WIENERIN testet: Hammam

Unsere Redakteurin entfloh den tristen Herbsttagen im orientalischen Dampfbad, und ließ sich waschen. Das ist manchmal ungewohnt, aber eben auch sehr schön.

Schon im April bekam ich von meinen Freundinnen einen gemeinsamen Hammam-Besuch geschenkt, und nachdem die Tage nun kälter werden und der feuchte Nebel endgültig unter die Jacke kriecht, war es Zeit für ein warmes orientalisches Bad. Das Hammam ist eine Weiterentwicklung des griechisch-römischen Bades und ein wichtiger Bestandteil der islamischen Badekultur. Heute kennt man das Hammam hauptsächlich aus dem arabischen und dem iranischen Kulturraum, sowie aus der Türkei. Bei uns ist ein Besuch im Hammam eine ruhige Flucht aus dem Alltag, während die Baderäume im Orient eher sozialer Treffpunkt und Ort zum Tratschen sind. Wohltuend ist ein Besuch aber in jedem Fall.

Wohlig warm in Dunst und Schweiß

Meine Freundin hat den Besuch in Marokko schon einmal getestet, und wollte auch mir den wohltuenden Genuss entspannender Stunden mit anschließender babyweicher Haut nicht vorenthalten. In Wien und Umgebung hat man mehrere Möglichkeiten das Hammam zu besuchen, meine Freundinnen entschieden sich für einen Gutschein im Aux Gazelles. Nachdem wir uns unserer Kleidung entledigten, spülte eine erste Dusche schon mal den Staub des Alltags von unserer Haut. Das war aber auch das letzte, was wir selbstständig machen mussten, denn danach kümmerten sich die Hamamci – unsere „Wäscherinnen“ – um alles. In ein Baumwolltuch gewickelt betraten wir das dunstige Dampfbad, legten uns auf die Marmorplatten und wurden erst einmal mit warmen Wasser aus Schalen übergossen. Und so lagen wir dann da: In einem feuchten Sumpf aus über unseren Körper geflossenem Wasser und mit zunehmender Zeit auch unserem Schweiß. Das fühlt sich überraschend geil und wesentlich besser an, als es jetzt klingt. In den 20 darauffolgenden Minuten sollten sich unsere Poren öffnen und bereit für den ultimativen Durchputz machen, und im besten Fall auch unser Geist zu so etwas wie Stillstand kommen. Uhr hatte ich keine dabei, doch nach zwei Drittel der Zeit wurde es zugegebenermaßen schon etwas lang, die weiteren Aufgüsse waren eine willkommene Abwechslung und regten den Stoffwechsel noch einmal an.

Die Basis

Inkludiert ist der Eintritt, aber keine Behandlung. Olivenseife, Rubbelhandschuh und Körpertuch wird zur Verfügung gestellt.

28,- Euro

Die Standard

Nach 20 Minuten Erwärmung peelt die Hamamci.

42,- Euro

Marrocain

Wassergüsse, Körperpeeling mit Olivenseife, Körperpackung mit Rassoul (marrokanische Erde)

55,- Euro

Pflege

Wassergüsse, Körperpeeling und Körperwaschung mit Seifenschaum

55,- Euro

Rubbel die Haut

Und dann ging es so richtig los: Splitternackig setzten wir uns auf und die Hamamci rubbelten uns mit einem rauen Tuch von oben bis unten ab. Zuerst wurde Gesicht und Nase gepeelt, anschließend Arme, Oberkörper, Beine und Po. Das Tuch war so rau, dass es manchmal sogar leicht gebrannt hat, was ich als gutes Zeichen für den Abgang meiner abgestorbenen Hautzellen deutete. Alles in allem war das Rubbeln aber hauptsächlich eines: super angenehm. Ich nahm mir sofort vor, mich selbst öfters intensiver abzurubbeln, aber mir schwant, dass meine patscherten Handerln einfach nicht dasselbe vollbringen können wie die geübten Hamamci. Ein kalter Überguss schreckte zu guter Letzt noch einmal unsere Haut ab, bevor wir in ein warmes Handtuch gewickelt wurden und noch ein bisschen Zeit zum Ruhen bekamen. Erst nach dem Anziehen gibt es im Salon de Thé die Möglichkeit, noch einen Tee zu sich zu nehmen. Meine Haut? Superweich.

Nicht billig aber schön

42 Euro kostet die Standard-Version der Behandlung im Hammam. Die ist tatsächlich sehr basic, wer mehr will muss sich die „Marocain“ oder „Pflege“-Version um jeweils 55 Euro gönnen, da ist dann entweder ein Körperpeeling mit Olivenseife und eine Körperpackung mit Heilerde (Marrocain), oder eine Waschung mit Seifenschaum dabei (Pflege). Die Räumlichkeiten im Aux Gazelles sind wirklich schön, bis auf den etwas spartanischen Ruheraum. Auf den Tee hätten wir mehr Lust gehabt, wenn man ihn direkt nach der Behandlung, noch im Badetuch eingewickelt einnehmen hätte können. Nach dem Anziehen und Fönen ist die Stimmung ein bisschen vorbei. Das „Sich-waschen-lassen“ kann im ersten Moment ein wenig ungewohnt sein, da man sich selten so von Fremden berühren lässt und wohl als Kind das letzte Mal gewaschen wurde. Wenn man sich aber darauf einlässt, ist es einfach schön. Für triste Wintertage definitiv eine Empfehlung.

 

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