WIENERIN schaut Game of Thrones: Keine guten, nur noch schlechte Zeiten in Westeros

Es ist ja so: In der WIENERIN Onlineredaktion sitzen Zwei, die sind ziemlich vertraut mit dem ganzen Firlefanz auf Planetos. Montags sitzen sie jetzt also die nächsten Wochen immer vorm Fernseher - und teilen ihre Gedanken zur achten und letzten Staffel "Game of Thrones" dann hier. Diesmal mit Folge 4: "The Last of the Starks"

+++SPOILER SPOILER HIER IST ALLES VOLLER SPOILER+++

Die vierte Episode der achten Staffel "Game of Thrones"

Große Erwartungen sind eine schlechte Sache. Die Realität kann mit der Fantasie nur selten mithalten. Richtig weh tut es aber erst, wenn man keine Erwartungen mehr hat und die trotzdem noch unterboten werden. Nie hätten wir gedacht, dass eine Episode aus Westeros so schlecht sein kann wie die vierte Folge der achten Staffel "Game of Thrones". Wir bleiben also bei unserer neuen Reihenfolge und fangen mit dem Schlechten an. Diesmal ist es halt so, dass nicht viel Gutes nachkommt. Sorry.

Wie schlecht kann man Frauen schreiben?

They broke you in ROUGH“, sagt ein alter Mann zu einer jungen Frau, die mehrfach Opfer sexueller Gewalt wurde. Und die grinst darauf überlegen und antwortet, dass sie ohne diese Erfahrungen nicht die coole Frau wäre, die sie heute ist. Vergewaltigungen als wertvolle Charakterenwicklung ist etwas, das nur präpotenten weißen Dudes im Patriarchat einfallen kann. Die Szene zwischen Sandor Clegane und Sansa Stark in den Hallen von Winterfell ist kurz, für eine nachhaltige Verhöhnung sexueller Gewalttaten reicht es aber bei Weitem.

Dabei war gerade Sansas Geschichte nie die eines „klassischen Opfers“, sie widerstand allen Versuchen, klein gemacht zu werden. Wie schon Jessica Chastain auf Twitter betonte: Sansa, und nur Sansa allein, hat sich zu einer klugen Anführerin entwickelt. Sie hat das geschafft, nicht die Männer, die sie missbraucht und verraten haben.

Generell hat „The Last of the Starks“ den weiblichen Charakteren keinen großen Gefallen getan. Wo am Anfang (und in den Büchern!) nuancenreiche Charaktertiefe mit Ängsten und Zweifeln, mit Hoffnungen und inneren Kämpfen stand, bleibt am Ende nur noch eine „Stärke“ über, die Gefühlskälte, Empathielosigkeit und ab und an ein frecher Spruch ist. Für Zwischentöne ist kein Platz mehr, wohl aber für misogyne Stereotype: Sansa hat sich durch die sexuelle Gewalt in ihrer Vergangenheit zu einer eiskalten, „starken Frau“ entwickelt. Daenerys hat ihre Vergangenheit genau so stark gemacht, weil sie aber in einer Beziehung ist, darf sie das nicht sein. Dany ist „zu stark für Jon Snow“, ein Ehemann könnte sie niemals kontrollieren. Außerdem ist sie plötzlich psychisch instabil, wo sie als Mann vermutlich nur „willensstark“ wäre. Daenerys muss weg, beschließen ihre beiden Berater mit leidvoller Miene im größten Raum von Dragonstone. (Das ist nebenbei der beste Ort um Verrat zu beschließen.)

Eine andere Art der Stärke hatte nur noch Ser Brienne von Tarth. Sie fürchtet weder ihre eigene Identität noch ihre Emotionen. Nach ein paar miesen Witzen über ihre Jungfräulichkeit schläft sie schlussendlich mit einem Mann, der ihr gefühlt zwei Minuten später hinterhältig das Herz bricht und sie heulend und im Schlamm kniend zurück lässt. Brienne ist am Ende auch nur eine Frau und ihre Emotionen sind Schwäche. Ganz, wie es das Stereotyp-Gesetz will. Die Serienmacher David Benioff und D.B. Weiss verbrennen das letzte bisserl Feminismus ihres Universums in einem misogynen Feuerwerk und lassen lieber zwei Männer darüber scherzen, ob ein Penis nun eher eine Qualifikation oder doch ein Vorteil ist.

