Wienerin beschwert sich darüber, wie viel im Supermarkt weggeschmissen wird

Der Facebook-Post einer jungen Wienerin löste eine Diskussion über Lebensmittelverschwendung aus.

"Supermarkt im 1. Wiener Bezirk an einem Pfingstsamstag 10 Minuten vor Kassenschluss." Mit diesen Worten läutete Nina Brenner am vergangenen Pfingstwochenende eine Diskussion über Lebensmittelverschwendung in Supermärkten ein.

Dazu stellte sie ein Foto eines vollen Gemüseregals - und allen ist klar: das wird alles weggeschmissen. Schließlich stand ein Feiertag an. "Die Regale bis oben hin gefüllt mit frischen Früchten zum direkten Verzehr. Und das ist nur 1 Regal von vielen! Lebensmittel, die am Dienstag, wenn wieder geöffnet ist, nicht mehr verkauft werden können", schreibt sie.

Doch noch schockierender ist das Gespräch, das Nina Brenner mit einem Supermarkt-Mitarbeiter führte und das sie in ihrem Posting detailliert schildert:

"Schockiert hab ich mich umgeschaut und höflich und diskret einen Mitarbeiter gefragt, wo denn all die Sachen hinkommen?

Er: "Natürlich werden die Sachen entsorgt."
Ich: "Aber warum werden die Produkte nicht wenigstens rabattiert? "
Er: "Weil das zu den Kunden im 1. Bezirk nicht passt."

Die junge Frau war schockiert.

"Mir ist bekannt, dass leider viel zu viel weggeworfen wird, aber in diesem Ausmaß hab ich es noch nie erlebt. In diesem Supermarkt muss wohl bis zur letzten Minute den Kunden das Gefühl gegeben werden, dass alles noch im Übermaß vorhanden ist und alle Regale prall gefüllt sind. Es war das erste Mal, dass ich überaus traurig und nachdenklich in einem Laden stand und wusste, dass ich hier nie wieder einkaufen werden.

Vom "mit dem Flugzeug gebrachten Thailand Spargel" der neben drei Sorten aus Österreich liegt, möchte ich gar nicht anfangen."

Der Supermarkt reagierte

Ihr Posting erreichte fast 6000 Likes und löste eine Debatte aus. Auch das Unternehmen wurde darauf aufmerksam und postete eine Antwort: "Als Lebensmitteleinzelhändler bewegen wir uns im Spannungsfeld zwischen Ausverkaufssituationen und einem vielfältigen Angebot: Wir wollen euch auch beim späten Einkauf Vielfalt bieten, gleichzeitig so gut kalkulieren, dass keine Lebensmittel entsorgt werden müssen.

Deshalb arbeiten wir bereits seit mehr als 10 Jahren mit karitativen Einrichtungen zusammen und versuchen alle Waren, welche nicht mehr verkaufs-, aber noch verzehrfähig sind, weiterzugeben. Das sind in Wien z.B. die Wiener Tafel oder in Niederösterreich, Oberösterreich und Kärnten die SOMA-Märkte. In unseren Märkten österreichweit haben wir insgesamt über 140 Kooperationen laufen, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden." Man nehme den Vorfall "sehr ernst", betont die Firma.

So viele Tonnen Lebensmittel landen im Müll

Doch das große Problem bleibt: 760.000 Tonnen Lebensmittel landen laut Österreichischem Ökologie-Institut jedes Jahr in Österreich im Müll. Und in diese Zahl sind die Abfälle der Landwirtschaft, der Lebensmittelproduktion und des Großhandels noch nicht mit einberechnet. Österreichs Supermärkte werfen jährlich 74.100 Tonnen essbarer Lebensmittel in die Abfalltonnen – so eine Studie des ­Instituts für Abfallwirtschaft an der Wiener Universität für Bodenkultur.

Weltweit sieht die Situation noch dramatischer aus. Laut Studie der Welternährungsorganisation (FAO) wird etwa ein Drittel der produzierten Lebensmittel nicht verzehrt und muss entsorgt werden. In Frankreich gibt es mittlerweile ein Gesetz, das vorsieht, dass Supermärkte übrig gebliebene Lebensmittel nicht mehr wegschmeißen dürfen. Diese Ware soll gespendet, als Tiernahrung genutzt oder als Kompost für die Landwirtschaft verwendet werden. In Österreich passiert das bisher nur auf freiwilliger Basis.

 

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