WIENERIN-Chefredakteurin Barbara Haas über Beyoncé und das heiße Eisen "Feminismus".

WIENERIN-Chefredakteurin Barbara Haas über Beyoncé und das heiße Eisen "Feminismus".


ECHT? Das US-Magazin "Time" will das Wort "Feminist" zum Unwort des Jahres 2015 erklären lassen. Aha ...

Vorne sah man ihre Mega-Kurven, hinten flackerte
riesig das Wort „Feminist“. Spätestens seit Pop-Queen Beyoncé Knowles bei den MTV Video Music Awards halbnackt vor diesen Lettern verharrte, ist Feuer am Dach.
Weil: Wie kann so eine „sexy bitch“ bitte behaupten, Feministin zu sein? Frauen, die sich im G-String an den
Hintern ihrer Tänzer reiben, sollen in ihrer „Sex sells“-Schublade bleiben und nicht die Ziele der Emanzipation mit Füßen treten. Noch ärger ist nur noch Miley Cyrus. Früher die kreuzbrave Hannah Montana, schaukelt sie jetzt nackt auf Abrissbirnen, greift sich ständig in den Schritt und behauptet – wenn sie nicht gerade die Zunge rausstreckt –, das sei Feminismus.

Ist das nicht Verrat? Ist es, wie das Magazin Emma in einem Kommentar meinte, eine feindliche Übernahme des Feminismus? Oder ist es einfach abstoßend? Na ja, die Frage ist: Was genau stößt uns Frauen denn wirklich ab? Es ist wohl dieser betont sexuelle Auftritt. Feministinnen sollen gefälligst ihre Message im braunen Hosenanzug verkünden und nicht mit Spitzenhöschen von den wichtigen Werten ablenken.


Verwirrt.
Und wie kommt die feministische Sex-Show in der Welt der Männer an? Da kennt sich keiner mehr
aus. Will so eine verführen oder soll Mann mit ihr über gleiche Entlohnung und Vereinbarkeit von Kind und Karriere
diskutieren? Das US-Magazin Time hat auf den Sex-Angriff der neuen Feministinnen besonders absurd reagiert, indem es das Wort „Feminist“ zum Unwort des Jahres 2015 erklären lassen will. Dasselbe Magazin rankte Beyoncé übrigens im Mai noch unter den 100 einflussreichsten Menschen der Welt – das war halt vor dem MTV-Auftritt.
Was sagt uns das? Dass das Thema ein heißes Eisen ist. Und dass sich Feminismus verändert, weil wir Frauen
uns verändern und unsere Rollen sich auch. Solche Frauen können Vorbilder sein, auch wenn sie selbst nicht die Alleinverdienerinnen mit drei Kindern sind, sondern Millionen cashen. Und obwohl sie atemberaubend aussehen, uns alle ein bisschen neidig machen, weil sie Sex so ungeniert als Machtinstrument nützen, tun Frauen wie Beyoncé auch noch etwas anderes: Sie machen Mut. Mit der Polarisierung und einer massenmedialen Debatte
können sie in uns, die wir im Verhältnis dazu eher unter den Begriff „normal“ fallen, neue Leidenschaft entfachen.

Um zu sagen: Ja, liebe Leute, Feminismus ist in erster Linie, sich nicht kleinmachen zu lassen. Das war auch Beyoncés Botschaft – bei MTV. Während sie im Pailletten-Body glitzerte, kam die Stimme aus dem Off:
„Feminist – eine Person, die an die soziale, politische und ökonomische Gleichheit der Geschlechter glaubt.“

Wienerin-Chefredakteurin Barbara Haas

 

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