WIENERIN schaut Game of Thrones: Was von der langen Nacht übrig blieb

Es ist ja so: In der WIENERIN Onlineredaktion sitzen Zwei, die sind ziemlich vertraut mit dem ganzen Firlefanz auf Planetos. Montags sitzen sie jetzt also die nächsten Wochen immer vorm Fernseher - und teilen ihre Gedanken zur achten und letzten Staffel "Game of Thrones" dann hier. Diesmal mit Folge 3: "The Long Night"

+++SPOILER SPOILER HIER IST ALLES VOLLER SPOILER+++

Game of Thrones, Staffel 8, Folge 3: The Long Night

Alles hat ein Ende. Im Fall von Erkältungen, Arbeitstagen oder Donald Trumps Präsidentschaft ist das sogar was Gutes. Mit der Schlacht um Winterfell in „The Long Night“, der dritten Folge der letzten Staffel von "Game of Thrones", ist jetzt auch die schwelende Bedrohung des Weltuntergangs in Westeros und der Herrschaft der Weißen Wanderer vorbei. Gut so, denn auch das war … underwhelming.

Wir drehen die Reihenfolge deshalb um und fangen gleich enttäuscht mit dem Schlechten an. Aber was haben wir auch erwartet? Sinnvolle Handlungsstränge? Konsequenzen für das eigene Handeln? Charakterentwicklung? Schwerwiegende Entscheidungen mit weitreichenden Auswirkungen? Was glaubt ihr eigentlich, was wir hier schauen? Staffel 3?

Die pure, lange Enttäuschung (meeeeh)

Vielleicht ist „The Long Night“ tatsächlich die schlechteste Folge aller bisher veröffentlichten 70 Episoden. Sie hält schlicht nicht, was der Stoff bisher versprochen hat. Die Buchreihe „A Song of Ice and Fire“, auf dem das Serienspektakel beruht, begann in den 1990ern. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird mit den "White Walkers" also eine übermenschliche und mystische Bedrohung aufgebaut. Sie ist kaum zu fassen und deshalb umso packender. Auch, weil wir als LeserInnen und ZuseherInnen wissen, was die Charaktere in Westeros nur schwer begreifen: Die Legende ist real, der Untergang kommt.

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Die Message dabei war immer ganz einfach: Während sich die narzisstische Elite um ihre kleinlichen Probleme kümmert, dabei sowohl das Wohl des Volkes als auch allen Anstand vergisst, braut sich im Norden eine (Klima-)Katastrophe zusammen, die - so ignoriert - den Untergang der Welt bedeutet. Nur durch beherztes Zusammenarbeiten und ein Verschieben der eigenen Prioritäten kann die Apokalypse abgewendet werden. Dazu gibt es noch ein paar Prophezeiungen, damit man beim Warten auf die nächste Folge oder das nächste Buch was zum Philosophieren hat.

Wie keine andere Fantasyreihe zuvor spielt "Game of Thrones" hier mit Grauzonen. Niemand ist nur gut, niemand nur böse, und wenn doch, dann aus Gründen. Jede Handlung, sei es übermäßige Grausamkeit, zehrende Vorsicht oder blindes Vertrauen, hat ihre Konsequenz. Kein Charakter ist „safe“, nur weil er für die Handlung wichtig ist. Und am Ende macht alles irgendwie grausam Sinn.

All das gilt aber in „The Long Night“ nicht mehr. Erschöpfte Kämpfende befinden sich über Stunden in gefühlt aussichtslosen Situationen. Es geschieht ihnen nichts oder zumindest so lange nicht, bis sie von der schließlich durch ein Wunder in Sicherheit gebrachten Drachenkönigin beweint werden können. Mühevolle Charakterentwicklungen, die sich über Episoden, Seiten und eine meterhohe Eismauer geschlungen haben, münden in der wenig unbefriedigenden Erklärung, dass nun halt eben alle da wären, wo sie sein müssten. Also zwei tief traumatisierte Buben mit PTSD, einer im Rollstuhl, der andere ohne Pfeile, umzingelt vom Tod im Godswood von Winterfell, die den Oberzampano lang genug ablenken (Womit eigentlich?), damit die psychisch ebenfalls schwer geschädigte Schwester aus dem Hinterhalt die Welt retten kann. Darstellerin Maisie Williams fand das übrigens auch ein bisschen weit hergeholt.

