WIENERIN Schreibwettbewerb: Mein Kind, der Internetstar

„Unsere Kinder sind unsere Zukunft.“ So heißt es zumindest immer, doch sollten wir jetzt bereits darauf achten, ihnen ihre Zukunft nicht heute schon zu verbauen. Zu den zahlreichen Fehlern, die einem als Elternteil so vorgeworfen werden, kommt mit Facebook ein weiterer hinzu. Ein Text von Sonja Möseler.

Nun nutzt die breite Öffentlichkeit das Social Network schon beinahe zehn Jahre und noch immer wissen wir nicht so recht, was wir davon halten sollen. Die einen finden es ganz toll, so viel wie möglich aus ihrem Privatleben mit Freunden aus der ganzen Welt teilen zu können, andere sind im Umgang mit ihrer Privatsphäre eher heikel und zeigen online so wenig wie möglich von sich. Unsere Kinder haben da oft keine allzu große Wahl. So ist es nicht allzu findet man nicht allzu selten zahlreiche Kinderfotos auf den Facebook-Profilen stolzer Eltern. Selbstverständlich möchten sie ihre Freude über die Kleinen mit der Welt teilen, doch sollten sie das wirklich wörtlich nehmen?

Was liegt, das pickt

Sie selbst sollten laut Facebooks Nutzungsbestimmungen gar nicht auf dem Social Network registriert sein. Erst ab einem Alter von 13 Jahren ist dies möglich. Das hängt mit den rechtlichen Rahmenbedingungen aus den USA zusammen, in denen sich der Firmensitz befindet. So verpönt es auch ist, sein Kind Facebook selbst nutzen zu lassen, so sorglos gehen viele Eltern damit um, das Leben ihrer Kinder selbst online zu stellen. Dabei machen sie meist keinen Unterschied zwischen den strahlenden Augen zwischen vielen Geschenken auf der letzten Geburtstagsfeier und peinlichen Fotos, auf denen Wutanfälle ihrer Kleinen zu sehen sind. Ein witziger Kommentar darf dabei natürlich auch nicht fehlen. Ein sarkastisches „Felix, wie wir ihn lieben" kann da schon mal drunter stehen.

Dabei vergessen viele Mamis und Papis, was das A und O des Internets ausmacht: Es vergisst nie etwas. Jedes Foto, jedes Wort, das online gestellt wird, bleibt dort für immer erhalten. Jedoch nicht nur, weil Facebook und Co. ohnehin alles speichern und sogar behalten, wenn der User es schon lange gelöscht hat. Bekannte, Verwandte und im schlimmsten Fall sogar fremde Personen haben ebenso darauf Zugriff, können es auf ihrem Computer, Smartphone oder Tablet abspeichern und an andere weiterleiten. Selbst wenn man sein Profil nicht öffentlich sichtbar macht, kann es also sein, dass der Rest der Welt auch seinen Teil davon abbekommt. Und so auch viele Pädophile.

Egal wie alt sie sind, Kinder haben das Recht an ihren eigenen Bildern. Sie sollten selbst entscheiden dürfen, wo und ob sie veröffentlicht werden dürfen. Sind sie noch zu klein dafür sind, dann sollten die Fotos eben auf der eigenen Festplatte bleiben. Die wenigsten Mädchen und Jungen - sofern sie denn schon antworten können - werden um Erlaubnis gefragt, bevor Eltern Bilder von ihnen hochladen wollen. Und selbst wenn, ist ihnen meist nicht bewusst, was das alles eigentlich bedeutet.

Mama, was ist Datenschutz?

Kinder beschäftigen sich in ihrer Freizeit immer mehr mit dem Internet. Es gibt kaum Haushalte ohne Computer und selbst für Babys gibt es schon Applikationen, die auf dem Bildschirm eines Tablets sehr ansprechend aussehen können. Ständig wechselnde Bilder machen besonders den Allerkleinsten Spaß. So lustig das alles auch sein kann, sollte man Kindern doch auch klar machen, dass Computer und Internet nicht nur zum Vergnügen da sein können. So ist der Computer auch ein Arbeitsgerät und das Internet ein Sprachrohr zur gesamten Außenwelt. Der Pädagoge Peter Jansen meint, man solle die Kinder schon in der Schule auf soziale Netzwerke vorbereiten. Oft fehlt es schon an grundlegenden Dingen, zum Beispiel was man unter Privatsphäre versteht und wie man diese selbst schützen kann. Der richtige Umgang mit Technologien und Medien darf aus dem Unterricht auch schon in der Volksschule nicht mehr ausgeschlossen werden.

Jansen ist auch der Ansicht, dass dieses Thema nicht nur in der Schule erarbeitet werden soll, sondern auch zu Hause Eltern ihren Kindern vorleben und beibringen müssen, wie man sich richtig im Internet verhält. Das Internet und Soziale Medien sollen also keineswegs aus dem Alltag der Kinder verbannt werden. Ein intuitiv richtiger Umgang mit der Thematik ist hier das Ziel. Denn was Mama und Papa so tun, das werden die Kinder verinnerlichen und später nachmachen, egal ob sie das nun wollen oder nicht.

Hilfe, ich bin online!

Wichtig ist es, wie in allen Bereichen des Lebens, ein gutes Mittelmaß zu finden. Eltern sollen einen verantwortungsvollen Umgang mit Facebook vermitteln, indem sie ganz natürlich damit umgehen und den Kindern aufzeigen, welche Inhalte online gestellt werden dürfen und was eher offline, also nur am eigenen Computer, bleiben sollte. Wollen wir unsere Daten schützen, so müssen wir schließlich bei uns selbst anfangen. Ganz hilflos ausgeliefert sind wir den Internetriesen da nicht.
Übungen für Volksschulkinder:

  • Ihr Kind muss in erster Linie begreifen, was Privatsphäre bedeutet. Fragen Sie Ihr Kind, was sein Nachbar über es wissen darf und was nicht. Es soll erkennen, welche Themen ihm unangenehm oder sogar peinlich sind. Nun erklären Sie Ihrem Kind, dass der Nachbar alles erfahren kann, was im Internet steht, als würden Sie die Informationen an Ihre Tür hängen.
  • Setzen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind vor den Computer und geben Sie Ihren Namen bei Google ein (beispielsweise „Sabine Müller"). Suchen Sie anschließend nach Verwandten. Sie werden selbst überrascht sein.


Lediglich eine Regel gilt es, sich zu merken: Was nicht online steht, kann auch nicht missbraucht werden. So einfach ist das im Grunde.

Also ist es immer besser zweimal zu überlegen, ob die Facebookfreunde wirklich zwanzig Fotos vom ersten Schwimmbadbesuch des Kindes sehen müssen. Lassen wir das Kind doch in dreizehn Jahren selbst entscheiden.

Peter Jansen, Soziale Netzwerke und Schule, Schulmagazin 5, 2012
 

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