Ein paar Drehbuchautorinnen hätten der Serie ganz gut getan.

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Wie schlecht kann man People of Color schreiben?

Nachdem man letzte Woche in einer großen militärischen Fehlentscheidung fast die ganze PoC-Armee in den Tod geschickt hat (und damit gefährlich unkommentiert eine Parallele zur jüngeren Kriegsgeschichte gezogen hat), geht das Töten der wenigen People of Color diese Woche munter weiter.

Missandei, eine Schwarze Frau, die sich dank ihres eigenen Scharfsinns aus der Sklaverei befreien konnte und ihr Leben seitdem ihrer neuen Königin und der Bekämpfung der Sklaverei gewidmet hat, stirbt in Ketten und als Demonstration der Macht einer weißen Monarchin. Gleichzeitig liefert ihr Tod der (ebenfalls weißen) Drachenkönigin die Ausrede dafür, wirklich zur „Mad Queen“ zu werden. Missandeis Liebhaber Grey Worm ist derweil der letzte verbleibende Charakter mit Namen, Hintergrundgeschichte und Relevanz für die letzten Folgen, der nicht weiß ist. Rassistische Symbolik wohin das Auge reicht.

Ein paar DrehbuchautorInnen of Color hätten der Serie ganz gut getan.

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Wie schlecht kann man sich auf Planetos auskennen?

Euron Greyjoy ist ein Verbrechen. Aus dem mysteriösen dunklen Magier mit Gottkomplex und tatsächlich niederträchtiger Seele wurde die Karikatur eines gemeinen Jack Sparrows, der ständig „PENIS!“ brüllt. Dazu kann er halt auch alles, besonders überdimensionale Armbrüste von einem Schiff abschießen.

Selbst wenn man keine Zeit und Lust hat eine gescheite Geschichte zu erzählen, ist das unsinnig. Und es stimmt noch nicht mal mit den Regeln des Universums von „Game of Thrones“ überein. Achtung, jetzt kommt qualifizierter Nerd-Talk: Drachenschuppen sind quasi undurchdringlich. Es ist verdammt schwer, einen Drachen umzubringen. In der Geschichte von Westeros ist das Menschen auch nur selten gelungen. Einmal tatsächlich mit einem Speer - der ging genau durch das Auge von Rhaenys Targaryens Drachen Meraxes. Das ist so ziemlich die einzige Stelle, an der man einen ausgewachsenen Drachen mit einer Spießwaffe töten kann. Euron kann mit seiner blöden Armbrust, die er von einem sich bewegenden Schiff geschossen hat, also einfach brausen gehen. Wenn das hier alles irgendwie Sinn machen würde, versteht sich.

Das Unverständnis über die Welt zeigt auch das farblose Ende von Bronns Storyline. Bei der großen Frage „What doubles Riverrun“, die die Kompensation für zahlreiche Dienste lösen sollte, verzichtete man deshalb auf den großartigen „THE TWINS!“-Joke als Antwort. Unverzeihlich! Und echt jetzt: Mit den Zwillingsburgen der Freys und dem Titel „Lord of the Crossing“ hätte Bronn ausgesorgt. Die Twins sind lukrativ und bedeuten nicht gleich die Herrschaft über ein ganzes Bundesland für einen Söldner, ein Lord Bronn lässt sich also auch leichter durchsetzen und passt viel besser zum Charakter des „sympathischen Schlitzohrs“. Das wussten alle Anwesenden an diesem Verhandlungstisch im Norden. Nur die Serienmacher Benioff und Weiss, die wussten es nicht.

Ein paar DrehbuchautorInnen of Color, die sich tatsächlich mit der Welt von „A Song of Ice and Fire auskennen“, hätten der Serie ganz gut getan.

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Worüber wir dann doch lachen mussten

Bran zwingt Jon Snow nonchalant sein Geheimnis preiszugeben und ist dabei wie wir alle als höhnische Teenager. Sansa verspricht Stillschweigen, geht einmal um die Ecke und plaudert alles aus. Ach! Sie sind halt doch noch Kinder!

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War jetzt eigentlich irgendwas gut an „The Last of the Starks“?

Die Bewertungen auf den Filmplattformen IMDb und Rotten Tomatoes für „The Last of the Starks“ sind die schlechtesten der ganzen Serie. Das Internet, ZuseherInnen und KritikerInnen hassen die Folge. Wenigstens der gute Geschmack funktioniert noch so halbwegs.

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