In meinen Kopf ist das Haus schon fertig auf dem Grund gestanden. Doch dann ist mir leider die Realität dazwischengegrätscht. Aber ich glaube fest daran, dass dieses Haus eines Tages auf diesem Grund stehen wird, und bis dahin bitte ich all jene, denen ich jemals von diesem Hausbau erzählt habe, folgende Frage zu vermeiden oder wenigstens keine Antwort darauf zu erwarten: "Na, wie geht's beim Hausbau voran?"

Und jetzt muss ich Wände streichen gehen, den Wasserhahn im Badezimmer reparieren lassen und die Vorhänge in die Reinigung bringen. So schnell ziehen wir nämlich wohl doch nicht um.

olivia.peter@wienerin.at 

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