WÄRE DAS ALLES NICHT EINFACHER GEGANGEN? Wo zur Hölle sind die Wölfe? Was ist mit Azor Ahai? Warum muss man für so eine fade Lösung wargen können oder gar seine Menschlichkeit aufgeben? What do we say to the God of befriedigender Handlungsbogen? NOT TODAY!

Und WTF soll das überhaupt bedeuten?

Spannen wir den Bogen nun ein bisschen weiter. Wenn es das jetzt tatsächlich war und die Bedrohung durch die White Walkers beendet ist, würde das bedeuten, dass Cersei in ihrer Ignoranz tatsächlich profitiert hat. Ihr Egoismus, ihre Kurzsichtigkeit, ihre Weigerung an mehr als nur ihre eigene Haut zu denken (und das nicht mal wahnsinnig elaboriert), haben nicht nur keine Konsequenzen, nein! - Cersei profitiert auch noch von ihrer selbstgefälligen Entscheidung. Was soll das für eine Botschaft sein? Dass die Ehrenvollen am Ende immer die Blöden sind? Dass Zusammenhalt sich nicht lohnt und am Ende eine größenwahnsinnige Egoistin und ein dumpfer Lurch, der ständig "Penis" und "F*cken" sagt, die klügsten Spieler am Feld sind? Wie realistisch ist das? Oh.

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Ein bisschen gute Gänsehaut für "Game of Thrones"-Fans

Es ist jetzt natürlich nicht alles schlecht. Die taktisch fragwürdige Entscheidung, eine Herde johlender Dothraki mit brennenden Arakhs in die stockfinstere Nacht reiten zu lassen, hat sich zumindest optisch wirklich ausgezahlt. Existenzielle Angst, als die Lichter eins nach dem anderen ausgehen. So geht großes Kino. Blöd nur, dass der epischen Schlacht ob der Dunkelheit sonst kaum eine/r folgen konnte.

Die Geschichte der „starken Frauen“, die Game of Thrones schreibt, hat die Zwischenprüfung trotzdem bestanden. Die Handlungsstränge der Frauen sind genauso unlogisch konstruiert, wie jene der Männer und führen gleichermaßen zur übertriebener Überlegenheit. Westeros ist sowieso eine Welt, in der Frauen mehrdimensional sein und auch typisch männlich konnotierte Eigenschaften haben dürfen. Das ist so erfrischend wie der Hauch von Arya Starks schierer Großartigkeit, der nur eine einzelne Strähne im Haar eines Weißen Wanderers sanft bewegt, bevor sie in schönster Faceless-Men-Water-Dancer-Manier dem Night King das Messer ins eiskalte Herz rammt und die Welt rettet.

Auch Lyanna Mormont, das feministische Meme Westeros', darf ihre innere Éowyn channeln und einem untoten Riesen das Hirn inklusive Auge aufspießen. Weil das hier Westeros und nicht Mittelerde ist, stirbt sie trotzdem aber hey: Beware of the Girls. Misogyne Fanbois flennen derweil ob so vieler kämpfender Frauen wieder mal ein bisschen rum, aber wir sagen es nicht zum letzten Mal: Es ist gut, wenn Frauen und Mädchen in der Popkultur mehr sind, als Ergänzungen zur männlichen Hauptfigur. Je mehr es von ihnen gibt, je vielschichtiger sie sind, desto besser.

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Das Bonus-LOL

Der Night King ist ja sowas wie das Epitom des Resting Bitch Faces. Der gute Junge fällt völlig emotionslos während eines epischen Drachenkampfes von seinem Reittier in die Tiefe und glotzt dabei unbeeindruckt in die Kamera. Man wartet eigentlich nur noch auf sein amüsiertes Voice Over: „Ihr fragt euch vielleicht, warum ich gerade wie ein gefrorener Klotz auf die Erde zurase, nachdem ich vom Rücken eines Eisdrachen gefallen bin. Tja. Das ist eine spannende Geschichte! Fangen wir an.“

Dabei sollte es jetzt besser aufhören.

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