WIENERIN schaut Game of Thrones: Der Breakfast-Club von Westeros

Es ist ja so: In der WIENERIN Onlineredaktion sitzen Zwei, die sind ziemlich vertraut mit dem ganzen Firlefanz auf Planetos. Montags sitzen sie jetzt also die nächsten Wochen immer vorm Fernseher - und teilen ihre Gedanken zur letzten Staffel Game of Thrones dann hier. Diesmal mit Folge 2: "A Knight of the Seven Kingdoms"

67 Folgen in sieben Staffeln voller Gewalt und Machtkämpfe, mit Sex und Drachen, mit Misogynie und Empowerment, liegen hinter uns. Es war nicht immer leicht, aber wir haben bis hier hin durchgehalten. Und auch die zweite Folge "Ein Ritter der Sieben Königslande", der achten Staffel Game of Thrones für dich geschaut. Was du wissen musst:

Das YAY (oder die Liebe)

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Vier Worte: Brienne von fucking Tarth. Nach all den Jahren voller Unterdrückungen, Beleidigungen und Belästigungen kann unsere liebste Ser nichts mehr aus der Ruhe bringen, auch kein aufdringlicher Wildling. Tormund ist nämlich der creepy Typ aus der Bar, der dich einfach nicht in Ruhe lässt. Er mag dein größter Fan sein und die patriarchalen Zwänge hassen, die dein Leben einschränken („FUCK TRADITION“, wie Tormund sagen würde), aber von Grenzen und Respekt hat der Mann keine Ahnung. Lies die Zeichen, Giantsbane! Frauen, die bei deinem Anblick die Augen angewidert verdrehen, haben eher kein Interesse an dir. Da hilft auch kein in fermentierter Ziegenmilch getränkter Bart.

Wie es richtig geht, zeigt unser boi Podrick. Er ist intersektionaler Feminist der ersten Stunde. Gender und gesellschaftlich akzeptierte Körperideale sind ihm herzlich wurscht. Wer ihn gut behandelt, bekommt Loyalität und mindestens einmal das Leben gerettet. So hat es Pod im Verlauf der letzten Staffeln irgendwie geschafft, sexy zu werden. Und das ganz abseits von angedeuteter sexueller Wunderkraft (die wahrscheinlich einfach nur Aufmerksamkeit und Uneigennützigkeit war). Ach, Pod, du bist ein Vorbild für all diese anderen Männer!

Das sehen die eh auch so und haben es im neu gegründeten Feminist Bois Breakfast Club ganz schön hyggelig. Bei mindestens einem gepflegten alkoholischen Getränk und ein paar verdrückten Tränen über das ehrhafte Leben und den gemeinsamen Tod setzen sich die Männer dann auch noch tatsächlich über antiquitierte Geschlechterrollen hinweg: Jaime ernennt Brienne zu einer echten Ritter (...in?). Das ist verdient und auch praktisch. Die Gute soll schließlich ehrenhaft sterben. Plötzlich erscheinen überall Regenbögen und Blumen: Brienne, unsere Queen der Herzen, lacht das erste Mal in der ganzen Serie herzlich und offen. Jöö. Da schmelzen die White Walker hinweg!

Das Meeeeh (oder *augenrollen*)

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Daenerys ist die schlimmste Sorte der Karrierefeministin. Ihre Bonding-Versuche gehen über „Oh, wir sind beide erfolgreiche Frauen“ und „Hihi, dein Halbbruder, der mein Lover ist, ist schon ziemlich klein, LOL!“ nicht hinaus. Sansa lässt sich von so einem Scheiß nicht beeindrucken, sie hat tatsächliche Dinge zu tun. Das Geschlecht der Person, die sie und ihre Leute in Zukunft unterdrücken will, ist ihr dabei herzlich egal. Als Queen of Sass zerstört sie Danys klägliche Solidaritätsbemühungen mit nur einem Satz. Da friert der herrschsüchtigen Drachenkönigin glatt das künstliche Lächeln im Gesicht ein (und liefert das beste Meme zur Folge).

Übrigens: Die Krypten sind extrem sicher. Jeder Charakter, der das in der letzten Episode scheinbar beiläufig erwähnt hat, wie sicher die sicheren Gruften sind, hat 200 Drachenmünzen und einen feuchten Händedruck vom Nachtkönig persönlich bekommen. Also nochmal: DiE KrYpTeN siNd SiChEr! Es gibt keinen sichereren Ort, als die sicheren Krypten voller toter Starks, um sich vor einem Kerl, der Tote zum Leben erwecken kann, zu verstecken. Danke für die sanfte Implikation, liebe DrehbuchautorInnen.

Das WTF (oder: ???)

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"We're probably going to die soon...I wanna know what it's like." Mit leidenschaftslosen Worten leitet Arya ihr erstes Mal ein, während die anderen Charaktere in herzergreifende Familienszenen festhängen. Game of Thrones wäre nicht Game of Thrones ohne eine Prise seltsamer Sexszene, diesmal wirkt es aber besonders kontext- und lieblos.

Für GoT-Verhältnisse war es dennoch irgendwie gut: Aryas erster Sex war selbstbestimmt, einvernehmlich und mit einer Person, der sie vertraut. Besonderen Spaß hatte sie im Angesicht des beinahe sicheren Todes trotzdem nicht. Investigative Genies im Internet sehen in Aryas unbeeindrucktem Gesicht einen endgültigen Beweis für ihre Homosexualität. Wer nach dem Sex so drein schaut, kann nur erkannt haben, dass heterosexueller Sex nichts für sie ist.

Besonders ignorant zeigen sich indes die Heerscharen an Männern (what else?), die online gerade über Aryas Sexszene jammern. Weil das ja so wäre, als würde man der eigenen kleinen Schwester beim Geschlechtsverkehr zuschauen. So sprechen sie Frauen einen eigenständigen Sexualtrieb ab und unterscheiden in schönster, paternalistischer Manier "fremde" Frauen (die Schlampen sind) und "eigene" Frauen, die gefälligst jungfräulich und unbefleckt zu sein haben. Sollen sie doch die White Walkers holen!

Bonus-LOL oder: Worüber wir unerwartet gelacht haben

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Die Lannister-Männer trinken in trauter Zweisamkeit darauf, dass das Leben hart ist, wenn man das Richtige tut. Sie trauern ein bisschen alten Zeiten nach und streicheln gegenseitig ihre nunmehr ehrenhaften Egos. Es gibt neben all der gewonnenen Ehre auch allen Grund zur Traurigkeit, denn mit der Solidarität zur Narzisstenfamilie Nummer 1 schwindet bei Beiden der goldene Glanz im Haar. In der Welt von Westeros sind ehrenhafte Männer nämlich nicht blond, auch wenn das ästhetisch durchaus schade ist.

 

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