WIENERIN Schreibwettbewerb: Vegan in aller Munde

Veganismus ist nicht nur Ernährungsform und Trendphänomen, sondern eine Lebensphilosophie mit weitgreifenden Konsequenzen. Wo vor einigen Jahren noch sogenannte „Alternative“ mit ernährungstechnischen Extravaganzen auf sich aufmerksam gemacht haben, gibt es nun in allen Reihen überzeugte Veganer. Ein Text von Renate Schnutt.

Die WIENERIN hat zum Schreibwettbewerb ausgerufen und diese Texte haben wir als Antwort bekommen. In den kommenden Tagen stellen wir die besten Artikel online. Wir starten mit Renate Schnutts Entwurf über den Trend zu einem veganen Leben:

Natalie Portmann (Schauspielerin), Joaquin Phoenix (Schauspieler), Chris Martin (Musiker), Mike Tyson (Boxlegende), Patrik Baboumina (stärkster Mann Deutschlands), Attila Hildmann (veganer Starkoch und Fitnessguru): Vegan ist salonfähig. Sogar Routiniers der österreichischen Küche wie Haubenkoch Siegfried Kröpfl haben sich dieser Trendwende in aller Konsequenz unterzogen.

Die vegane Ernährung geht mit völligem Verzicht auf tierische Produkte einher. Das endet nicht am Teller, sie zwingt zu einem generell bewussten Konsum in vielen Bereichen des täglichen Lebens. Der Teufel steckt wie so oft im Detail, wo man doch so gern Lederwaren in Form von Schuhen, Taschen etc trägt. Nicht nur die Garderobe muss gründlich überdacht werden, sondern einiges mehr. Schafwolle, Seide und Daunen sind ebenfalls tierische Produkte und oft Ergebnis der Massentierhaltung auf die ein Vollblutveganer verzichtet.

Veganer waren anfangs eine eigenwillige, kleine Gruppierung, die unter Führung des Lehrersohns Donald Watson 1944 aus der Vegetarian Society (GB) heraus formierte. Bis heute lehnen Mitglieder dieser Vereinigung aus moralisch-ethischen Gründen alles ab, was mit der Nutzung und Ausbeutung von Tieren in Verbindung steht.
„Eine vegane Ernährung ist viel natürlicher und gesünder, ohne hormonelle Belastungen, die durch den Konsum von Fleisch verursacht werden. Seit der Umstellung fühle ich mich wesentlich aktiver und ausgeruhter, der Stress kann mir weit weniger anhaben als früher", ist Siegfried Kröpfl, Haubenkoch und Executive Chef im 57 Restaurant & Lounge im Hotel Meliá, DC Tower Wien, überzeugt.

Die American Dietetic Association spricht sogar klare Empfehlungen hinsichtlich veganer Ernährung aus. Sie ist Grundvoraussetzung für die Therapie vieler schwerer und chronischer Krankheiten, denn es wurde auch erkannt, dass viele gesundheitliche Beschwerden durch nicht vegane Lebensmittel verursacht werden. Grundsätzlich enthält vegane Ernährung:

  • keine Milch und Milchprodukte
  • kein Ei und Eibestandteile
  • keinen Honig
  • kein Fleisch
  • keinen Fisch
  • keine anderen tierischen Produkte wie Gelatine, Kaviar etc.

Inspiriert durch die Abschlussarbeit seiner Tochter Melanie, wandte sich Siegfried Kröpfl intensiv der veganen Ernährung zu. Mittlerweile wird im Hause Kröpfl nur mehr vegan gekocht, obwohl das die berufliche Vita nicht hätte erahnen lassen. Durchwanderte Kröpfl doch klassische Stationen der österreichischen Küche: Hotel Imperial, Tiergarten Schönbrunn ... Gekrönt wurde sein Engagement als Botschafter der Küchenkunst auf Haubenniveau sogar von der Republik für besondere Verdienste.

„Menschen, die sich vegan ernähren, haben - wenn sie abwechslungsreich kochen und essen - keine Mangelerscheinungen. Auch Berufsgruppen, die körperlich belastet sind, wie beispielsweise Sportler, können ihren Körper ausreichend mit Nährstoffen versorgen. Ihnen fehlt es an nichts. Alles was man braucht, ist den Willen sich vielfältiger mit der Ernährung zu befassen." Auch für Siegfried Kröpfl war, wie für viele Veganer, das Tierleid in der Massenproduktion eines der ausschlaggebenden Argumente sich für diese Ernährungsweise zu entscheiden. Laut Kröpfl stellen biologische Lebensmittel, wider Erwarten, keine tragbare Alternative zur veganen Lebensweise dar. Die Kriterien, die zur Beurteilung biologischer Lebensmittel herangezogen werden, sind in Österreich und Deutschland zwar recht streng, artgerechte Tierhaltung sei dadurch aber nicht lückenlos gewährleistet.

