WIFO Studie: Frauen sind von der Krise stärker betroffen

Ein neuer WIFO Research Brief analysiert die ökonomischen Effekte von Covid-19 und zeigt: Es gibt zwar mehr arbeitslose Männer, aber dennoch trifft Corona die Frauen härter.

Frauen Krise

Beschäftigungseinbußen und einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit wie wir in durch Corona aktuell erleben, gab es zuletzt vor rund 70 Jahren. Der Beschäftigungsrückgang der Frauen ist insgesamt zwar geringer als jener der Männer, betrifft aber vor allem für die Frauenbeschäftigung bedeutende Wirtschaftsbereiche. Das zeigt eine Studie des Wirschaftsforschungsinsituts (WIFO).

Jobverlust trifft vor allem höher qualifizierte Frauen

Auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist unter Frauen geringer, aber: Bei den Frauen betrifft es eher Höherqualifizierte, während bei den Männern Geringqualifizierte stärke betroffen sind. Die Krise am Arbeitsmarkt wirkt sich auf alle Wirtschaftsbereiche negativ aus, es sei allerdings zu beachten: "Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus trafen insbesondere die frauendominierten Dienstleistungsbranchen hart", schreiben die WIFO-Ökonominnen Julia Bock-Schappelwein, Christine Mayrhuber und Ulrike Famira-Mühlberger in dem WIFO Research Brief "Covid-19: Ökonomische Effekte auf Frauen".

Auffallend sei laut WIFO auch, dass sich der Beschäftigungsrückgang bei Frauen auf wenige Branchen – etwa Beherbergung, Gaststätten, Tourismus und persönliche Dienstleistungen – konzentriert. Bei Männern hingegen verteile sich der Jobrückgang auf deutlich mehr Branchen.

Frauen durch Mehrfachbelastung besonders betroffen

Dazu kommt: Die Mehrfachbelastung durch Beruf und Care Arbeit oder einer Beschäftigung in systemrelevanten Wirtschaftsbereichen, trifft Frauen härter als Männer. Die Veränderungen im Zusammenleben durch die Corona-Krise seien zwar noch nicht wirklich quantifizierbar, aber: "Die abrupte Schließung der Betreuungs- und Bildungsinstitutionen ab Mitte März bedeutet für Frauen tendenziell eine Mehrarbeit durch Kinderbetreuung und Heimunterricht", wobei diese Aufgaben schon zuvor ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt waren, so das WIFO.

Selbstständige Frauen besonders betroffen

Langfristig drohe laut WIFO-Studie angesichts der aktuellen Entwicklungen, dass sich die Einkommenslücken noch verstärken – und zwar nicht nur die Lücke selbstständig erwerbstätiger Frauen gegenüber Männern, sondern auch gegenüber den unselbstständig beschäftigten Frauen. Arbeitslosigkeit wirke sich zudem auf Frauen langfristig negativer aus als auf Männer, weil Frauen im Schnitt weniger Erwerbsjahre haben.

Was es für eine Weiterentwicklung der Gleichstellung brauchen würde

Eine zentrale Voraussetzung für die "Weiterentwicklung der Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt" sei laut den Forscherinnen die rasche Öffnung von Kinderbetreuung und Schulen, sowie mittelfristig der Ausbau der Betreuungsinfrastruktur. Öffentlich finanzierte Betreuungs- und Bildungseinrichtungen verbessern für Haushalte im unteren Einkommensdrittel die Wohlfahrt um 26,6 Prozent – das zeige eine bald erscheinende Studie.

 

Aktuell