WIENERIN liest: Bücher-Neuheiten im Herbst

Draußen wird's immer schircher und finsterer - perfekt, um es sich auf der Couch mit einem guten Buch gemütlich zu machen. Wir verraten euch, welche Bücher die WIENERIN-Redaktion momentan verschlingt.

Frau liest auf dem Sofa
starkes weiches herz

Starkes, weiches Herz von Madeleine Alizadeh/Dariadaria.

Madeleine Alizadeh, im Internet als dariadaria bekannt, beschäftigt sich mit all den kleinen großen Fragen: Ist mein Leben erfüllt? Was ist mir wichtig und wie stehe ich dafür ein? Wie kann ich in einer Welt, die von Krisen beherrscht wird, optimistisch bleiben?“ So wird das Buch angeteasert – und tatsächlich kann es ganz nett sein, sich an einem verregneten Nachmittag das Buch zu Gemüte zu führen und sich von Dariadarias Gedanken berieseln zu lassen. Am Ende bleibt das Buch aber doch eher bei den kleinen statt großen Fragen, bei Individualisierung statt strukturellen Lösungsansätzen.

Erschienen im Ullstein Leben Verlag, um ca. 28,50 Euro.

Sibylle Berg

GRM - Brainfuck von Sibylle Berg.

Sybille Bergs Roman zeichnet ein dystopisches Bild der Zukunft: Die Protagonist*innen, vier Kinder, leben im britischen Rochdale, wo neoliberale Politik den Sozialstaat endgültig zerschlagen hat. Ihre Eltern sind arbeitslos, sie wohnen in Baracken, das Essen kommt aus gespendeten Konserven. Als sie aus Hoffnungslosigkeit nach London aufbrechen, scheint dort das Versprechen auf ein besseres Leben zu warten: Wer sich einen Chip einpflanzen lässt, erhält ein Grundeinkommen. Elektronischer Überwachungsstaat, autoritäre Politik und exzessive Privatisierung – Berg greift aktuelle Tendenzen sprachgewaltig auf und verlängert sie ins Extreme. Nach 640 Seiten bleibt man als Leserin mit einer gespenstischen Frage zurück: Ist das wirklich Sciene Fiction – oder schon die Gegenwart?

Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, um ca. 25,70 Euro.

Why I'm no longer talking to white people about race

Why I’m No Longer Talking To White People About Race von Reni Eddo-Lodge.

Alles begann 2014 mit einem Blogpost der britischen Journalistin Reni Eddo-Lodge. “Why I’m No Longer Talking To White People About Race”, so die einleitenden Worte. Darin schrieb sie von weißer Ignoranz, emotionaler Erklärarbeit und dem Ende ihres Geduldsfadens, wenn sie immer wieder bei Null anfangen muss, weil weiße Leute von Rassismus nichts gewusst haben wollen. Der Blogeintrag ging viral und entfachte eine Debatte, die sich in zahlreichen Gesprächen der Autorin mit weißen Leuten über Rassismus fortsetzte. Mittlerweile ist ein Beststeller daraus entstanden. Fazit: Gefühl des Verstanden-Werdens für die einen, Aha-Momente für die anderen - lesenswert für alle.

Erschienen bei Bloomsbury Circus, um ca. 9,99 Euro.

Wir treffen uns in der Mitte der Welt von Menerva Hammad.

Wer Menervas Kolumne "Servus Alaykam" auf WIENERIN.at regelmäßig verfolgt, weiß: Die Frau nimmt sich kein Blatt vor den Mund - vor allem nicht, wenn es was zu lachen gibt. Und sie ist eine leidenschaftliche Erzählerin! In ihrem ersten Buch begleitet Menerva persönliche Geschichten von Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können. Das ist mal berührend, mal lustig und nie beurteilend. Eine Mischung aus Wiener Schmäh und ägyptischem Temperatment und damit ein Buch, das man mit gutem Gefühl aus der Hand legt.

Erschienen bei Braumüller, um ca. 22 Euro.

Ja heißt ja und ... von Carolin Emcke

112 Seiten sind nicht viel. Und Carolin Emcke verschwendet keine einzige davon: Mit starken Worten beschreibt sie ihre Sicht auf #metoo, auf alltäglichen Machtmissbrauch, schildert eindrücklich Situationen von Alltagssexismus und reflektiert ihre eigene Rolle darin genauso gnadenlos wie jene der Gesellschaft und damit der Leser*in.

Das schafft sie so grandios, dass man ihr Buch bereits auf Seite 3 kurz weglegen muss, um Luft zu holen. Und weiß gleichzeitig: Nicht weiterlesen ist keine Option. Dafür sind Emckes Gedanken zu gut und das Thema zu wichtig.

Erschienen bei S. Fischer, ca. 15 Euro.

 

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