Spinnt man den Gedanken weiter, so muss man sich in letzter Instanz eingestehen, dass die Produktion von Milch an sich schon eine unnatürliche Angelegenheit ist. Kühe geben ja eigentlich nur Milch, wenn sie gekalbt haben, nicht aber dauerhaft. An dem Umstand ändert Bio auch nichts. Kühe in der heutigen Agrarwirtschaft sind tatsächlich Hochleistungsmaschinen, die ein Vielfaches dessen an Milch liefern als es normal und natürlich wäre, auch biologische Richtlinien ändern nichts daran, dass letztlich der Profit zählt und die Tiere nach vollbrachter Milchleistung auf der Schlachtbank enden.

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Jeder Österreicher verspeist statistisch gesehen in seinem Leben eine ganze Arche Noah: vier Kühe, vier Schafe, 12 Gänse, 37 Enten, 46 Truthähne, 46 Schweine und 945 Hühner. Hinzu kommen noch Fisch und Meerestiere. Der jährliche Konsum liegt bei 100 Million Tiere, die im Schnitt dreimal pro Woche auf österreichischen Tellern landen. Der Großteil dieses Bedarfes wird durch die Massentierhaltung abgedeckt, die erwiesenermaßen zahlreiche Risiken mit sich bringt (um einige zu nennen: BSE; Epidemien und Seuchen, Antibiotikaresistenzen). Auch Ozonfeind Nummer eins, Methan, wird in der Massentierhaltung haufenweise produziert, Methan ist fünfmal schlimmer in seinem Erscheinungsbild als Treibhausgas als Kohlenstoffdioxide. All diese Tatsachen verderben so manchen den Appetit auf Fleisch.

Kröpfl erweist sich nicht als missionarisch und zielt nicht darauf ab sein Umfeld zu bekehren, dennoch findet er klare Worte. Wenn man danach fragt, muss man eindeutigen Diskussionswillen beweisen und das ist auch gut so, denn bei so vielen genussvollen Alternativen zu Fleisch, kann man eigentlich öfter einen veganen Abstecher in den Speiseplan integrieren.

Alternativen zu Fleisch:

  • Tofu - wird aus Sojabohnen gewonnen
  • Tempeh - wird ebenso aus Sojabohnen gewonnen, die Bohnen werden nicht zerdrückt, sondern durch Zugabe eines Edelpilzes fermentiert
  • Seitan - wird durch Auswaschen der Stärke aus Weizen gewonnen
  • Soja in Form von Bratlingen, Geschnetzeltem
  • Lopino - wird aus der heimischen Süßlupine gewonnen
  • Alternativen zu Milchprodukten
  • Mandel-, Reis-, Hafer-, Kokos-, und Sojamilch oder Schlagcremen
  • Vegane Aufstriche auf Hefeflocken-, Soja- oder Kartoffelflockenbasis
  • Pflanzenmargarine
  • Weitere Milchersatzprodukte
  • Alternativen zu Ei als Backtriebmittel: Backpulver, Leinsamen, Hefe. Viele Teige kommen aber auch ohne Eizusatz aus.

Weiters zu beachten gilt, dass tierische Produkte in vielen Lebensmitteln versteckt sind. Achten Sie daher vor allem bei Halbfertig und Fertigprodukten besonders auf die Zutatenliste. In Backwaren wie Toastbrot und Blätterteig finden Sie oft Butterreinfett, Milchpulver sowie weitere Speisefettsäuren tierischen Ursprungs.

Wie vielfältig, spannend und inspirierend vegane Ernährung sein kann, zeigt Siegfried Kröpfl mit veganen iSi Rezepten und auch in seinem neuen Kochbuch: "Wir kochen vegan - Veganer Genuss für die ganze Familie" (Krenn-Verlag, um € 19,95). Viele Familien kenne die Herausforderung des täglichen Lebens: Ein Teil der Familienmitglieder isst vegan, ein anderer nicht. Melanie und Siegfried Kröpfl haben kreative Ideen für exzellente rein pflanzliche Gerichte gefunden, bei denen selbst FleischesserInnen, die die österreichische Küche gewohnt sind, auf ihre Kosten kommen und keine Abstriche im Genuss machen müssen.

 

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